11. Oktober 2018, 12:00 Uhr

Schlammflut ade

Natur schützt Dorf vor Hochwasser

Der unscheinbare Welsbach ist besonders: Renaturiert schützt er jetzt Burg-Gemünden vor Überflutung. Das zeigt, wie man mit wenig Aufwand einen Beitrag für Natur und Menschen leisten kann.
11. Oktober 2018, 12:00 Uhr
Sieht sehr natürlich aus, ist aber mit Überlegung zum Schutz von Burg-Gemünden gebaut: An einem der Teiche der Biodiversitätsmaßnahme Welsbach stehen (v.l.) Lothar Bott, Iris Rohrbach und Wolfgang Dahmer. (Fotos: jol)

Rohrkolben wiegen sich im Wind, kleine Teiche mit Wasserlinsen werden aus einem murmelnden Bach gespeist. Ein Idyll ist da bei Burg-Gemünden in einer gemeinsamen Aktion von Gemeinde und Vogelsbergkreis entstanden. Etwas weniger als einen Hektar Fläche umfasst das Renaturierungsprojekt am Oberlauf des Welsbachs, aber es zeigt, wie mit kleinen Maßnahmen Beiträge zur Artenvielfalt in der Natur geleistet werden. Im ganzen Kreis sind solche Biodiversitäts-Maßnahmen umgesetzt worden, die Renaturierung des kleinen Bachlaufs ist nur ein Beispiel unter vielen.

Dabei geht es nicht um den Erhalt einer seltenen Tierart oder Pflanze, sondern um das Sich-Selbst-Überlassen der Natur. Das gibt den Tieren und Pflanzen eine Chance, die ansonsten in der landwirtschaftlich genutzten Umgebung verdrängt werden. So beschreibt Wolfgang Dahmer den Grundgedanken den Biodiversitäts-Vorhabens, das im vergangenen Jahr bei Burg-Gemünden umgesetzt wurde.

Tiere und Pflanzen breiten sich aus

Nun, nach einem Jahr, ist der Erfolg an vielen Stellen zu sehen, wie sich beim Ortstermin mit Bürgermeister Lothar Bott, Iris Rohrbach von der Bauverwaltung und Wolfgang Dahmer von der Naturschutzbehörde des Vogelsbergkreises zeigt. In einem Teich haben sich Rohrkolben angesiedelt, gleich mehrere flache Wasserflächen breiten sich entlang des vielleicht 200 Meter langen Bach-Oberlaufs aus. Die Tümpel dienen als Rückzugsraum für Amphibien und wasserliebende Pflanzen. Zugleich sind die Teiche auch Regenrückhaltebecken. Denn die Überflutung der Ortslage von Burg-Gemünden in früheren Jahren ist unvergessen bei Bott und Rohrbach. Damals ist ein solcher Regenguss niedergegangen, dass der Durchlass entlang der Landstraße und unter der Autobahnbrücke verstopfte. Die Folge war eine schlammige Masse, die sich ungehindert über die Straße bis nach Burg-Gemünden hinein ergoss.

Betonröhren statt Plastikrohre

So bewirkt die Naturschutzmaßnahme mit einigen Teichen ein geringeres Hochwasserrisiko für die darunter liegende Ortschaft. Erreicht wurde das durch relativ kleine Eingriffe, wie Dahmer und Bott erläutern. Die alten Fischteiche wurden renaturiert, wobei die Plastikrohre herausgenommen und durch Rinnen als Zu- und Abfluss in Richtung Welsbach ersetzt wurden. Auch im Bachlauf waren Betonröhren eingebaut, damit die Anlieger über den Graben fahren konnten. Die glatten Röhren sorgten dafür, dass keine Wasserinsekten von einem Abschnitt zum nächsten gelangen. Die Folge ist eine biologische Verarmung der Bereiche, weil sich die Beständen nicht austauschen. »Es macht eine Population in einem Bach stabiler, wenn das Gewässer durchlässig ist und die Tiere wandern können,« betont Dahmer. Wegen der Stärkung der Vielfalt in dem Gewässer und den Teichen ist die Maßnahme auch Teil der Biodiversitätsstrategie des Landes geworden. Dadurch werden Maßnahmen gefördert, die Lebensbereiche verschiedener Tiere und Pflanzen erweitern.

Überdüngung wird gemindert

Bei Burg-Gemünden ist es eine eher kleine Maßnahme, die aber in einer intensiv genutzten Kulturlandschaft eine kleine Oase bereitet hat. Ein Ziel ist dabei, die Überdüngung im Bachlauf durch Futter und Exkremente zu mindern, indem die ehemaligen Fischteiche sich selbst überlassen bleiben. »Dann leben nach einer gewissen Übergangszeit nur noch die Tiere und Pflanzen in dem Graben, die sich von Natur aus wohlfühlen,« sagt Dahmer.

Das wird nicht über Naturschutzgutachten verkompliziert, was Bott sehr begrüßt. Denn eine aufwendigere Maßnahme mit höheren Kosten hätte die Gemeinde nicht durchgeführt. So kaufte die Gemeinde den Bereich auf, und man beschränkte sich auf eine Gewässerschau mit Experten der Unteren Wasserbehörde. Den Rückbau der Verrohrungen setzten Mitarbeiter des Bauhofs um. Einige Fichten am Rand der Teiche wurden umgelegt, denn die Nadelbäume gehören nicht in ein Feuchtgebiet. Zur Begrenzung des Bereichs setzten Gemeinde und Naturschutzbehörde an der Straße nach Bernsfeld einige junge Bäume. Dabei wählte man Mährische Ebereschen.

Das Ergebnis der Aktion kann sich sehen lassen, findet Bott. »Es ist beachtlich, was sich in einem Jahr entwickelt hat.«

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