09. März 2018, 08:00 Uhr

Internet

Datenpower nicht nur fürs Büro

Nach schlechten Nachrichten zum schnellen Internet hier mal eine gute: Ist der Ausbau fertig, dann soll der Vogelsbergkreis das schnellste Datennetz aller hessischen Flächenkreise haben.
09. März 2018, 08:00 Uhr
Schnelles Internet: Über den aktuellen Stand informieren Landrat Manfred Görig (l.) und Bigo-Geschäftsführer Walter Bathke. (Foto: jol)

Ohne Breitbandanschluss hätte sich die Tiefkühlfirma Nordfrost nie dafür entschieden, in Mücke im Industriegebiet ein neues Lager zu bauen. »Die haben gleich gesagt, wir brauchen einen Glasfaseranschluss,« sagt Landrat Manfred Görig. Für seine Pressekonferenz hatte sich Görig trotz hörbarer Erkältung extra vom Krankenlager aufgeschwungen. Und teilte unter anderem das mit: Nach Verzögerungen im Ausbau will die Telekom ab Mai in Ortsteilen von Mücke die Kabelverzweiger für schnelles Internet installieren, danach sind Homberg, Ober- und Nieder-Ofleiden dran.

Zudem bereitet die kreiseigene Breitbandinfrastruktur-Gesellschaft Oberhessen (Bigo) eine Ausschreibung vor, um mit Millionenaufwand Gewerbetreibende, Schulen und Rathäuser an schnelle Glasfaserleitungen zu hängen. Ziel ist es, bis Mitte 2019 95 Prozent des Vogelsbergs an die moderne Datenwelt angeschlossen zu haben.

Dann sollen auch Gewerbetreibende in Bobenhausen wie der Steuerberater Ernst-Ludwig Roth mit einem Gigabit pro Sekunde Daten übermitteln können. Am Ausbau arbeiten zwei Unternehmen parallel. Den Anschluss von Privatkunden sichert die Telekom zu und die kreiseigene Bigo will den Anschluss von Unternehmen, Schulen und Rathäusern organisieren. Dabei sind Unternehmer in Ortslagen ebenso einbezogen wie in klassischen Gewerbegebieten, kündigte Bigo-Geschäftsführer Walter Bathke an.

Betriebe

Beim Pressegespräch erinnerte Landrat Görig an die Fortschritte in diesem Bereich, der ihm besonders wichtig ist. Denn gerade der Anschluss der Betriebe sei eminent wichtig, um den Kreis voranzubringen. Wenn bis Sommer 2019 alles umgesetzt ist, »kann der Vogelsbergkreis das schnellste Datennetz der hessischen Flächenkreise aufweisen«. Das sei ein großer Standortvorteil für die Region, davon ist Görig überzeugt und verweist auf die Erfahrung bei der Ansiedlung von Nordfrost in Atzenhain. Die internationale Firma wollte nur kommen, wenn ein Glasfaseranschluss bis ins neue Lagerhaus zugesichert wird. Das Breitband-Programm im Kreis besteht aus drei Teilen. Für private Nutzer will die Telekom bis Mitte 2019 einen Ausbau im Kreis bewerkstelligen. Das bedeutet hunderte neue Kabelverzweiger, die aufgestellt und angeschlossen werden. Das sind graue Kästen an zentralen Orten, in denen die Glasfaserleitung von zentralen Rechnern mit den Kupferkabeln verbunden werden, die zu den einzelnen Häusern führen. Dadurch werden die alten Telefonleitungen künftig in 85 Prozent der Haushalte eine Leitungsgeschwindigkeit von 50 bis 100 Mbit/Sekunde haben.

Weitere zehn Prozent sollen zumindest mit 30 Mbit/s surfen können. Das reicht für den Hausgebrauch von Daten und Filmen. Es reicht aber nicht für Schulen, denn wenn eine 25-köpfige Klasse mit 30 Mbit/s ins Internet geht, dann braucht man leistungsfähigere Verbindungen. Deshalb hat die kreiseigene Bigo zwei Fördertöpfe für den Anschluss von anspruchsvolleren Nutzern aufgetan.

Das Infrastrukturprojekt nutzt eine Bundesförderung von rund 9,5 Millionen Euro für den Anschluss von Schulen, Rathäusern und Gewerbebetrieben in Ortslagen. Weitere 3,05 Millionen Euro vom Land werden erwartet, sagt Landrat Görig. Mit dem Geld wird ein Betreiber für die schnellen Leitungen gesucht, der auch den Bau verantwortet. Dafür ist eine europaweite Ausschreibung nötig, weshalb Bathke etwa sieben Monate bis zur Umsetzung annimmt.

Ebenfalls über die Bigo werden ausgewiesene Gewerbegebiete angeschlossen, auch dabei setzt man auf Glasfaser bis in den Betrieb hinein. Immerhin sind eine ganze Reihe Vogelsberger Unternehmen weltweit aktiv, dort werden die Datenverbindungen stark beansprucht, wie Görig weiß. Für den Ausbau der Industriegebiete bekam die Bigo 5,2 Millionen an Fördergeldern zugesichert, aus Mitteln der EU sollen weitere fünf Millionen Euro. fließen. Beide Projekte ermöglichen eine Datenrate von mehr als einem Gb/s. Görig berichtet von vielen Anfragen aus der Bevölkerung, wann endlich das schnelle Internet kommt. Die Ungeduld kann er nachvollziehen, aber der Ausbau der Telekom hat sich vor allem aus technischen Gründen verzögert. Die Anforderungen des Kreises, die laut Telekom den Ausbau verzögert haben sollen, seien schon zu Beginn des Ausbaus bekannt gewesen. »Daraus ergab sich keine Verzögerung«. Bis Ende des Jahres sollen 30 000 Haushalte angeschlossen werden, das sei eine stolze Zahl. Allerdings würden sich nur etwa 15 Prozent der Hausbesitzer im aufgerüsteten Bereich für das schnelle, aber auch teurere Angebot entscheiden. »Das ist nicht schlecht und der normale Durchschnitt,« sagt Görig.

Wenn Mitte des kommenden Jahres alles fertig umgesetzt ist, »dann hat der Vogelsberg eine zukunftsfähige Breitbandanbindung«, ist Görig zufrieden. Dann wäre man im Vergleich zu anderen Flächenkreisen in einer Spitzenstellung.

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