28. September 2012, 19:23 Uhr

Besucher waren in Haftzellen und im »Museum«

Alsfeld (jol). Ungewöhnliches Kommen und Gehen in den Zellen des Amtsgerichts – beim Tag der offenen Tür wurden auch die schweren Metalltüren der kleinen Hafträume im Untergeschoss des Gebäudes an der Schellengasse aufgeschlossen. Drei Rundgänge und sechs Vorträge zogen am Freitag eine ganze Reihe Interessierter an.
28. September 2012, 19:23 Uhr
Jens Götting zeigte eine alte Schreibmaschine, Stühle und Bücher im Museum des Gerichts. (jol)

Viele Fragen hatte Jens Götting bei seinen Führungen durch das Gebäude zu beantworten. Fast nebenbei stellte der Geschäftsleiter des Amtsgerichts die Teile des Bauwerks vor, was manchmal einem Ritt durch die Geschichte glich. Immerhin verläuft die mittelalterliche Stadtmauer durch das Gebäude, der alte Teil steht auf dem Grund des ehemaligen Landgrafenschlosses und wurde 1858 als Gericht erbaut. Der Neubau ist 2000 eröffnet worden, später wurde die Zweigstelle in Lauterbach angegliedert – die Säle des Amtsgerichts sind gut ausgelastet, so Götting. Im Hinterzimmer von Saal 1 verwies er auf die Bedeutung der Schöffen, das sind ehrenamtliche Richter, die in Verfahren mit einem höheren Strafmaß neben dem hauptamtlichen Richter tätig sind. Ungläubig vernahmen die Teilnehmer des Rundgangs, dass auch manche Zeugen in die Zellen im Untergeschoss eingesperrt werden. Das gilt aber nur für verurteilte Straftäter und Untersuchungshäftlinge, die aus Vollzugsanstalten vorgeführt werden.

Die Gefahr einer Schließung sieht Götting nicht, dann gäbe es zwischen Gießen und Fulda kein Gericht mehr, »Bürgernähe sieht anders aus«. Das wäre aber eine politische Entscheidung. Die Schließung in Lauterbach hatte auch damit zu tun, dass ansonsten dort eine sehr teure Instandsetzung des Altbaus nötig gewesen wäre. Auf Nachfrage erläuterte er die Aufgaben eines Rechtspflegers. Das ist ein Ausbildungsberuf, Richter hätten dem gegenüber ein volles Jura-Studium absolviert. Rechtspfleger sind voll verantwortlich in Bereichen wie Grundbuch, Gewerberegister und bei Zwangsversteigerungen tätig. Aber zum Beispiel bei der Entscheidung über ein Bettgitter bei einem Pflegefall entscheidet ein Richter, weil es eine Freiheitseinschränkung bedeutet.

Mit Interesse sahen die Besucher im Obergeschoss des Altbaus das kleine »Museum« mit alten Büchern, Amtsschildern und Mobiliar aus früheren Jahren - inklusive Stühlen der Stuhlfabrik Alsfeld. Die Vorträge befassten sich mit sehr verschiedenen Rechtsthemen, so informierte Richter Heiko Kriewald über Vorsorgevollmacht und Betreuung. Mit Zwangsversteigerungen befasste sich Rechtspfleger Rainer Bock, Erben und Vererben stellte seine Kollegin Marlies Semmler dar. Die Anwälte Ralf Lämmer, Joachim Blum und Dieter Lämmer referierten über Verkehrsrecht, Familienrecht und Notariat.

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