13. April 2018, 21:32 Uhr

Fragen zum Sonntag

13. April 2018, 21:32 Uhr

Predigtwort zum Sonntag Misericordias Domini

Der Gott des Friedens... schaffe in uns, was ihm gefällt, durch Jesus Christus, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. (aus: Hebr. 13, 20–21)

Wer will denn so etwas haben: Dass Gott in uns schafft, was ihm gefällt? Wir wollen doch tun, was uns gefällt. Wir wollen freie Menschen sein, nicht gegängelt von Gott, nicht bestimmt durch seinen Willen.

Andererseits: Wie viel ist doch gerade dadurch nicht, wie es sein soll, dass wir immer unseren eigenen Wünschen nachgeben und so leben, wie wir das wollen und planen! Ist es nicht so? Und wie viel ist auch schon kaputtgegangen in unserer Gesellschaft, weil wir nur noch den eigenen Willen durchsetzen und leben – meist nach dem Lustprinzip. – Beispiele? Wie steht es um die Gemeinschaft im Dorf, in unserem Stadtviertel?

Wir werden zum Liederabend vom Gesangverein eingeladen, zum Straßenfest oder einem Gemeindenachmittag unserer Kirchengemeinde. Gehen wir hin?

Noch vor 30 Jahren wäre das keine Frage gewesen. Zumal wir doch Mitglied im Gesangverein (wenn auch nur passives) sind, in unserer Straße wohnen und auch im Gemeindebüro unsere Karteikarte stehen haben. Heute aber fragen wir zuerst einmal: Was gibt es denn im Fernsehen? Dann fragen wir: Was bringt mir das, wenn ich da hingehe? Und schließlich prüfen wir noch das: Habe ich eigentlich Lust dazu? Was da zunehmend herauskommt, wenn dieser Fragenkatalog abgehakt ist, ist unser eigener Wille – und der heißt meistens: Ich gehe nicht hin! Ich bleibe zu Hause. Ich habe keine Lust!

So ist das heute (oft) mit der Gemeinschaft: Der Saal bleibt beim Liederabend nur halb besetzt. Beim Straßenfest sind die meisten Bänke leer. Beim Gemeindenachmittag bleiben die unter sich, die halt immer dabei sind. Vor allem aber verlieren die Menschen, die überhaupt noch etwas für die Gemeinde und Gemeinschaft zu tun bereit sind, mehr und mehr den Mut.

Und das »Schönste« ist noch, dass der Schwund des Gemeinschaftsgeistes in unserer Zeit auch noch von denen besonders lautstark beklagt wird, die kein Angebot der Vereine oder der Gemeinde je wahrnehmen.

Noch ein Beispiel: Der Sonntag als Feiertag! – Auch hier machen wir immer wieder und immer mehr, was wir wollen. Da wird aufgearbeitet, was in der Woche liegen geblieben ist. Da wird »ausgeschlafen« und »mal was mit der Familie unternommen«. Als Tag der Ruhe, der Besinnung und der Zuwendung zu Gott und dem Mitmenschen hat der Sonntag längst keine Bedeutung mehr. Es wird das gesucht, wonach einem der Sinn steht, wozu man Lust hat.

Wenn man aber einmal genauer hinschaut, wird man an vielen Stellen entdecken, dass der Sonntag nur noch eine Verlängerung der Alltagswoche ist. Was man in den sechs Tagen der Woche nicht geschafft hat, dazu muss der Sonntag herhalten. Zur Besinnung, gar im Gottesdienst, kommen nur sehr wenige. Und selbst die »Familie«, für die einer am Sonntag lebt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ein einziges Familienmitglied (Söhnchen oder Tochter), das der Papa halt notgedrungen zu seiner eigenen Freizeitbeschäftigung mitnehmen musste, weil die Mama kräftig protestiert hat. Nicht einmal »Lust« dazu hat er gehabt, der Papa, wenn er ehrlich ist.

Sie fragen, was das nun mit dem Wort zu schaffen hat, das über diesen »Fragen« steht? »Der Gott des Friedens...schaffe in uns, was ihm gefällt, durch Jesus Christus...«

Ich glaube, es würde auch uns viel besser tun, wenn wir mehr nach Gottes Willen fragen und ihm folgen würden. Und Gott will zum Beispiel, dass wir in Gemeinschaft leben, der Gemeinde dienen und uns füreinander interessieren, umeinander mühen und kümmern. Das hat seine Verheißung und es schenkt auch Freude.

Und Gott will, dass wir den Sonntag heiligen, wirklich zur Ruhe kommen und uns auf ihn, auf sein Wort und auf unsere Mitmenschen besinnen. Auch darin liegt Freude und Segen, die allerdings nur der erfährt, der seinen eigenen Willen hintenanstellen kann.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und gute Gedanken.

Pfr. Manfred Günther (im Internet: www.predigt-eichendorf.de

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