09. Januar 2019, 07:54 Uhr

Hacker aus dem Jugendzimmer

Seit Sonntag ist ein junger Homberger als der Hacker identifiziert, der aus seinem Jugendzimmer heraus seit Tagen ganz Deutschland in Atem hält. In der beschaulichen Fachwerkstadt zeigen sich viele völlig überrascht.
09. Januar 2019, 07:54 Uhr
Kamerateams bauten sich gestern vor dem Homberger Rathaus auf. Am Dienstag kam heraus, dass der jugendliche Hacker, dem das Bundeskriminalamt seit Tagen auf der Spur ist, aus der Fachwerkstadt kommt. (Fotos: jol)

Mit der gewohnten Ruhe war es am Dienstagmittag in Homberg vorbei. In der Geschäftsstraße der idyllischen Kleinstadt schwärmten Kamerateams des Hessen-Fernsehens und von Privatsendern auf der Suche nach einer guten Filmperspektive aus. Journalisten sprachen mit den wenigen Passanten.

Im Zentrum des plötzlichen Interesses stand ein 20 Jahre alter Homberger, der über Jahre hinweg aus seinem Jugendzimmer heraus private Daten von rund 1000 Politikern und Prominenten gesammelt hat. Nachdem fast 50 Fahnder fieberhaft nach dem Täter gesucht hatten, schlugen Polizeibeamte bereits am Sonntag in Homberg zu.

 

Gerüchte zunächst nicht geglaubt

 

Doch in der Kleinstadt hat der junge Mann nur wenige Spuren hinterlassen. So hielt es die Mitarbeiterin der örtlichen Buchhandlung zunächst für einen Scherz, dass ausgerechnet ein Homberger für den bundesweiten Datenskandal verantwortlich sein soll. Vielleicht sei doch ein Bewohner von Homberg/Efze in Nordhessen gemeint, sagte sie. Von der Wohnungsdurchsuchung hatte sie erst aus den Radionachrichten erfahren.

Normalerweise bereiten sich Gerüchte in der 7600-Einwohner-Gemeinde rasend schnell aus. Doch in diesem Fall wollte kaum einer etwas gesehen oder gehört haben. Im Geschäft für Bürobedarf und Zigaretten meinte die Verkäuferin, sie habe davon aus den Nachrichten »und von anderswo« erfahren. Mehr könne sie dazu nicht sagen. Das war der allgemeine Tenor, zumindest unter den älteren Hombergern.

Unter den Jüngeren machte dagegen schnell die Runde, wer der 20-Jährige ist, dass er in einem wohlsituierten Elternhaus aufgewachsen ist und schon einmal in Sachen Datenklau aufgefallen war.

Den Ermittlern zufolge hat der Mann die Tat gestanden und gesagt, allein gehandelt zu haben. Über Twitter-Acounts namens »G0d« (Gott) und »0rbit« hatte er zahlreiche teilweise auch persönliche Daten von Politikern und Prominenten veröffentlich. Er habe sich über deren Aussagen geärgert, gab er bei der Vernehmung an. Der junge Mann wurde aber wieder auf freien Fuß gesetzt, da kein Haftgrund vorlag. Er bereut die Taten, so die Ermittler. Nach Erwachsenenstrafrecht könnte er mit bis zu drei Jahren Haft belangt werden.

Angesichts des großen Medienauflaufs trat am Nachmittag Hombergs Bürgermeisterin Claudia Blum vor die Presse. »Ich habe das erst einmal gar nicht mitbekommen, was da geschehen ist«, sagte sie.

In der Ohmstadt gibt es keine nennenswerte Kriminalität, wenn ein Polizeifahrzeug unterwegs ist, denke man eher an eine routinemäßige Streife als an eine Durchsuchung, sagte Blum. »Ich war total überrascht.« So etwas »kann überall passieren, jetzt war das eben in Homberg«.

Bereits am frühen Nachmittag hatte Blum einige Nachrichten erhalten, die allerdings eher mit einem scherzhaften Tenor belegt waren, wie etwa jene: »Na, so schlecht kann das Internet bei euch ja gar nicht sein, wie ihr immer behauptet...«

Die Internetgeschwindigkeit in Homberg ist durchaus immer wieder ein Thema. Während in der Kernstadt die Datenrate zwar brauchbar sei, kommt man in den kleineren Stadtteilen noch immer nur langsam ins Netz.

Blum aber ging es in ihrer Stellungnahme auch um ein prinzipielles Anliegen: Jeder müsse sich jetzt selbst fragen, »wie er mit seinen Daten umgeht und was er so alles preisgibt«, sagte sie. Sie selbst etwa sei da eher vorsichtig »und auch nicht auf Facebook unterwegs, um mich in dieser Hinsicht zu schützen«. Auch in der Stadtverwaltung sei Datensicherheit ein Thema, erzählte Blum, seit Monaten befasse sie sich sehr stark mit der Datenschutzgrundverordnung und allem was damit zusammenhängt.

Mehr zu dem Fall auf den Seiten 1, 4, 5 und 7.

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