25. März 2019, 21:27 Uhr

»Verwandlung« im taT: Wer ist Gregor Samsa?

25. März 2019, 21:27 Uhr

Franz Kafkas Erzählung »Die Verwandlung« von 1912 hat nichts von ihrer Aktualität verloren. Das zeigt die Schauspiel-Inszenierung für Jugendliche und Erwachsene, die ab Freitag auf der taT-Studiobühne zu sehen ist.

»Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt.« Die Metamorphose in einem kleinbürgerlichen Familienkosmos verhandelt die Entfremdung und den Zerfall des eigenen Ichs durch die Ausbeutungsmechanismen unserer leistungsorientierten Gesellschaft. Wer nicht funktioniert, ist untragbar, muss weg. Aber wer ist dieser Gregor Samsa? Ein Burn-out-Geschädigter? Ein autistischer Hikikomori? Ein Alter Ego Kafkas? Ein an Depressionen leidender Mensch? Oder jemand mit Vaterkomplex?

Christian Fries inszeniert

Kafkas Erzählung auf die eine gültige Interpretation festzulegen ist schlicht unmöglich. Dem trägt Regisseur Christian Fries Rechnung, indem er gemeinsam mit dem vierköpfigen Ensemble den Intensitäten, Tönen, Schwingungen, Farben und Empfindungen in Kafkas rätselhafter realistisch-fantastischer Welt nachspürt. Pascal Thomas übernimmt vorrangig die Rolle des Gregor Samsa, Astrid Kohlhoff, Lukas Goldbach und Maximilian Schmidt bekleiden die Rollen von Mutter, Vater und Schwester, ohne auf diese jeweils festgelegt zu sein. Die Dinge bleiben in der Schwebe. Der düstere Bühnenraum von Imme Kachel wird möglicherweise Assoziationen zur Graphic Novel hervorrufen und lässt die Frage offen, wo wir uns befinden: In einer Wohnung? In einem Traum? In einer Zwischenwelt? In einer Irrenanstalt? Jeder ist eingeladen, sich sein eigenes Bild zu machen. Nicht zuletzt arbeitet die Inszenierung den oft übersehenen kafkaesken Humor heraus: Wo bleibt einem das Lachen im Halse stecken, und wo beginnt das Lachen aus Entsetzen?

Premiere ist am 29. März, weitere Vorstellungen folgen am 5. April; 4. und 12. Mai jeweils um 20 Uhr.

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