08. März 2018, 12:00 Uhr

Medizin

Die aufwändige Suche nach Landärzten

Die ärztliche Versorgung ist ein Topthema in vielen Gemeinden des Vogelsbergs. Nun gibt es Workshops, um mehr Schwung in die Gewinnung von Nachwuchs für die Praxen zu bringen.
08. März 2018, 12:00 Uhr
Dr. Carsten Rottmann in seiner Landarztpraxis in Homberg. Für das Bild lässt sich Sebastian Luckenbach den Blutdruck messen. (Foto: jol)

Die Suche nach Ärzten ist Chefsache. Deshalb waren die Bürgermeister Edwin Schneider und Claudia Blum in die jüngsten Workshops zur ärztlichen Versorgung eingebunden. Die vier Treffen gehen auf eine Kreisinitiative zurück, in der die 19 Kommunen vier Versorgungsbereichen zugeordnet wurden. Die ersten Treffen für die Regionen Ulrichstein (mit Lautertal, Lauterbach und Schlitz) sowie Homberg (mit Mücke, Gemünden und Kirtorf) haben stattgefunden.

»Das ist ein dickes Brett, das da gebohrt wird,« seufzt die Homberger Bürgermeisterin Blum. Ein Problem ist sicher, dass Hausärzte im ländlichen Raum mehr Patienten betreuen müssen als ihre Kollegen in den Städten. Blum sieht in der Kreisinitiative eine Ergänzung der kommunalen Aktivitäten. So hat das Stadtparlament ein Gutachten zur ärztlichen Versorgung beschlossen.

Schon bislang unterstützt die Stadt Ärzte, die Studierenden Praktika in ihren Praxen bieten. So überreichte Blum ein Begrüßungspaket an Nachwuchsmediziner mit Honig und der regionalen Währung »Ohmtaler«, um zu zeigen, dass Homberg etwas zu bieten hat«. Bei dem Workshop ging es vor allem darum, den Austausch zwischen Ärzten und Politikern zu verbessern.

Zur Zeit ist Blum recht zufrieden mit der Versorgung vor Ort, insgesamt gibt es 27 Anbieter im Gesundheitsbereich, das sei nicht schlecht. Allerdings steht auch in Homberg das Thema der Praxisnachfolge an.

Im Gespräch mit Medizinstudentinnen zeigte sich, dass es ein Vorteil wäre, bessere Verkehrsanbindungen nach Marburg zu haben. Dann könnten junge Mediziner in Marburg wohnen und besser ihre Praxis in Homberg erreichen, schlägt Blum vor. Ein Thema war auch die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Denn viele medizischen Nachwuchskräfte möchten neben der Arbeit mehr Zeit für die Familie haben.

Das bestätigt Dr. Carsten Rottmann, der mit einer Kollegin eine Allgemeinpraxis in der Ohmstadt betreibt, die sich am Nachwuchsprojekt des Kreises beteiligt. Er sieht bei den jüngeren Ärztinnen und Ärzten den Wunsch, durch eine Gemeinschaftspraxis bei der Arbeit entlastet zu werden. »Der Trend zu Kooperationen ist auf jeden Fall da,« sagt der Mediziner. Er freut sich, dass der Vogelsbergkreis aktiv ist, um Nachwuchs für die Praxen zu gewinnen. Das Hauptproblem könne er nicht lösen, vieles hänge an der Bundespolitik. Man könne aber Rahmenbedingungen verbessern, zum Beispiel durch einen Bus aus den Dörfern zu den Praxen.

Nervige Bürokratie

Bürgermeister Edwin Schneider hat aus dem Workshop in Ulrichstein mitgenommen, dass die Bürokratie bedrückend für die Ärzte ist. Dabei geht es um Verwaltungsprobleme, hohe Anforderungen an Dokumentation, Budgetierung und Angst vor Regressansprüchen. Im Workshop wurden neun Kernprobleme herausgefiltert und in Kleingruppen weiter diskutiert. So stand eine Problemanalyse am Ende der Zusammenkunft, in weiteren Treffen sollen Lösungen gefunden werden. Dadurch erhofft sich Schneider eine Verbesserung der Lage in Ulrichstein. Der dortige Allgemeinmediziner wird in einigen Jahren seine Praxis abgeben. Ein Nachfolger wird mit Hilfe eines Dienstleisters gesucht, bislang erfolglos. Die Stadt ist bereit, ein Ärztehaus einzurichten, wenn es hilfreich ist. Die Diskussion läuft seit acht Jahren, sagt Schneider – ohne Resultat. Grundproblem ist die Frage der Arztsitze, die von der Kassenärztlichen Vereinigung zugestanden werden. So hätte die Stadt in der jüngeren Vergangenheit einen Sitz für einen Allgemeinmediziner bekommen können, aber da hatte man keinen Interessenten. Andersherum sei es bei den Facharztsitzen. Da habe man einen Kandidaten, aber keinen Facharztsitz erhalten.

Ein Problem ist, dass die Kassenärztliche Vereinigung Ulrichstein im Verbund mit Nachbarkommunen betrachtet. Deshalb besteht rechnerisch eine Überversorgung (112 Prozent), obwohl der Mangel in Ulrichstein offenkundig sei. Sorge bereitet Schneider und den Stadtverordneten, dass ohne Arzt der Bestand der Stadtapotheke gefährdet ist. Denn die Patienten kaufen eher dort Medikamente, wo sie den Arzt besuchen.

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