28. Juli 2014, 14:08 Uhr

Museumsstück dient nun als Getränkestand

Alsfeld (jol). Das neueste Museumsstück ist sogar praktisch: Am Samstag stellte der Geschichts- und Museumsverein Alsfeld ein historisches Wasserhäuschen im Hof des Regionalmuseums auf.
28. Juli 2014, 14:08 Uhr
Am Samstag wurde das historische Wasserhäuschen im hinteren Teil des Museumshofs aufgestellt, mit viel Lob für das Engagement, das dies möglich machte. (Foto: jol)

Umfassend restauriert und mit historischem Anstrich in blau-grau dient es nun als Ausschank - zum ersten Mal beim Stadtfest am Samstag. Dann wollen Aktive des Alsfelder Carneval-Clubs Getränke aus dem Hüttchen ausgeben. Die schlichte Gestalt täuscht ein wenig über die mühselige Arbeit hinweg, die in dem schlichten Holzgeviert mit Dach steckt. Und es ist ein ganz besonderes Bauwerk.

So erinnerte Jochen Weppler, Vorsitzender des Vereins, bei der Eröffnung am Samstag daran, dass es das einzige erhaltene Gebäude des Casinoplatzes ist. Auf dieser Brache an der Alicestraße stand einst das Kaufhaus Kerber, später Kaufhaus Zinner. Und auch das Deutsche Haus, einst ein bedeutender Versammlungs- und Festort der Stadt, ist verschwunden. Das Wasserhäuschen stand vor dem ersten Weltkrieg im Bereich des kleinen Parkplatzes, Ecke Alicestraße/Georg-Martin-Kober-Straße. Ein altes Fotos zeigt es im Jahre 1905.

Sorgfältig restauriert

Bodo Runte vom GMV-Vorstand hat die Restaurierung des Holzhäuschens zusammen mit Richard Jungk intensiv begleitet. Er sagte, dass die Initiative von Heinrich Dittmar und Renate Kurz ausgegangen sei. Renate Kurz´ Familie hatte engen Kontakt zum vormaligen Eigentümer David Levi. Ihre Familie wohnte Seite an Seite mit den Levis im Haus Kaplaneigasse 4, Levi betrieb einen Wasserhandel. Runte erinnerte daran, dass erst um die 1860er Jahre herum die Technik so ausgereift war, das man keimfrei Wasser in Flaschen abfüllen konnte. Ein neuer Geschäftszweig war geboren, der Wasserhandel. Das wurde staatlicherseits gern gesehen, hoffte man doch, die Arbeiter vom Alkohol-Trinken abzubringen. Jedenfalls lieferte Levi mit einem Pferdegespann sauberes Trinkwasser in Flaschen an seine Kunden in den Dörfern. Und er stellte das Wasserhäuschen auf, eine etwa 2 mal 2 Meter große Holzhütte mit zwei großen Luken zur Ausgabe von Wasserflaschen. Das Häuschen war transportabel, die Seitenteile wurden mit Haken verbunden, das Dach war einfach abnehmbar. Nach dem 2. Weltkrieg diente es als Gartenhäuschen, zuletzt stand es auf einem städtischen Gartengrundstück.

Nach Hinweisen von Dittmar und Kurz bemühte sich Runte um Gelder zur Restaurierung des schadhaften Hüttchens. Mit Hilfe von Spenden, unter anderem vom Förderverein zur Geschichte des Judentums im Vogelsberg, ist die Holzkonstruktion bei der Neuen Arbeit neu aufgebaut worden. Für die qualifizierte Arbeit von Schreinermeister Dieter Hergert und seinem Team dankte Runte ganz ausdrücklich. Richard Jungk ergänzte, dass möglichst viel der Originalsubstanz erhalten wurde. Beim Abtragen der Farbschichten auf der Holzkonstruktion kam man auf die Schicht der Originalfarbe, ein helles blau. Eine Firma aus Hamburg lieferte die Pigmente für den Neuanstrich, um den historischen Charakter herauszustreichen.

Bürgermeister Stephan Paule freute sich am Samstag über das Wiederentstehen eines Elements der Alsfelder Geschichte. Er lobte das Engagement von Bürgern für die Aktion und die hochwertige Arbeit der Neuen Arbeit. Das alte Wasserhäuschen habe »einen wunderbaren Platz im Museumshof« gefunden. Hans Heinrich Graue, Vorsitzender des Fördervereins, meinte, dieser habe das Vorhaben gerne unterstützt, es ging ja auch um einen Beitrag zum jüdischen Teil der hiesigen Geschichte.

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