04. September 2013, 18:58 Uhr

Romanische Fassaden und Kulturerbe-Park

Alsfeld (nic). Die fast 1300 Jahre alte »Dom- und Kaiserstadt« Fritzlar und die zum »Weltkulturerbe« gekürten Wasserspiele Kassel-Wilhelmshöhe waren Ziel des Jahresfahrt des Geschichts- und Museumsvereins.
04. September 2013, 18:58 Uhr
Mitglieder des Geschichts- und Museumsvereins in Fritzlar. (Foto: nic)

Unter dem – wie ein Teilnehmer es ausdrückte – Motto »Wenn der GMV auf Tour geht, scheint die Sonne« hatten sich 40 geschichtsinteressierte Teilnehmer zur Mitfahrt entschlossen und bereuten es nicht, denn das Resumee fiel ausgesprochen positiv aus: »Auch dieses Jahr wieder eine gelungene und sehr informative Fahrt mit zwar unterschiedlichen, aber immer sehr kompetenten Referenten«.

Wie in den vergangenen Jahren stand die von Matthias Nicolai vom GMV vorbereitete und geleitete Fahrt unter zwei verschiedenen thematischen Schwerpunkten. In den ersten, das heute weniger bekannte, im Frühmittelalter aber sehr bedeutende Zentrum Fritzlar, das nach der im Jahre 723 durch Bonifatius erfolgten Fällung der Donareiche (und nicht wie eine Berliner Schülerin kürzlich meinte »Dönereiche«) durch Karl den Großen mit einer Pfalzanlage versehen zum bevorzugten Aufenthaltsort der deutschen Kaiser und Könige wurde, führte Nicolai die Teilnehmer bereits auf der Hinfahrt im Bus ein.

In der ältesten Stadt Nordhessens war es dann Kunsthistoriker Manfred Ochs, der den interessierten Alsfeldern auf einem zweistündigen Rundgang viel wissens- und staunenswertes vermittelte. Getragen von großem Fachwissen, das er durch seine humorvollen Erläuterungen, häufig mittels lustiger und immer wieder einen Gegenwartsbezug schaffenden Anekdoten, »rüberbrachte«, verstand er es, die Gruppe zu begeistern. Themen waren: Die noch erhaltene, drei Kilometer lange Stadtmauer mit ihren einst sieben Toren und dreißig Türmen – wovon sechzehn, darunter der imposante 42 Meter hohe »Graue Turm« heute noch erhalten sind. 18 noch erhaltene komplette Steinbauten waren einst Wohnstätten der Chorherren, umgeben von einer eigenen, ein Kilometer langen Stadtmauer und somit für die Stiftsfreiheit besitzenden Chorherren exterritoriales und steuerfreies Gelände. Man sah die rund um den verkehrsberuhigten Marktplatz erbauten, zum Teil mit kunstvollen Schnitzereien verzierten Fachwerkhäuser, die insgesamt sechs Jahrhunderte mitteldeutscher Holzbaukunst repräsentieren. Das seit dem Jahr 1109 dokumentarisch belegte und damit älteste Bürgerrathaus Deutschlands weist einen in romanischer Bauweise ausgeführtem Steinsockel auf. Der Dom zeigt sich mit einer hochromanischen Westfassade und wurde auf den Grundmauern des durch einen Einfall der Sachsen im Jahr 1079 zerstörten romanischen Vorgängerbaus in den Jahren 1085 bis 1118 als hochromanischer Bau errichtet.

»Friedeslar«, der von 1066 bis 1803 dem Erzbistum Mainz gehörige »katholische Leuchtturm im protestantischen Nordhessen«, dessen Bewohner sich nach Aussage des Gästeführers als »Stachel im hessischen Fleisch« fühlten. Obwohl die Stadt auf urhessischem, chattischem Gebiet gelegen ist, hätten die Bewohner beim Ausruf »die Hessen kommen« alles empfunden, nur keine Freude. Nach dem informativen Rundgang waren sich die Fahrtteilnehmer einig: »Die Stadtführung war hervorragend, kompetent und humorvoll. Fritzlar hat so viel zu bieten, da lohnt sich ein zweiter Besuch.«

Weiter ging es zum Mittagessen direkt am Fuße der Herkules-Statue und die Entscheidung der Unesco, diesen weltweit einzigartigen Bergpark mit den Wasserspielen aus zu zeichnen zeigte Folgen: Menschenmassen, wohin man auch schaute. Gemäß dem Motto des Schweizer Tourismusforschers Jost Krippendorf »Touristen sind immer die anderen« hieß es nun für die Alsfelder Gruppe »Augen und Ohren auf und langsam bergab«, schnell ging bei dieser Massenansammlung von Menschen gar nichts. Betreut von der ebenso freundlichen wie sachkundigen Gästeführererin Cäcilia Winter erschloss sich für die Teilnehmer dieses wirklich einzigartige »Gesamtkunstwerk«. Vier Fürsten und eine ganze Reihe herausragender europäischer Gartenbaukünstler schufen über einen Zeitraum von etwa drei Jahrhunderten dieses herausragende und einzigartige Beispiel europäischer Gartenbaukunst.

Faszination Wasserspiele

Das 70 Meter hohe Tuffsteinbauwerk in Form eines Oktogons mit Pyramide und der krönenden, acht Meter hohen kupfernen Herkulesfigur bildet nicht nur den gigantischen, am höchsten Punkt gelegenen Auftakt der Anlage, sondern symbolisiert durch seine beeindruckende Größe und den Standort auch den absolutistischen Herrscherwillen.

Vom Fuß des Oktogons flutet das Wasser über die »Großen Kaskaden« zum »Neptunbassin« herab. Der »Steinhöfer Wasserfall«, die »Teufelsbrücke« und das »Aquädukt«, von dem das Wasser über 30 Meter Höhe (der höchste Wasserfall in einem künstlerisch gestalteten Park) tosend hinabstürzt, sind weitere Höhepunkte auf dem Weg zum großen Finale am »Fontänenteich«. Aus diesem steigt als Meisterleistung historischer Wasserbaukunst die »Große Fontäne« einem Geysir gleich 50 Meter in die Höhe – ermöglicht durch Ausnutzung des vorhandenen Gefälles und des Höhenunterschieds.

Sehr überrascht waren die Fahrtteilnehmer dann auch darüber, als Frau Winter erklärte, dass die vielen hundert Kubikmeter Wasser nicht wieder nach oben gepumpt werden. Sie fließen jedes Mal in die Fulda. Der Habichtswald hat eben viel Grundwasser, Quellen und auch genug Regen, aber nicht an diesem Sonntag.

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