11. Oktober 2017, 19:13 Uhr

Vulkane haben Wald zerstört

11. Oktober 2017, 19:13 Uhr
Besichtigung des Kellers in Herbstein: Über den Köpfen der Gruppe ist ein erkalteter Lavastrom zu sehen. (Foto: pm)

Der Verein für Naturkunde in Osthessen (VNO) und die Dt. Vulkanologische Gesellschaft (DVG) luden unter Leitung von Kerstin Bär und Manfred Schulz zu einer Exkursion ins Vulkangebiet Vogelsberg ein. Auf dem Programm standen verschiedene Stationen in und um Herbstein. Der Schwerpunkt lag auf Erdgeschichte und auf der Geologie der Region.

Zu Beginn stand ein Besuch im Foyer der Vulkantherme an. Um Mineralwasser zu erschließen, wurde in Herbstein 1000 Meter tief gebohrt. Diese Bohrung ist in Form eines Modells im Foyer dargestellt. In fußläufiger Entfernung zur Vulkantherme liegt die »Felsenruhe« beim Kolping-Feriendorf. Sie wurde als Beispiel eines typischen Felsgeotops des Vogelsbergs besucht. Die Landschaftsform einer auffälligen Hangkante und die teilweise erkennbare senkrechte Bildung von Säulen weisen darauf hin, dass man es hier mit einem Lavastrom zu tun hat. Auch kulturell interessante Stationen lagen am Weg. Zu diesen konnte Josef Michael Ruhl als lokaler Kenner einiges erläutern.

Der Keller der nicht mehr existierenden Burg von Herbstein war das nächste Ziel der Gruppe. Stadtführerin Gerhild Bott hatte einige historische Anmerkungen und dann ging es in die Tiefe, wo die geologische Situation eindrucksvoll nachvollziehbar ist. Eine typische Abfolge von Lavaströmen mit Tuff erlebt man im Herbsteiner Keller. Seine rote Farbe ist auf die Oxidation des enthaltenen Eisens zurückzuführen.

Millionen Jahre alter Blattabdruck

Am Nachmittag ging es per Auto weiter. Wild gewachsene und auch gepflanzte Bäume versperren weitgehend den Blick in ein großes Gelände, in dem früher Kieselgur abgebaut wurde. Man geht heute davon aus, dass der See, in dem sich diese Ablagerungen mikroskopisch kleiner Kieselalgen bildeten, ein Maarsee war. Der Unterschied zur Eifel ist, dass diese Maarseen im Vogelsberg nicht mehr in der Landschaft zu erkennen sind, sondern nur noch an ihren Gesteinen. Blattabdrücke, die hier gefunden wurden, sind über 15 Millionen Jahre alt. Sie sind Zeugen der Pflanzenwelt zur Zeit des Vogelsberg-Vulkanismus. Wolfgang Schiller von der Uni Frankfurt hatte neben mikroskopischen Bildern der Kieselalgen einen reichen Fundus an Bildmaterial und Karten mitgebracht.

Der letzte Exkursionspunkt war ein aktiver Basalt-Steinbruch bei Altenschlirf. Dank des Entgegenkommens der Firma Schrimpf und weil sich Herr Balzer, Geschäftsführer der Firma, bereit erklärt hatte, die Gruppe zu begleiten, konnte dieser besucht werden. Steinbrüche bieten einen Blick in die Erdkruste und tragen jeweils ein Puzzlestück zum Gesamtbild des Vogelsbergs bei. Wegen der Beseitigung von Boden und Vegetation werden Steinbrüche auch kritisiert. Aber im Steinbruch Altenschlirf war zu Beginn des Abbaus zu erkennen, dass auch die Vulkane Vegetation vernichtet hatten.

In bestimmten Lagen der dort vorhandenen Tuffe wurden Abdrücke von Blättern und Ästen gefunden. Offenbar war beim Ausbruch eines benachbarten Vulkans ein Wald zerstört worden. Inzwischen ist der Abbau weiter fortgeschritten, die Tuffe sind abgetragen und der unter den Tuffen liegende Basalt kann nun gewonnen werden.

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