Unterwelten

Wo im Stollen alte NS-Akten modern

Es gibt einen Homberger Untergrund, den man nicht betreten kann. Der Stollen birgt alte Akten aus der NS-Zeit, als dort die örtliche Parteizentrale war.
29. Dezember 2017, 12:05 Uhr
Tilman Niehof vor dem zugeschütteten Zugang zum Luftschutzstollen in Homberg »Am Tiefen Hain«. In der Hand hält er einen sogenannten »Schulungsbrief« aus der NS-Zeit. (Fotos: jol)

Unter der Frankfurter Straße und oberhalb der Gaststätte »Frankfurter Hof« liegt ein gut 50 Meter langer Stollen, der zugeschüttet wurde und der noch Hinterlassenschaften aus der NS-Geschichte enthält. Heute ist dort nur noch ein zugewachsener Abhang zu erkennen. Erst beim zweiten Blick deutet der Basaltschotter darauf hin, dass dort etwas abgedeckt worden ist.

Ein dichtes Brombeergebüsch erschwert den Zugang zum Stollen. Beim Rundgang zum Thema »Unterwelten« erinnert sich Tilman Niehof daran, dass in seiner Kindheit in den 1960er Jahren der Eingang zu dem Stollen noch gut zu erkennen war. Der Zugang lag an der Straße »Am tiefen Hain«. Vor 50 Jahren war der Einlass dann verbrettert und mit Bohlen gesichert. Es ist kein historischer Stollen und schon gar nicht der sagenumwobene »hohle Gang« zum Schloss. Dort haben seinerzeit die örtlichen Funktionäre der NSDAP und das Personal der Fliegertechnischen Schule Schutz vor den Fliegerangriffen der Alliierten gesucht. Deshalb hatte die Bevölkerung 1943/44 den gut 50 Meter langen und drei Meter hohen Luftschutzstollen in den Hang gegraben. Der Standort zwischen Stadthalle und Frankfurter Hof wurde wohl deshalb gewählt, weil im Hotel das Personal der Fliegertechnischen Schule untergebracht war. In dem benachbarten Backsteingebäude an der Zufahrt zur Stadthalle befand sich damals die Parteizentrale der NSDAP Homberg. »Das zeigt, dass sich auch solche Leute in Sicherheit bringen wollten,« sagt Niehof.

Schüler zwangsverpflichtet

Das Graben des Stollens war mühselig, wie ihm Zeitzeugen bestätigt haben. Dafür hat man Gleise verlegt und dann wuree der Abraum in Loren aus dem Stollen herausgebracht. Schüler wurden verpflichtet, die Hitlerjugend wurde eingebunden und aus den Homberger Familien mussten Arbeitskräfte abgestellt werden. Am 29. März 1945 rückte die US-Armee in Homberg ein. Zuvor hatten die NSDAP-Angehörigen noch die Unterlagen aus der Parteizentrale in den Stollen geschleppt. Die alten Akten dürften inzwischen im Erdreich vermodert sein. Erst bei den Straßenbauarbeiten auf der Frankfurter Straße ist der alte Luftschutzstollen endgültig verfüllt worden.

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