Shisha-Bar-Prozess

Shisha-Bar-Explosion in Gießen: Verbrechen aus Freundschaft?

Im Shisha-Bar-Prozess äußerte einer der Angeklagten am Freitag, er habe sich aus »Freundschaft« zu einem Verbechen hinreißen lassen.
10. Februar 2018, 09:31 Uhr
Verkohlte Trümmer: die Shisha-Bar nach Brand und Explosion. (Archivfoto: sha)

Wie weit reicht Freundschaft? Und wie leicht lässt sie sich missbrauchen? Erschreckend leicht, wenn man den Shisha-Bar-Prozess vor der Jugendstrafkammer des Gießener Landgerichts verfolgt. Dort müssen sich vier Männer wegen versuchten Mordes verantworten.

Laut Anklage ließen drei von ihnen sich vom Besitzer der Shisha-Bar in der Licher Straße anstiften, sein Lokal in der Nacht zum 3. August vergangenen Jahres anzuzünden. Nach einer gewaltigen Explosion griff das Feuer auf ein angrenzendes Haus über. Die Mieter konnten sich mit leichten Verletzungen retten. Noch nicht einmal 1000 Euro pro Kopf soll der Reiskirchener seinen Komplizen versprochen haben. Er selbst hoffte demnach auf 80 000 Euro von der Gebäudeversicherung.

Ich stand halb in Flammen, meine Hose ist fast völlig verbrannt

Angeklagter im Shisha-Bar-Prozess

 

Waren nur diese »billigen« 1000 Euro das Motiv?, fragte Staatsanwalt Thomas Hauburger am Freitag. Er habe »aus freundschaftlichen Gründen« gehandelt, antwortete ein 23-jähriger Angeklagter. Eigenen Angaben zufolge lernte er den Barbesitzer während seiner Bundeswehrzeit kennen. Sie seien »gute Freunde« geworden. Auf Nachfragen offenbarte er noch: Er habe 500 Euro Schulden bei dem 22-Jährigen gehabt. Angeblich wegen eines Handykaufs. Dieses Geld habe der Reiskirchener ihm erlassen wollen.

 

Kanister Benzin hinter der Theke deponiert

Der widersprach jedoch. Sein Kamerad habe ihm einen »Gefallen geschuldet«. Er habe das bei einem Unfall demolierte Auto des Baden-Württembergers günstig bei einem Freund reparieren lassen. Dafür habe sich der 23-Jährige revanchiert. »Ich wusste, der stellt keine Fragen und wird alles erledigen«, sagte der Bar-Besitzer kühl.

Wegen dieses Freundschaftsdienstes lag der Schwabe auch wochenlang im Krankenhaus. Er hatte sich schwere Verbrennungen zugezogen, als er mit zwei weiteren Angeklagten – 20 und 23 Jahre alt – in der Shisha-Bar Feuer legte. Der Reiskirchener hatte demnach alles vorbereitet und einen Kanister mit Benzin hinter der Theke deponiert. Sowohl er als auch die weiteren Angeklagten betonten jedoch, dass nur die dem Mehrfamilienhaus vorgelagerte Bar habe brennen sollen. Sie hätten nie damit gerechnet, dass die Flammen auf das komplette Gebäude übergreifen würden.

 

Zuerst nicht getraut, ins Krankenhaus zu fahren

Ein brennendes Taschentuch sorgte jedoch auf dem mit Benzin getränkten Boden für eine Verpuffung. »Mich hat es richtig umgehauen«, berichtete der Angeklagte, der sich die schweren Verletzungen zugezogen hatte. Er und der jüngste Angeklagte konnten sich gerade noch durch ein zerstörtes Fenster aus dem Lokal retten. »Ich stand halb in Flammen, meine Hose ist fast völlig verbrannt«, sagte der Ex-Soldat. Der Dritte im Bunde wartete bereits im Fluchtfahrzeug.

Aus Angst aufzufliegen, hatte sich das Trio nicht getraut, direkt ins Krankenhaus zu fahren, dies aber schließlich doch getan. Der 20-jährige Angeklagte, ein Freund des später schwer verletzten Mannes, sagte, er sei vehement gegen die Brandstiftung gewesen. Da er seinen Kumpel aber nicht davon abbringen konnte, sei er mitgefahren. Er habe den Freund »nicht allein lassen wollen«. Der dritte mutmaßliche Brandstifter will sich nächste Woche äußern.

Der Barbesitzer nannte Schulden und verletzte Eitelkeit wegen seines Scheiterns als Motiv. »Ich wollte es mir nicht eingestehen, dass ich es nicht schaffe.«

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