Patrick K.

Prozess in der Türkei: Gießener drohen zehn Jahre Haft

Dem in der Türkei inhaftiertem Gießener Patrick K. drohen wohl sieben bis zehn Jahre Haft. Er wurde in ein anderes Gefängnis verlegt. Sein Prozess beginnt wohl in drei bis vier Monaten.
16. Mai 2018, 09:35 Uhr

Von Christoph Hoffmann , 1 Kommentar
Ein Foto aus besseren Zeiten. (Foto: pv)

Die Informationen dringen nur spärlich nach Deutschland durch, und von offizieller Seite bestätigt sind sie auch nicht. Patrick K., dem in der Türkei wegen Terrorverdachts inhaftierten Gießener, könnte in drei bis vier Monaten der Prozess gemacht werden. Zumindest hat der 29-Jährige das in einem kurzen Telefonat seiner Mutter Claudia S. erzählt. Die Staatsanwaltschaft habe Anklage erhoben, bei einer Verurteilung drohten ihm sieben bis zehn Jahre Haft. »Er durfte mich für zwei Minuten anrufen. Er ist total aufgelöst und hat nur geweint. Er hat panische Angst, dass er verurteilt wird. Seine ersten Worte waren ›Mama, wann holst du mich endlich heim?‹«, erzählt Claudia S.

 

Verlegt nach Elazig

Beim Telefonat erfuhr die Mutter weitere Neuigkeiten: Patrick K. ist vor eineinhalb Wochen in ein anderes Gefängnis verlegt worden, von Silopi ins 430 Kilometer entfernte Elazig. Eine Maßnahme, von der die Deutsche Botschaft in Ankara laut Claudia S. nichts wusste. Gestern Nachmittag sei ihr dann mitgeteilt worden, ihr Sohn sei aus Sicherheitsgründen verlegt worden.

+++ Lesen Sie auch: Gießener in Türkei festgenommen

Auch im neuen Gefängnis sei ihr Sohn völlig isoliert, klagt Claudia S.: »Er kann die Sprache nicht und hat keine Kontakte.« Das erschwere auch bürokratische Schritte, die der Gießener unternehmen wolle. So soll er zum Beispiel seinem Pflichtverteidiger, mit dem die Angehörigen sehr unzufrieden sind, das Mandat entziehen. Mit Geldern aus einem Spendenaufruf soll ein neuer Anwalt finanziert werden. Und wenn genug übrig bleibt, wollen Claudia S. und einer der beiden Brüder von Patrick K. in die Türkei fliegen. »Im neuen Gefängnis sind Besuche wohl erlaubt. Generell soll es dort ein bisschen besser sein.«

 

Er wollte nur wandern

Zudem weist die Mutter auf ein Missverständnis hin. Im jüngsten Gespräch mit dieser Zeitung hatte sie gesagt, ihr Sohn sei in ein Camp geraten und dort verhaftet worden. Es soll sich aber vielmehr um eine Art militärisches Sperrgebiet gehandelt haben, in dem er alleine aufgegriffen worden sei.

Am 14. März ist Patrick K. in der türkischen Stadt Silopi im syrischen Grenzgebiet festgenommen worden. Ihm wird vorgeworfen, er habe die Grenze überqueren und sich den kurdischen Rebellen der YPG anschließen wollen. Laut einer türkischen Nachrichtenagentur soll bei dem 29-Jährigen Material sichergestellt worden sein, das Verbindungen zur YPG und der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK nachweisen soll. Dem Gießener wird die Unterstützung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Seine Familie und Freunde bestreiten das und betonen, er habe nur wandern wollen.

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