06. März 2019, 12:00 Uhr

Bierbrauer

Helpershainer Ortsvorsteher braut im Keller leckeres Bier

Jörg Bauer ist Ortsvorsteher – und Hobbybrauer. Was ein Milchfass und ein Betonmischer mit dem Bierbrauen zu tun haben, erzählt er beim Besuch.
06. März 2019, 12:00 Uhr
Bauer gibt seinen eigenen Hopfen in den Sud. Dieser Hopfen, vorher Sichtschutz im Garten, sorgt für die Bitternote im Pale Ale. (Fotos: eik)

Vor einem Jahr wurde in Helpershain ein unvergessliches Bierfest gefeiert. Über 400 Zuschauer strömten in den kleinen Ulrichsteiner Stadtteil. Eine der vier ausgeschenkten Sorten war besonders beliebt: das »Eulenbräu«. Die Alsfelder Allgemeine Zeitung traf Hobbybrauer Jörg Bauer und schaute bei der Produktion des frischen Gerstensaftes zu. Früh morgens geht es bei Bauer im Keller los. Dort hat der 45-Jährige seine kleine Brauerei eingerichtet.

Er ist am Reinemachen – und das immer wieder im Laufe des Tages. Eine saubere Arbeitsstube gehört zum erfolgreichen Brauen. Der Brauprozess dauert fünf bis sechs Stunden, ohne Vorbereitungs- und Lagerzeit. Denn im Anschluss ans Kochen soll sich das Aroma gut entfalten. Das braucht Zeit.

Heutzutage kann jeder kleine Hobbybrausets kaufen und sein Glück versuchen. So hat es bei Jörg Bauer auch angefangen. Von seiner Frau bekam er ein Brauset geschenkt. Als er 2016 nach einem Krankenhausaufenthalt mit dem Brauen anfing, spielte sich alles noch im Einkocher ab, in der Folge wurde die »Braustube« ständig weiter entwickelt.

Vor ihm stehen zwei alte, umfunktionierte Milchfässer vom Bauern. In das eine füllt er Wasser, das zunächst erhitzt werden muss. Es folgt das Malz, das er am Tag vorher geschrotet hat. Wie beim »richtigen« Kochen werden Zutaten hinzugegeben und muss gewartet werden. Er baute schon vor einiger Zeit einen Gegenstrom-Durchlaufkühler, den er heute noch zum Herunterkühlen des Suds nutzt. Sein erstes Sudgefäß erweiterte er mit einem umgebauten Scheibenwischermotor. Das war jedoch nicht hundertprozentig zufriedenstellend, da die Bewegung nicht kreisrund verlief. Zum Rühren in den Milchfässern nutzt er heutzutage ein – natürlich hygienisch einwandfreies – Betonmischgerät. Nach dem Absieben des Malzes entsteht der sogenannte Treberkuchen. Ein Wassernachguss durch das Sieb löst den Restzucker aus dem Treberkuchen. Er dient dabei als natürlicher Filter.

Wie jeder Brauer lässt er sich nicht gerne ins Rezept schauen. Jörg Bauer betont aber, dass er die Rezeptur immer weiter verbessert. So auch diesmal. In den Kesseln braut mittlerweile der Hopfen des beliebten »Eulenbräus«. Das »Eulenbräu« ist ein sogenanntes helles Pale Ale. Bauer stellt nur dieses und Weizenbier her. Pale Ale vor allem, weil man viel an der Geschmacksnote drehen kann. Außerdem ist es länger haltbar. Beim Eulenbräu verrät er als Geschmacksnoten Mandarine, Johannisbeere und Zitrone, die als Aromahopfen bei der Gärung hinzugegeben werden. Bauer verwendet zum Teil eigenen Hopfen, den er mit Helfern im Oktober geerntet hat. Der frühere Sichtschutz im Garten wandert als Bitterhopfen ins Bier...

Mitten im Kochprozess schöpft der Hobbybrauer in ein kleines Glas etwas vom Sud ab. Darin wird später die Hefe zugegeben, welche zum Schluss wieder eingerührt wird.

Die Temperatur spielt beim Brauen eine wichtige Rolle. Um herauszufinden, wie viel Alkohol sein Pale Ale später hat, nimmt Bauer ein Spindel. Damit wird die Stammwürze gemessen und in Volumenprozent umgerechnet.

Das Bier aus der Produktion wird etwa 5,5 Prozent Alkohol haben. Gegen Ende des Brauprozesses wird die Temperatur des Suds heruntergekühlt und das Gebräu in ein zweites Fass umgefüllt. Dann kommt ein weiteres Mal Hopfen hinzu (Kalthopfung). Im zweiten Fass wird auch die Hefe beigemischt. Das ist der letzte Arbeitsschritt. Das Jungbier wird anschließend in Fässer gefüllt. In weiterer Reifung entstehen Kohlensäure und der unnachahmliche Geschmack. Der Hobbybrauer ist zufrieden: »So gut lief es lange nicht.« Davon kann sich jeder beim diesjährigen Bierfest Ende Juli überzeugen.

Die erste »Heimbrau Convention« findet vom Freitag, 8. März, bis Sonntag, 10. März, auf Schloss Romrod statt. Die Tickets dafür sind schon lange ausverkauft, es kann aber am Samstag die parallel stattfindende Messe im Bürgerhaus besucht werden, wo es alles für den Hobbybrauerbedarf gibt.

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