13. März 2018, 12:10 Uhr

Dörfer

Das leidige Nitrat-Problem

In Ruhe in unberührter Natur wohnen – für viele ein Traum. Der Homberger Stadtteil Höingen entspricht dem Idyll auf den ersten Blick. Aber es gibt nicht nur das Nitratproblem.
13. März 2018, 12:10 Uhr

Höingen ist der einzige Vogelsberger Ort mit stark nitrathaltigem Brunnenwasser. Damit war ein wichtiges Thema in der jüngsten Ortsbeiratssitzung gesetzt, die stattliche 15 Besucher anzog. Immerhin hat das Dörfchen nur etwas mehr als 50 Einwohner. Am Ende einer breiten Debatte standen drei Beschlüsse, zum Beispiel wird von der Stadt eine Planung für nitratarmes Trinkwasser in der Zukunft gefordert.

Ortsvorsteher Dieter Gemmer teilte zudem mit, dass Bürgermeisterin Claudia Blum einen Runden Tisch zur geplanten Erweiterung des nahen Windparks an der Mardorfer Kuppe unterstützt. Der Ortsbeirat Deckenbach hat ihn beantragt, um Interessen von Bauträger und Anwohnern zusammenzuführen. Das bestätigte Deckenbachs Ortsvorsteher Bernd Reiß, der zur Sitzung gekommen war. Renate Stegerhoff-Raab vom Ortsbeirat erinnerte daran, dass sich die Stadt bereits mit einem Höinger Antrag zur Verbesserung der Lebensqualität befasst hat. Dabei geht es um die mögliche Ausweisung eines reines Wohngebietes für die Straße »In der Goldbach«. Sie verwies auf eine negative Stellungnahme des städtischen Planers, wonach der dörfliche Charakter gegen eine Ausweisung als reines Wohngebiet spricht. So einigte man sich darauf, dass der Ortsbeirat nun ein allgemeines Wohngebiet beantragen soll Der Unterschied liegt in den Grenzwerten für Lärm. Im reinen Wohngebiet sind nachts 35 Dezibel (dB) zulässig, im allgemeinen Wohngebiet sind es 40. Die im Modell errechnete Lärmbeeinträchtigung an zwei Messpunkten im Dorf liege bei 37 und 39 dB. Ein Besucher zweifelte die Lärmberechnungen an, es sei fraglich, ob man nachweisen kann, wenn es mehr als 40 dB sind. Ein anderer betonte, dass der Schall an verschiedenen Stellen im Dorf stärker oder schwächer ist.

Stegerhoff-Raab sagte, Menschen reagierten unterschiedlich sensibel auf Geräusche. »Weil es im Ort oft sehr still ist, hören wir den Lärm deutlicher.« Ex-Stadtverordneter Holger Zuleger regte an, die Initiative des Ortsbeirats solle sich auf die Anlagen konzentrieren, die in den nächsten Wochen beantragt werden. Dann sei es für die Genehmigungsbehörde wichtig, eine klare Grundlage für das Verfahren zu haben. »Das Pfund, das wir für einen möglichen Zuzug von Menschen haben, ist die ruhige Umgebung«, deshalb solle man auf Lärmbegrenzung im allgemeinen Wohngebiet hinwirken.

Ein Besucher unterstützt das, weil er einen Pferdestall bauen will und Einschränkungen im reinen Wohngebiet befürchtet. »Ich will im Ruhestand Pferdekutsche fahren. Wenn das in einem Dorf nicht mehr möglich ist, dann verstehe ich die Welt nicht mehr.«

Stegerhoff-Raab sieht darin kein Problem, Hobby-Tierhaltung sei immer möglich. Einig wurde man sich in der Runde, auf die Stadtverordneten im Bauausschuss zuzugehen, damit sie einen Antrag für reine Wohngebiete in den Dörfern rund um den Windpark im Sinne der Höinger beraten.

Eine einhellige Position fand sich auch bei der Debatte um hohe Nitratwerte im örtlichen Brunnen. Dort wurde seit den 1960er Jahren immer wieder ein Nitratwert um die 50 Milligramm pro Liter (mg/l) gemessen, wie Ortsvorsteher Dieter Gemmer sagt. Das ist der Maximalwert bei der Belastung für Trinkwasser. Marianne Hartig vom Ortsbeirat merkte an, dass sie Teewasser »aus der Wasserflasche« bezieht. Stegerhoff-Raab nennt es beunruhigend, dass die hohen Werte über einen langen Zeitraum gemessen wurden.

Allerdings sorgt eine sogenannte Denitrifizierungsanlage für eine Nitratgehalt im Trinkwasser von rund 25 mg/l.

Eine Besucherin erinnerte daran, dass in den 1960er Jahren ein Wasserschutzgebiet ausgewiesen wurde. Dabei sind auch Bewirtschaftungsvorgaben an die Landwirte ergangen. Als ein Landwirt eine Wiese zu Ackerland machte, musste er ein Bußgeld zahlen. Der betreffende Acker liege seit zwei Jahren da und werde wieder zur Wiese. Weil von der Aufsicht keine mögliche Ursache für den hohen Nitratgehalt genannt werden kann, fordert der Ortsbeirat einstimmig, die Stadt möge eine Planung für sauberes Wasser in Höingen erstellen. (Foto: jol)

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