06. März 2018, 08:00 Uhr

Krötenwanderung

Lurchi zuliebe Tempo 30

Wenn Kröten zu ihren Laichplätzen wandern, beginnt für sie das große Sterben auf der Straße. Das Netzwerk Amphibienschutz schlägt Alarm, und auch Helfer geraten in Lebensgefahr.
06. März 2018, 08:00 Uhr
Es gibt engagierte Tierschützer, doch das Einsammeln und über die Straße tragen der Tiere musste eingestellt werden, weil sich die Helfer dabei in Lebensgefahr bringen. (Foto: Timo Rieg)

Das Netzwerk hat sich vor dem Auftakt der Wandersaison unter anderem an Kreistagsmitglieder gewandt und gefragt, ob Tempo-Limits verhängt werden können, um die Tiere zu schützen. Eine Resonanz gab es bislang nicht, erklären Timo Rieg und Dr. Wolfgang Dennhöfer. Zudem hat das Netzwerk beim zuständigen hessischen Verkehrsminister Tarek al-Wazir darauf hingewiesen, dass viele der Schutzanlagen an den Straßen nicht mehr richtig funktionieren, weil sie nicht gepflegt oder repariert werden. Beim Regierungspräsidium wurde immerhin angekündigt, dass die Schäden an Einrichtungen an den Straßen zum Schutz der Tiere begutachtet werden sollen.

Den Tierschützern geht es nach eigener Aussage darum, Schwachstellen an bekannten Amphibienquerungen zu verringern und kostengünstige Maßnahmen anzustoßen. Ein wichtiger Punkt sind Unterhalt und Reinigung der Amphibien-Querungshilfen. Karl-Heinz Zobich vom BUND-Kreisverband: »Immer wieder beobachten wir, dass Querungshilfen beschädigt oder verschlammt oder verschmutzt werden, so dass die Lurche sie kaum nutzen können«. Offenbar würden die einst teuer eingebauten Einrichtungen nicht so gepflegt wie nötig.

Schäden am Antrifttalstausee

Angestellte von Hessen-Mobil hätten durchblicken lassen, Reinigung und Wartung der Anlagen sei nicht in ihrem »Budget« enthalten. Den Mitarbeitern der Oberen Naturschutzbehörden aber fehle in der Praxis die Möglichkeit, die nötigen Unterhaltung- und Reinigungsarbeiten auszuführen. »Wir können nicht verstehen, weshalb die Amphibienleiteinrichtungen nicht von Hessen-Mobil gepflegt werden können, wie das bis vor einigen Jahren geschehen ist«. Das Personal von Hessen-Mobil müsse besser informiert werden, damit die Amphibien-Leiteinrichtungen beim Pflegen der Bankette nicht beschädigt werden.

Die Naturschützer führen nur einige Beispiele an, wo es Probleme gibt. So werde am Antriftstausee der Graben am Wald vor der Leiteinrichtung nicht regelmäßig geräumt, ebenso ein mit Gitter abgedeckter Wege-Anschluss. Zudem würden viele Tonnen Erd- und Steinmaterial dort liegen, was den Tierzug ebenfalls bremse. Zahlreiche Beschädigungen der Leiteinrichtung würden durch Mulcharbeiten an der Bankette oder beim Abschieben passieren. »Die Lebensdauer der Leiteinrichtung wird dadurch unnötig verkürzt, es besteht Reparaturbedarf«. So müssten Reparatur-Arbeiten nicht nur an den Habertshäuser Teichen, sondern auch an der Anlage am Hofgut Wäldershausen stattfinden.

Autos töten durch Luftdruck

Ein Problem ist aus Sicht des Netzwerkes Amphibienschutz Vogelsberg auch, dass auf »Krötenstrecken« zu schnell gefahren wird. Der effektivste Amphibienschutz ist laut den Naturschützern deshalb Tempolimit 30 im Gefahrenbereich. Dies soll zusätzlich zu den vorhandenen Hinweisschildern geschehen, temporär und nur während der rund drei Wochen der Hauptwanderzeit – die Autofahrer müssten sich dann nicht schikaniert fühlen. Der Grund ist einfach: Schnelle Autos töten durch Luftdruck. Kröten und Molche brauchen recht lange, um über die Straße zu laufen. Selbst auf schwach befahrenen Straßen »begegnen« ihnen dabei fünf bis 15 Fahrzeuge. Leider enden diese Begegnungen meist tödlich, auch wenn die Tiere nicht überrollt werden. Selbst wer auf 60 Stundenkilometer bremst und die Tiere »zwischen die Räder nimmt«, hilft ihnen nicht. Sie sterben durch die Druckunterschiede – ihre Lungen platzen durch die heftigen Druckschwankungen. Bei 30 Stundenkilometer sind Autofahrer so langsam, dass sie ohne Gefahr für sich und andere die Tiere »zwischen die Räder nehmen können«, und zweitens sind die Druckwellen so schwach, dass die Tiere überleben. Allerdings: Parallel zur Geschwindigkeitsbegrenzung müssten Kontrollen angekündigt werden. Auf Nebenstraßen sollten Straßensperren eingerichtet werden. Diese solle man auf die Dämmerungs- und Nachtstunden beschränken. Das Absammeln der Tiere von der Straße durch Helfer ist an den meisten Stellen bei Dunkelheit wegen der hohen Geschwindigkeiten der Autos lebensgefährlich und somit nicht durchführbar.

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