Auszeichnung

Landesehrenbriefe für besonders aktive Mitbürger

Landesehrenbriefe gab es nach der Parlamentssitzung in Ulrichstein für Inge Rausch, Karl-Heinz Schneider und Heinrich Betz. Sie haben sich über Jahrzehnte für das Gemeinwohl eingesetzt.
18. Dezember 2017, 08:00 Uhr
Karl-Heinz Schneider, Inge Rausch und Heinrich Betz (vorne v. l.) erhalten Landesehrenbriefe von Karl Weisensee und Edwin Schneider (dahinter). (Foto: au)

Nach Vorgabe des Landes müssen Landesehrenbriefe in einem feierlichen Rahmen verleihen werden, dürfen aber nicht mehr in einer Sitzung der Stadtverordneten überreicht werden. »Deshalb verleihen wir heute erstmals drei Landesehrenbriefe nach dem offiziellen Ende der Stadtverordnetenversammlung«, kündigte Bürgermeister Edwin Schneider am Freitagabend im Sitzungssaal des Rathauses. Der dieser Anordnung sei nur schwer nachzuvollziehen, bedauerte das Stadtoberhaupt und die Stadtverordneten.

In seiner Laudatio zitierte Schneider den Dichter Christian Morgenstern, der »O Mensch, o Mensch, das Geld ist nur Chimäre« geschrieben habe und dies treffe auf Inge Rausch (Rebgeshain), Heinrich Betz (Ulrichstein) und Karl-Heinz Schneider (Unter-Seibertenrod) zu, weil sie für das, was sie geleistet hätten, nie einen Pfennig oder Cent sahen.

Bei der Chimäre handelt es sich um ein Ungeheuer aus der griechischen Sage. Es bestand aus einem Löwen, einer Ziege und einer Schlange. Der Löwe brüllt, die Ziege meckert und die Schlange beißt zu. Da könne man wunderbar Parallelen zum Geld ziehen. In unserer Gesellschaft werde ständig nach immer mehr Geld geschrien. Wir schimpfen, wenn die zum Leben notwendigen Dinge wieder teurer wurden und seit der Finanzkrise wissen wir, dass unser Finanzsystem eine unberechenbare Schlange ist. Morgenstern verwendete das Wort Chimäre natürlich im übertragenen Sinn und meinte, dass Geld letztlich nur ein Trugbild sei, dem nachzujagen nicht das Wesentliche im Leben sein könne. Es gebe Menschen, die tatsächlich glaubten, Geld sei der einzige Maßstab für das Glück des Einzelnen und für das Funktionieren einer Gesellschaft.

»Aber Sie und ich, und glücklicherweise noch viele andere auch, wissen es besser. Wir wissen, dass es Wichtigeres gibt. Zum Beispiel Verantwortungsgefühl und Solidarität. Sie sind das entscheidende Fundament, um eine lebendige und menschliche Gesellschaft gestalten zu können. Und die ehrenamtliche Tätigkeit ist dafür die tragende Säule«, sagte der Bürgermeister.

In einem kleinen Gemeinwesen wie Ulrichstein zeige sich die Bedeutung des Ehrenamtes ganz deutlich. Dank des starken bürgerschaftlichen Engagements habe sich Ulrichstein stets positiv weiterentwickelt. Dies betreffe das Angebot an Kunst, Kultur und Sport und genauso die Atmosphäre von Mitmenschlichkeit, die in der Stadt herrsche. Natürlich müssten in Politik und Stadtverwaltung Rahmenbedingungen geschaffen werden, die das Ehrenamt unterstützen. Zuallererst aber sei die öffentliche Anerkennung ein Dankeschön für den Einsatz, der für das Gemeinwohl geleistet wurde. Die Stadt vergebe regelmäßig Auszeichnungen, die Ehrenbriefe des Landes Hessen seien jedoch ein Ausdruck der besonders hohen Wertschätzung. Schließlich hätten sich diejenigen, denen sie zukommen, weit über das übliche Maß hinaus engagiert. Das trifft für Schneider auf die drei in erheblichem Maße zu.

Mit dem Stadtverordnetenvorsteher Karl Weisensee überreichte er die Ehrenbriefe mit Anstecknadel an Inge Rausch, die von Mai 1990 bis März 2014 24 Jahre Vorsitzende des Landfrauenverein Rebgeshain war. Karl-Heinz Schneider engagierte sich von 1989 bis 2006 und von 2008 bis 2016 im Ortsbeirat für seinen Heimatort. Von 1981 bis 1993 war er zudem Stadtverordneter in Ulrichstein.

Die ehrenamtliche Tätigkeit von Heinrich Betz reicht bis 1966 zurück, denn von da ab war er bis 1982 Schriftführer der Feuerwehr Ober-Seibertenrod. Weitere Ehrenämter hatte er von 1973 bis 1989 als Ortsvorsteher Ober-Seibertenrod, 1973 bis 2001 Schriftführer der Jagdgenossenschaft Ober-Seibertenrod und seit 2001 Ortsgerichtsschöffe für den Bezirk Ulrichstein I.

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