15. Dezember 2010, 16:58 Uhr

Regionalmuseum öffnet seine »Schatzkammer«

Alsfeld (pm). In diesen Tagen versendet der Geschichts- und Museumsverein an seine Mitglieder das Mitteilungsheft mit dem Titel »Verborgene Raritäten sichtbar machen« aus den Magazinbeständen des Regionalmuseums Alsfeld.
15. Dezember 2010, 16:58 Uhr
Stattliche 2,04 Meter Höhe und 1,26 Meter Breite misst das Gemälde »Justitia«, Göttin der Gerechtigkeit, unter einem Apfelbaum (Foto/Detail).

Alsfeld (pm). In diesen Tagen versendet der Geschichts- und Museumsverein an seine Mitglieder das Mitteilungsheft mit dem Titel »Verborgene Raritäten sichtbar machen« aus den Magazinbeständen des Regionalmuseums Alsfeld. Neben dem, was in Ausstellungen präsentiert wird, verfügt das Museum über Raritäten und Kostbarkeiten, die meist aus räumlichen Gründen nie oder nur in großen Zeitabständen ausgestellt werden können.

In den Magazinräumen lagert eine Fülle von Büchern, Bildern, Dokumenten und historischen Gegenständen, die schon lange nicht oder überhaupt noch nicht der Öffentlichkeit gezeigt wurden. Der Vorstand hat deshalb das Mitteilungsheft unter das Moto »Verborgene Raritäten sichtbar machen« gestellt und unterschiedliche Themen aufbereiten lassen. Den technischen Möglichkeiten entsprechend wurde Farbiges in Farbe wiedergegeben, um die Originalwirkung vermitteln zu können. Das komplett digitalisierte Bildmaterial steht im Museum nach Voranmeldung zur Einsicht zur Verfügung. Vor 15 Jahren gab es schon einmal eine Ausstellung mit gleicher Zielsetzung. »Was einst in deutschen Wohn- und Schlafzimmern hing. Bilder aus den Magazin-Beständen des Regionalmuseums«, hieß die Überschrift.

Stattliche 2,04 Meter Höhe und 1,26 Meter Breite misst das Gemälde »Justitia«, die Göttin der Gerechtigkeit, unter einem Apfelbaum sitzend. »Geschichte und Geheimnis eines großformatigen Gemäldes« ist die Abhandlung bezeichnet. Über den Maler gibt es zwar Vermutungen, aber keinen sicheren Beleg. Untersuchungen in Alsfeld und einer Nachbargemeinde führten zu Vergleichen mit anderen Gemälden, die neben weiteren Informationen im Heft dargestellt sind. Die Bibel der Scharfrichterfamilie Hamel steht immer wieder im Blickpunkt und ist zum zweiten Mal ausgeliehen worden, noch bis zum Januar 2011 an das Stadtmuseum Erfurt, was die Wertschätzung dieses Buches unterstreicht. Bereits 1911 hat E. Becker erstmals ausführlich über sie berichtet. »... Das Auge freut sich an den kraftvollen Typen, den markigen Holzschnitten. Da fällt der Blick auf Geschriebenes ... eine ganze Familienchronik ist da zu finden...«. Der Öffentlichkeit ist die prachtvolle Bibel in der Vergangenheit schon öfter vorgestellt worden, naturgemäß nur mit einer aufgeschlagenen Doppelseite. Deshalb wurden jetzt erstmals alle mit Anmerkungen versehenen Bibelseiten sowie die Eintragungen des Anhangs fotografisch erfasst. Im Heft wird eine Auswahl von elf Seiten präsentiert. Ein prächtiger, mit Schnitzarbeit versehener Kleiderschrank aus Eiche ist ein weiterer Blickfang. In einer älteren, undatierten Inventarliste ist er unter M wie Möbel aufgeführt. Es liegt nahe, dass es sich um eines der ersten Möbelstücke des Museums handelt. Auf einem um 1970 entstandenen Foto ist der Schrank als Teil einer Schwälmer Stube im Vorgänger-Museum im Hochzeitshaus zu sehen. Vermutlich ist er 1730-1750 im Kreis Alsfeld hergestellt, zeigt bäuerliches Barock und hat Ähnlichkeit mit einem Frankfurter Schrank. Bemerkenswert auch das originale Kastenschloss mit Doppelriegel, aufwändig verziert und mit einer aufgenieteten Messingplatte. Schrank und Schloss sind im Heft abgebildet. Den Text über die Geschichte der Firma Ludwig Raab begleiten zahlreiche Bilddokumente. Fotografiert wurden auch die Pfeifenschränke im Magazin.

Dokumentiert ist der handgezeichnete, farbig ausgemalte Katalog der Pfeifenfabrik Ludwig Raab mit 137 Pfeifendarstellungen, der dem Verein kürzlich zum Kauf angeboten wurde. Der Katalog ist nach Aussage eines Experten einzigartig in der Welt. Mit den Ausführungen »Auf der Walz. Die Wanderbücher der Handwerksgesellen« wird aus Sicht der Kulturgeschichte des Reisens ein Blick auf drei sogenannte »Wanderbücher« aus dem 19. Jahrhundert aus dem Bestand des Regionalmuseums geworfen. Weil bei der üblichen Museumspräsentation nur die aufgeschlagenen Seiten zu sehen sind, werden im Heft bisher »verborgene« Seiten in Wort und Bild besonders vorgestellt. Das Regionalmuseum hat wie im Vorjahr Ferien - vom 20. Dezember bis zum 17. Februar 2011 ist es nur auf Anfrage und zu besonderen Gelegenheiten geöffnet. Das neue Mitteilungsheft wird deshalb auch in den Buchhandlungen und im Tourist Center Alsfeld verkauft.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Bibel
  • Kataloge
  • Schatzkammern
  • Schränke
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 24 - 4: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.