30. Juni 2009, 19:16 Uhr

In einem Pfarrhaus im Schnepfenhain fing es an

Alsfeld (pm). 100 Jahre Schulbau in der Schillerstraße und der 100. Abiturjahrgang sind Grund zum Feiern. Deshalb findet am Samstag, 4. Juli, ein Jubiläumsfest mit Tag der offenen Tür statt. Schon am Freitag, 3. Juli, findet ein Festakt im Oberstufengebäude in der Krebsbach statt, für den man sich im Sekretariat der Albert-Schweitzer-Schule anmelden kann.
30. Juni 2009, 19:16 Uhr
Der markante Altbau der Albert-Schweitzer-Schule in der Schillerstraße. (Foto: pm)

Alsfeld (pm). 100 Jahre Schulbau in der Schillerstraße und der 100. Abiturjahrgang sind Grund zum Feiern. Deshalb findet am Samstag, 4. Juli, ein Jubiläumsfest mit Tag der offenen Tür statt. Schon am Freitag, 3. Juli, findet ein Festakt im Oberstufengebäude in der Krebsbach statt, für den man sich im Sekretariat der Albert-Schweitzer-Schule anmelden kann. Dabei kann man neben Grußworten, gespielten Geschichten aus dem Schulalltag auch Nathalie Weise mit ihrem Partner René Reith erleben. Das Tanzpaar war erfolgreich beim weltgrößten Amateurtanzturnier. Das Tanzpaar wird auch am Samstag von 14 bis 18 Uhr auf dem Gelände der ASS in der Schillerstraße mit dabei sein. An diesem Tag gibt es ein buntes Programm mit Musik, Theater und Tanz sowie vielen Aktionen von und mit den Schülern. Die Arbeitsgemeinschaften werden sich vorstellen und die neuen digitalen Tafeln, die SMARTboards, in verschiedenster Weise präsentiert. Außerdem kann man einen Einblick in die Verwendung von Lernprogrammen bekommen und sogar eine Aufführung kleiner Theaterszenen über Schüleraustausche bezieht das SMARTboard mit ein. Um 17 Uhr findet die Enthüllung der Wetterfahnen auf dem Schulhof, danach treten in der Aula die Schulbands auf. Eine Ausstellung zur Historie der Albert-Schweitzer-Schule, die im September zu sehen sein wird, rundet die Jubiläumsfeierlichkeiten ab.

Bereits seit 1840 gab es Bemühungen im kleinen Alsfeld neben den Volksschulen eine weiterführende Schule zu erhalten. Am 8. Januar 1861 kam es schließlich zur Gründung einer Realschule, in der sich im Laufe der Zeit die heutige Albert-Schweitzer-Schule entwickelte. Als rühriger Verfechter der Schulgründung gilt Gerhard Jakob Ramspeck, der von 1825 bis 1871 Bürgermeister und zeitweise auch Abgeordneter im Landtag des Großherzogtums Hessen-Darmstadt war. Als Gründungsrektor wurde von der großherzoglichen Oberstudiendirektion in Darmstadt Friedrich Wilhelm Grein aus Offenbach berufen. Die Schule nahm ihren Unterricht mit 52 Knaben in dem Pfarrhaus im Schnepfenhain (heute Hausnummer 27 neben der jetzigen Stadtbücherei) auf. Im Laufe des Jahres 1861 stieg die Zahl der Schüler auf rund 100, die der Lehrer auf fünf. Weil es damals noch keine staatlich vorgeschriebene Grundschulzeit gab, besuchten die Schüler die Anstalt vom 10. bis zum 15. Lebensjahr.

Mit der Zeit stieg die Schülerzahl stetig, so dass zum Abhalten des Unterrichts teilweise in Alsfelder Gaststätten ausgewichen werden musste. Nachdem Grein 1864 nach Offenbach zurückversetz worden war, wurde Johann Schäfer neuer Direktor. 1869 wurde die Schule von einer fünfjährigen in eine sechsjährige Realschule um- gewandelt: Die Schüler verließen sie erst mit 16 Jahren. Sie durfte sich nun »Realschule II. Ordnung« nennen. Außerdem bekam sie das Recht, Zeugnisse des »Einjährigen« auszustellen. Damit war die Befähigung und Möglichkeit zum einjährigen, freiwilligen Militärdienst gemeint (statt der zweijährigen Rekrutenzeit).

1873 hatte der nächste Direktor Friedrich Götz die Ehre, ein neu errichtetes Gebäude am Schnepfenhain feierlich einzuweihen, welches heute noch als Stadtbücherei genutzt wird. Knapp 200 Schüler waren zu diesem Zeitpunkt an der Realschule registriert. Dr. Ernst Schermann und Alfred Haller hießen die beiden Schulleiter, die vor Dr. Philip Jacobi die Realschule leiteten, die unter ihm in eine Oberrealschule umgewandelt wurde. Am 11. März 1909 wurde das erste Abitur unter Schulleiter Dr. Heinrich Pitz abgenommen. Die großherzogliche Regierung hatte die Genehmigung zur Erweiterung der Alsfelder Realschule zur Vollanstalt an die Bedingung geknüpft, dass die Stadt je ein neues Schulhaus für die Realschüler und die Volksschüler baute. So entstanden in den Jahren 1907-1910 die Stadtschule in der Volkmarstraße und die Oberrealschule in der Schillerstraße.

Nach dem Ersten Weltkrieg war der Schulbetrieb noch einige Jahre durch Notlagen wie Lebensmittelknappheit und auch Kohlenmangel für Schulheizung gekennzeichnet. Die Umstellung auf die neue Staatsform fiel der Schule schwer; das Lehrerkollegium verhielt sich die Weimarer Zeit gegenüber dem neuen »Volksstaat« Hessen reserviert. 1929 wurde Dr. Karl Hainer der Nachfolger von Direktor Hensing. Hainer leitete die Schule während der Nazizeit. Zeitzeugen wissen zu berichten, dass er kein überzeugter Anhänger Hitlers war. Die nationalsozialistische Schulpolitik machte sich schon bald nach der Machtergreifung und der Bildung einer neuen Regierung in Hessen in der Alsfelder Oberrealschule bemerkbar. Von der nationalsozialistischen Schulpolitik beeinflusst, herrschte bald ein neuer Sprachgebrauch, der dem der Hitlerjugend und der NSDAP ähnelte. Die Leistungen der Schüler sackten ab, da immer mehr Unterrichtstunden mit gemeinschaftlichen Anhörungen von politischen Reden und Schulfesten verbracht wurden. Das Schulklima wurde rauer, immer öfter erreichen die Schule Nachrichten vom Tod ehemaliger Schüler an der Front; Offiziere der Wehrmacht und der SS sprachen vor den Schülern, die auch als Flak-Helfer eingezogen wurden. Im Herbst 1944 wurde das Schulgebäude von einer Luftwaffenschule besetzt, der Unterricht wurde nur noch notdürftig stundenweise in Gaststätten gehalten, bis er im Winter 1944/45 ganz zusammenbracht.

Bei Kriegsende wurden polnische Kriegsgefangene und Fremdarbeiter in der Schule einquartiert, die in ihrer Not alles Brennbare (Schulmöbel, Lehrbücher, Landkarten, physikalische Geräte) zum Heizen und Kochen verwendeten. Nach ihrem Abzug im Sommer 1945 befand sich das Schulhaus in einem Zustand, der für die Lehrer und Schüler als unvorstellbar beschrieben wird. Trotz des Mangels an den nötigsten Utensilien, konnte am 1. Oktober 1945 ein zeitlich gekürzter Unterrichtsplan wieder aufgenommen werden. 1946 wurde die Schule in Realgymnasium Alsfeld umbenannt, die erste Elternvertretung wurde gewählt und einem Herrn Professor Schimpf die provisorische Schulleitung übertragen. Vermutlich durch das Aufnehmen vieler Flüchtlingskinder, stieg die Anzahl der Schüler auf über 500.

In den Nachfolgejahren hatte die Anstalt vor allem mit der Umsetzung neuer schulpolitischer Regelungen begonnen. Es wurde aufwändig restauriert, und Dr. Gustav Wolf führte sie Schule in den neuen Stil der 50-er Jahre. Den Schülern wurde anfangs ein breit gefächertes Kulturprogramm aus Theater und Tanz geboten. Nach zwei Jahren Beratungszeit wurde 1956 endlich mit der umfangreichen Sanierung und dem Neubau einer Aula in der Schillerstraße begonnen. Ein weiterer wichtiger Moment in den 50-er Jahren: Albert Schweitzer höchst persönlich gab nach einer Anfrage sein Einverständnis, der Schule seinen Namen zu verleihen. Jürgen Flechter übernahm die Schulleitung im Frühjahr 1978, sein Name ist verbunden mit der Umsetzung der Oberstufenreform (Kurssystem) und der Einweihung des neuen Oberstufengebäudes in der Krebsbach im Jahre 1981. Die Einführung der neugestalteten gymnasialen Oberstufe (Kurssystem) in den Jahren 1976-1979 bedeutete für die Schüler und die Lehrer eine gewaltige Umstellung. Die Schüler mussten sich darauf einstellen, in der Oberstufe ohne den gewohnten Klassenverband auszukommen. Von 1991 bis 1997 leitete Konrad Rüssel das Alsfelder Gymnasium, danach übernahm Elisabeth Hillebrand die Leitung. Unter ihrerer Federführung erfolgten unter anderem der Abriss der alten Aula in der Schillerstraße und der Neubau in Passivhausweise, sie führte die Tradition des Jahrbuchschreibens wieder ein, und natürlich wird der 100. Geburtstag des alten Gebäudes in der Schillerstraße dieses Jahr gebührend gefeiert.

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