27. November 2018, 12:00 Uhr

Alle Jahre wieder

Thomas Rodemer baut sich jedes Jahr eine neue Krippe

Man nehme Holzleim, Kreide, Wasser sowie Sägemehl, und schon hat man »Krippenmörtel«. Dann braucht man Geschick und Geduld. Thomas Rodemer aus Herbstein hat beides und viel Erfahrung.
27. November 2018, 12:00 Uhr
Der Vogelsberger Krippenbaumeister Thomas Rodemer mit zwei Rohlingen aus Styrodur, das sich besonders gut verarbeiten lässt. (Foto: au)

Seine Werkstatt ist nicht groß, alles hat seinen Platz, und dennoch finden sich unendlich viele Kleinigkeiten darin: Flechten, Ästchen, Kiesel, Borken, Rinde, gemahlene Steine in den verschiedensten Farben, Styrodur-Platten und unzählige kleine Leisten und Brettchen. Aus den Materialien fertigt der 59-jährige Thomas Rodemer kunstvoll gestaltete Weihnachtskrippen. Der Leiter des Präsidialamtes beim Polizeipräsidium Osthessen ist in seiner Freizeit Krippenbauer mit Herz und Seele. Jedes seiner kleinen Kunstwerke ist ein Unikat. Er baut aufwendige, detailverliebte Krippen in ganz verschiedenen Stilen. Jeder seiner Handgriffe sitzt. Unbehandelte Brettchen, Leisten, Klötzchen, kleine Rundhölzer, Stäbe erhalten Strukturen, geben jeder Krippe ihr »eigenes Gesicht«.

Seit neun Jahren geht Thomas Rodemer diesem schönen Hobby nach. Beim Verband bayrischer Krippenfreunde absolvierte er einen vier Jahre laufenden Kurs zum Krippenbaumeister, der in Kempten/Allgäu und in Klüsserath/Mosel stattfand. Seit einigen Jahren bietet er in den Herbstferien selbst Kurse an. Die Kurse finden so großen Anklang, dass sie bereits lange vor Beginn ausgebucht sind. Jeder der Teilnehmer habe dabei seine eigene Vorstellung von der Krippe und den dazugehörenden Gebäuden, berichtet Rodemer. Er selbst gebe nur Anregungen und Tipps dazu, sagt der Krippenbaumeister. Eine interessante Begebenheit gab es beim letztjährigen Kurs. So präsentierte ein Kursteilnehmer das Bild einer Krippe, das er im Internet gefunden hatte. Dieses Bild sollte Vorlage für seine Krippe sein. Rodemer identifizierte den kunstvollen Bau sofort als eine seiner Krippen.

Kleben und Verzapfen

Beim Krippenbau kommen ganz verschiedene Techniken zu Einsatz, berichtet Rodemer, denn die Krippen stellen ganz unterschiedliche Gebäudetypen dar. So werde beim Fachwerk für die Gebäude viel mit der Klebetechnik gearbeitet. Dies bedeute, dass die einzelnen Balken auf eine Unterlage, wie zum Beispiel Spanplatten oder auch Styrodur aufgeklebt würden. Aber auch der klassische Fachwerkbau mit dem Verzapfen der einzelnen Fachwerke, werde angewendet. Hauptarbeitsmittel sei der »Krippenmörtel«. Dieser bestehe aus Holzleim, Kreide, Wasser und Sägemehl und finde vielseitige Verwendung. Pro Krippe müssen rund 40 Stunden Arbeitszeit und bei einigen sogar 50 Stunden aufgewendet werden. Aber die Arbeit lohnt sich in jedem Fall, denn eine liebevoll gestaltete Krippe wird ja oft über viele Jahre in der Vorweihnachtszeit und noch über die Feiertage hinaus aufgebaut.

Vor Kurzen gab es sogar einen kleinen Kurs in seiner Werkstatt, bei dem die Krippe für die Kirche in Hofbieber (östlich von Fulda) entstand. Zudem erhält Rodemer auch ältere Krippen zur Restauration.

Tag der offenen Werkstatt

Zur Entstehung des Krippenbaus insgesamt informierte Thomas Rodemer beim »Tag der offenen Werkstatt« am Wochenende, dass die Umstände der Geburt Christi in einem Stall mitten im tiefsten Winter schon immer die Fantasie beflügelt hätten. So sei Christi Geburt vielfach landestypischen Vorstellungen angepasst und vom vorderen Orient bis in unsere Breiten verlagert worden. Im alpenländischen Raum habe der Krippenbau eine lange Tradition. Seit vielen Jahrhunderten würden in der Adventszeit selbstgefertigte Weihnachtskrippen in Wohnungen und Kirchen aufgestellt. Die erste Nennung einer Weihnachtskrippe sei die im Jahr 1562 von Jesuiten in Prag aufgestellte Weihnachtsdarstellung gewesen. Kurze Zeit später sei das Aufstellen von Krippen zur Weihnachtszeit bereits eine Prestigesache geworden. Das habe sich auf die Größe und Detailtreue ausgewirkt.

Es gibt aber auch sehr einfach gestaltete Krippen, wie man regelmäßig bei den Ausstellungen in Antrifftal sehen kann. Beispielsweise sind die Darstellungen in afrikanischen Ländern sehr schlicht, schon wegen der dort vorgegebenen Materialien und Werkzeuge. Andererseits gibt es in den Industrieländern auch Krippen, die aus Baukästen wie beispielsweise Playmobil oder Lego entstanden sind.

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