23. Oktober 2008, 16:38 Uhr

Museumsverein beschloss neue Konzeption - Existenz nicht bedroht - Dr. Hölscher und Vorstandsmitglieder traten zurück

Alsfeld (ml). »Der Geschichts- und Museumsvereins kann sich wieder in ruhigere Fahrwasser begeben«, bilanzierte Rechtsanwalt Gerd Friedrich Huck auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung am Mittwoch im Regionalmuseum.
23. Oktober 2008, 16:38 Uhr
Die Vorsitzende des Geschichts- und Museumsvereins, Dr. Monika Hölscher (stehend), legte am Mittwoch ihr Amt nieder, vorn Rechtsanwalt Huck, daneben stellvertretender Vorsitzender Jochen Weppler, der für mehr ehrenamtliche Vereinsarbeit plädierte. (Foto: ml)

Alsfeld (ml). »Der Geschichts- und Museumsvereins kann sich wieder in ruhigere Fahrwasser begeben«, bilanzierte Rechtsanwalt Gerd Friedrich Huck auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung am Mittwoch im Regionalmuseum. Neben dem Bericht des Rechtsanwaltes zu den Verträgen mit der Stadt Alsfeld, stand auch die zukünftige Konzeption des Vereins auf der Tagesordnung. Die dabei von der Versammlung beschlossene Erweiterung des Museumsbetriebes sowie die Ereignisse der letzten Monate hatten zur Folge, dass neben den Beisitzern Ulf-Dieter Fink und Heinrich Dittmar auch die Vorsitzende Dr. Monika Hölscher ihre Ämter niederlegten.

Zu Beginn der rund zweieinhalbstündigen Versammlung fasste zunächst Hölscher die Gründe für eine außerordentliche Mitgliederversammlun zusammen. Denn eine solche habe es in dem 111-Jährigen Bestehen des Vereins nicht oft gegeben. Es sei unfassbar, wie seitens der Stadt mit dem Verein umgegangen worden sei. Dass in Alsfeld gespart werden müsse sei klar, aber das der Verein in seiner Existenz bedroht sei und diese Tatsache mit einem Schulterzucken hingenommen werde sei ein Skandal, so Hölscher. Die Rückabwicklung der Verträge zwischen der Stadt und dem Verein über die gekauften Kunstgegenstände im Zuge der Erbschaft Riechers habe den Verein an den Rand des Erträglichen gebracht.

Entwarnung gab es anschließend von Rechtsanwalt Huck. Die Befürchtung, dass der Verein die Situation finanziell nicht mehr durchstehe, stehe nicht mehr im Raum (siehe Kasten).

Nächster Punkt auf der Tagesordnung war die neue Aufgabenverteilung innerhalb des Vereins, nachdem seit dem 1. Oktober die hauptamtliche Stelle weggefallen sei. Wichtig, so der zweite Vorsitzende Jochen Weppler sei es, dass sich die Mitglieder einbringen. Die Aufgaben sollen zukünftig auf mehrere Schultern verteilt werden. Zum Abschluss stellte Weppler die neue Konzeption für das Museum vor, das man bereits mit Vertretern der Stadt, des Verkehrsvereins und des TCA diskutiert hatte. Die veränderten Bedingungen seit dem 1. Oktober erfordern eine neue Konzeption der ehrenamtlichen Museumsarbeit. Zukünftig sollen die Ziele ausgebaut und erweitert werden. Dazu zählen unter anderem auch eine engere Zusammenarbeit mit Verkehrsverein, Stadtarchiv, anderen Museumsvereinen sowie kulturschaffenden Vereinen der Stadt Alsfeld So solle das Märchenhaus vom Verein mitbetreut werden und auch der Teilverkauf von Gutscheinen des Verkehrsvereins soll im Museum stattfinden. Dazu solle der Verein Personal einstellen für die Museumspforte und die Betreuung des Märchenhauses.

Auch die Öffnungszeiten des Museums können sich ändern. Dazu gebe es verschiedene Modelle, die man diskutieren müsse. Für die Finanzierung des Konzeptes gebe es verschiedene Optionen. Grundvoraussetzung sei allerdings, dass die Kosten zu 100 Prozent extern übernommen werden, ohne dass die Vereinskasse belastet werde. Ein wesentlicher Bestandteil werde zusätzlich die ehrenamtliche Einbindung der Mitglieder sein. Wichtig seien dabei die Synergieeffekte, die durch die Kooperationen erzielt werden können. Wir sollten selbstbewusst auftreten und von der Politisierung des Vereins loslösen. In den letzten Monaten sei der Verein nur noch Erfüllungsgehilfe gewesen, so Weppler.

Nun müsse man der Politik signalisieren, dass man bereit sei, etwas zu tun. Bürgermeister Ralf A. Becker sagte dazu, dass dieses Konzept von allen Beteiligten als das Sinnvollste angesehen worden sei. Dass der Verein das Personal einstellen solle, hänge auch mit der Konsolidierung der Stadt zusammen. »Uns sind die Hände gebunden«, was die Einstellung von Personal betreffe. Nach ergiebiger und intensiver Diskussion sprach sich schließlich die Mehrheit der Mitglieder für das neue Konzept aus. Im Zuge der Neukonzeption erklärte die Vorsitzende daraufhin den Rücktritt von ihren Ämtern. Die persönlichen Verletzungen und Denunzierungen seien nicht mehr ertragbar. Zudem stehe die ureigenste Aufgabe nicht mehr im Mittelpunkt der Museumsarbeit. Sie wünsche dem Verein alles Gute und dass die Stadt endlich den Wert des Museums erkenne.

Und auch Heinrich Dittmar trat aus dem Vorstand zurück, da in den letzten anderthalb Jahren Entwicklungen eingetreten seien, die er nicht mehr mittragen möchte. Desgleichen Ulf-Dieter Fink, der vom Amt als Beisitzer aufgrund der aktuellen Entwicklungen zurücktrat.

Rechtsanwalt: 200000 ¤ von der Stadt für Geschichtsverein

Der vom Verein beauftragte Rechtsanwalt Huck erläuterte die rechtliche Lage des Vereins im Zusammenhang mit den Rechtsgeschäften der Diestelmann-Ära so: Die rund 24000 Euro, die für die Inventarisierung vorgesehen waren, wurden von den städtischen Gremien genehmigt. Etwas komplizierter sei es bei einer weiteren Ausgabe unter dem Stichwort »Architektenleistung« gewesen. Die rund 87000 Euro hätten den Verein in arge Finanznot gebracht. Doch auch in dieser Angelegenheit, werde es seitens der Stadt keine Rückforderungen an das Museum geben. Einzig noch vorhandenes Problem sei eine Summe in Höhe von 200000 Euro, die laut Haushaltsplan 2006 dem Verein zufließen sollte. Da dies ein fließender Prozess sei und es von den Stadtverordneten zu entscheiden sei, müsse man abwarten. Jedenfalls habe der Verein einen Anspruch auf dieses Geld. Eine mögliche Klage des Vereins könne er allerdings nicht empfehlen.

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