11. Januar 2019, 12:00 Uhr

Organspende

Mit der Niere ein neues Leben geschenkt

Eine Spende für den Einsatz zugunsten Nierenkranker. Hinter dem Hilfeverein stecken viele schwere Schicksale, zeigt sich beim Gespräch in Feldatal.
11. Januar 2019, 12:00 Uhr
Der Verein »Selbsthilfe Niere« unterstützt Menschen, deren Nieren nicht mehr funktionieren. Sie sind dann wie Kurt Schlosser auf Dialyse angewiesen, dreimal pro Woche jeweils vier Stunden lang in Alsfeld. (Fotos: jol)

Eine Spende zeigt, wie sehr man die Arbeit einer Einrichtung schätzt. Das ist nicht anders, wenn die Gießener/Alsfelder Allgemeine Zeitung den Verein Selbsthilfe Niere Mittelhessen unterstützt. Nach einem längeren Gespräch über Organspenderausweise und Tücken der Lobbyarbeit für Patienten überreichte Geschäftsführer Dr. Max Rempel an die Vorsitzenden Monika Kaiser und Hans-Joachim Lauth einen Spendenscheck über 2000 Euro.

Monika Kaiser hat ihrem Mann eine Niere gespendet, Lauth hat 24 Jahre mit einer Spenderniere gelebt, bevor das Organ seinen Dienst versagte. Nun ist er mit 80 000 weiteren Betroffenen wieder auf Blutwäsche, die Dialyse, angewiesen. Der Laubacher ist dreimal wöchentlich für vier bis fünf Stunden an einem Dialysegerät der Uniklinik Gießen. Und er ist einer von rund 8000 Menschen, die auf ein Spenderorgan warten – manche jahrelang.

Erkrankung verändert das Leben

Deshalb bewegt ihn ganz besonders die Diskussion um die Organspende, wie er auf Nachfrage Rempels betont. Die Widerspruchslösung, wonach jeder ein Organspender ist, der nicht widersprochen hat, hält Lauth für falsch. Denn dann werden im Krankenhaus die Angehörigen befragt und von ihnen seien viele kritisch eingestellt. »Die Menschen machen sich nicht gerne Gedanken über den Tod und sie befürchten, jemand mache ein Geschäft mit ihrem Körper«, benennt er zwei Hauptwiderstände in der Bevölkerung.

Kaiser und Lauth haben an ihren Infoständen zur Organspende viele Diskussionen zu dem Thema. »Wenn jemand das für sich ablehnt, frage ich, was ist, wenn das eigene Kind oder ein Enkel eine Organspende braucht«, fügt Kaiser an. Beide sprechen sich klar für den Organspendeausweis aus.

Ein grundsätzliches Problem sei aber die Abrechnung von Transplantationen, wie Kaiser anmerkt. So manches Krankenhaus meldet einen hirntoten Patienten nicht, der als Spender in Frage kommt. Denn es ist ein hoher Aufwand, die Körperfunktionen aufrecht zu erhalten und das werde nicht komplett bezahlt, sagt Kaiser.

Wenig hält sie von der Diskussion in Berlin, Transplantationszentren einzurichten. Denn dann würden die hervorragenden Abteilungen in Krankenhäusern wie der Gießener Klinik aus der Abrechnung herausfallen, wenn sie nur 24 statt der geforderten 25 bis 30 Transplantationen durchführen. »Nach einer OP muss man jeden zweiten Tag ins Krankenhaus. Und wenn das dann in Heidelberg ist, muss man sich dort ein Zimmer nehmen«, kritisiert Kaiser. Deshalb ist ihr Dachverband eine Lobbygruppe in Berlin, um Härten für Nierenkranke zu verhindern. So erläuterte Kaiser dem Besucher aus Gießen, dass die Krankenkassen seit längerem versuchen, die Taxifahrten zur Dialyse aus der Erstattung herauszunehmen. Das wäre für ältere Patienten eine Katastrophe, die dreimal wöchentlich mit dem Taxi in die Klinik fahren.

Der mittelhessische Verein ist zudem eine Selbsthilfegruppe, bietet Nierenkranken und Dialysepatienten Beratung an. Denn das Leben ändert sich mit der gravierenden Erkrankung, wie Lauth erläutert.

Wenn die Nieren bestimmte Stoffe nicht mehr ausscheiden, bleiben Wasser und Stoffwechselgifte im Körper, die per Dialyse ausgewaschen werden. »Man ist harnstoffvergiftet und hat dauernd Durst, darf aber kaum etwas trinken«, sagt Lauth. Zudem muss man Diät halten, um nicht zu viel Phosphat und Kalium aufzunehmen, was bei normaler Ernährung geschieht. Deshalb bietet der Verein auch Ernährungsseminare an.

»Mit einer Tüte Trockenobst und zwei Kilo Bananen kann man sich umbringen«, fügt Lauth an. Passende Rezepte stehen im Informationsheft »Info Niere«, das alle vier Monate selbst erstellt wird. Der Verein bietet zudem Ausflüge an, denn so mancher Patient kommt kaum noch heraus. (Foto: jol)

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