03. Oktober 2017, 17:30 Uhr

Politik in der Schule

Alle grenzen sich von der AfD ab

Politikverdrossenheit? Keine Spur! Wenn es um Parteien, Wahlprogramme und Kandidaten geht, wurde in den vergangenen Wochen an der Ohmtalschule (OTS) angeregt diskutiert.
03. Oktober 2017, 17:30 Uhr
Das Wahlergebnis an der OTS war ein anderes als bei der Bundestagswahl, und veränderte sich nach der Diskussion erneut. (Foto: pm)

Wozu braucht man eine Fünf-Prozent-Hürde? Kann die NPD in den Bundestag kommen? Bleibt Angela Merkel Kanzlerin? Schüler vor allem der höheren Jahrgängen hatten viele Fragen, die im Powi-Unterricht besprochen wurden. Es wurden Wahlprogramme gesichtet und Werbespots geschaut, Wahlplakate diskutiert und schließlich in der Pausenhalle große Plakate aufgehängt, auf denen die Klasse 10 Ga die wichtigsten Informationen zu einzelnen Parteien aufgelistet hatte. Und dann ging es endlich an die Urne beziehungsweise zur Podiumsdiskussion mit Politikern des Kreistags, die von vielen Schüler sehnsüchtig erwartet worden war.

Zunächst waren alle Schüler der Klassen 6 bis 10 aufgerufen, im Zuge der Juniorwahl ihre Favoriten zu wählen (siehe Zusatztext unten rechts ). Der Höhepunkt für viele war die anderthalbstündige Podiumsdiskussion für Schüler der Klassen 9 und 10, die von Holger Schäddel moderiert wurde.

Grüne sagen Teilnahme ab

Schulleiter Carsten Röhrscheid appellierte zunächst an die Schüler, anders als viele Erwachsene später von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. »Es ist die falsche Entscheidung, nicht wählen zu gehen. Man muss mitentscheiden, was im Land passiert«, sagte Röhrscheid. »Das Fach Politik und Wirtschaft kann sehr trocken sein, deshalb haben wir die Politik für euch an die Schule geholt«, erklärte Politiklehrer Marco Künz, der die Veranstaltung gemeinsam mit Schäddel sowie den Politiklehrern Janine Bausch und Benjamin Gauger organisiert hatte. Künz bedauerte, dass die Grünen kurzfristig ihre Teilnahme abgesagt hatten, die FW hatten erst gar nicht auf die Anfrage der Schule geantwortet. Für viele Schüler war die Diskussionsrunde sicherlich die erste Begegnung mit Politikern, die zunächst sich und ihren Werdegang vorstellten. Danach stellten sich Stefan Paule (CDU), Swen Bastian (SPD), Mario Döweling (FDP), Dietmar Schnell (Linke) und Reinhard Eifert (AfD) Fragen, wobei schnell deutlich wurde, dass sich CDU, SPD, FDP und Linke immer wieder von der AfD abzugrenzen versuchten, wenn es um das Thema Flüchtlinge ging.

Schüler an Ehe für alle interessiert

»Die Grenzen dicht zu machen und die Menschen auszusperren, ist der falsche Weg«, sagte etwa Paule. »Wir sind uns alle einig – außer der AfD – dass beim Thema Flüchtlinge Ängste geschürt werden«, meinte Bastian. »Die AfD ist der Wolf im Schafpelz. Wir brauchen offene Grenzen«, ergänzte Schnell. »Wir müssen Flüchtlingen helfen und nicht die Schotten dicht machen«, so äußerte sich auch Döweling. Einzig Eifert sprach sich dafür aus, die Grenzen zu schließen und meinte, bei einem Besuch in Berlin habe er sich kürzlich gefragt, ob er in Istanbul sei. Auf Fragen von Schülern, ob er nicht an eine friedliche Koexistenz der Kulturen und an Menschlichkeit glaube, antwortete Eifert, diese Sichtweise sei idealistisch, und die Deutschen könnten nicht die ganze Welt verbessern.

Als es an die Schlussrunde ging, appellierte Bastian an die Schüler: »Steht für eure Interessen ein und entscheidet euch, sonst entscheiden andere für euch.« Und Schnell rief den Jugendlichen zu: »Wählt, was ihr wollt. Wählt irgendeine demokratische Partei. Aber keine Faschisten«, und erhielt dafür tosenden Applaus. Im Nachgang der Veranstaltung sagten viele Schüler, sie hätten gerne noch länger mit den Politikern diskutiert.

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