14. August 2012, 16:03 Uhr

Ralf Becker tritt nicht zur Bürgermeisterwahl an

Alsfeld (jol). Am Ende hat er sich für die Familie und gegen das Amt entschieden: Bürgermeister Ralf A. Becker wird im nächsten Jahr nicht zur Wiederwahl antreten.
14. August 2012, 16:03 Uhr
Tritt nicht mehr zur Wiederwahl an: Bürgermeister Ralf Becker. (jol)

»Die Entscheidung ist mir alles andere als leicht gefallen«, sagte er am Dienstagmorgen bei einem Pressegespräch, nachdem er die SPD-Fraktion und die städtischen Beschäftigten informiert hatte. Er sieht eine positive Entwicklung mit Unternehmensansiedlungen in der Stadt und lobt die rot-grüne Koalition, aber seine Familie genieße erste Priorität.

Bei dem Pressegespräch in seinem Dienstzimmer mit Blick auf den Marktplatz erinnerte Becker daran, dass er bereits vor Wochen angekündigt hatte, er werde nach der Sommerpause seine Entscheidung mitteilen – und er hielt sich an die Vorgabe. Er habe lange überlegt, ob er antreten soll. Schließlich haben die Familienverhältnisse den Ausschlag gegeben. Die Ehefrau ist gesundheitlich angegriffen und er konnte seiner Rolle als Vater zweier Kinder nicht gerecht werden. »Ich habe es mir einfacher vorgestellt«: Die Position als Bürgermeister und Familienvater unter einen Hut zu bekommen., meinte er mit Blick auf die Anfangszeit im Amt vor fünf Jahren. Die Tätigkeit bringe eine Menge an Terminen mit sich, die von einer Person nicht zu bewältigen sind. Erfreulicherweise half 1. Stadtrat Jürgen-Udo Pfeiffer viel aus.

Dass der Verzicht auf die Kandidatur schwer fällt, hängt auch mit der positiven Entwicklung der Stadt in den vergangenen Jahren zusammen. Alsfeld befinde sich in einem »strukturell sehr schwachen Raum«, da bringe auch der Autobahnanschluss nicht viel. Er freute sich über die Erweiterungen von hiesigen Firmen und die Ansiedlungen der Firmen Bohn und Jöckel.

Nun komme noch ein Neubau der Firma Gass hinzu, die aus der Hersfelder Straße in das Industriegebiet umzieht. Becker würdigte die ehrenamtlichen Initiativen der vergangenen Jahre, die in wirtschaftlich schwieriger Zeit entstanden sind. Eine positive Folge sind Fördermittel aus den Bundesprogramm Toleranz fördern und Jugend belebt Leerstand, »da kann etwas Kräftiges wachsen«.

Auch sei die Umstrukturierung der Stadtverwaltung nach dem Abbau von zehn Prozent der Stellen gut voran gekommen. »Es ist schade, dass ich gleichsam die Früchte dieser Arbeit nicht mehr ernten kann«. Inzwischen kann Becker auf eine eigene Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung bauen. Die rot-grüne Koalition mache es leichter, eigene Vorstellungen umzusetzen. Und es besteht ein »hervorragendes Verhältnis« zwischen den Akteuren. Bis September 2013 will er »mit voller Kraft« weiterarbeiten. Was danach kommt, »ist völlig offen«, so der Jurist. Nur Bürgermeister will er nicht mehr werden. Offen ist auch die Frage, mit welchem Kandidaten die SPD in den Wahlkampf geht. In der Fraktionssitzung am Montagabend hat Becker seine Entscheidung mitgeteilt. In der kommenden Woche soll ein erster Personalvorschlag vorgestellt werden. Er solle einen »transparenten Prozess der Kandidatenfindung« geben, kündigte Ralf Becker an.

Das bestätigte SPD-Vorsitzender Swen Bastian: Am nächsten Montag wollen sich Vorstand und Fraktion mit der Kandidatensuche beschäftigen, einen Vorschlag gebe es bereits. In der SPD-Sitzung am Montag sei die Ankündigung Beckers mit Betroffenheit aufgenommen worden. Die SPD-Vertreter hätte Becker für seine »sehr, sehr gute Arbeit in einem schwierigen Umfeld« gedankt. So habe Becker das Defizit im Haushalt deutlich gesenkt, die Klage gegen den Raumordnungsplan wegen der Windkraftflächen auf den Weg gebracht. Die SPD-Aktiven hätten die Entscheidung Beckers mit größtem Respekt zur Kenntnis genommen. Es sei heutzutage selten, wenn jemand seine Arbeit gerne macht, sich dann aber bewusst für die Familie entscheide.

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