13. März 2019, 12:00 Uhr

Landfrauen

Kochen, Backen und viel mehr

70 Jahre Bezirkslandfrauenverein steht für einen enormen Wandel: Waren es früher Fertigkeiten am Herd und auf dem Feld, so haben sich die Landfrauen heute modernen Technologien angepasst.
13. März 2019, 12:00 Uhr
Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen, das wissen die Landfrauen wie hier in Unter-Seibertenrod beim Backhausfest. Doch das Spektrum der Landfrauenvereine ist viel größer. (sf-Foto: Archiv)

Im Bürgerhaus Romrod feiert der Bezirkslandfrauenverein Alsfeld am kommenden Sonntag, dem 17. März, sein 70-jähriges Bestehen. Ein Verein, der seit über einem halben Jahrhundert voller Betriebsamkeit für die Belange der Frauen auf dem Lande eintritt.

Der Impuls zur Gründung der Landfrauenbewegung ging vor über hundert Jahren von einer Frau aus, die sich kritisch mit der gesellschaftlichen Realität der Frauen auf dem Land auseinandersetzte. Elisabeth Böhm, damals Gutsfrau in Ostpreußen, hatte die Erfahrung machen müssen, dass es zwischen Männern und Frauen auf dem Land große Ausbildungsunterschiede gab. Mit dem von ihr 1898 gegründeten landwirtschaftlichen Hausfrauenverein geht die Landfrauenbewegung als richtungsweisende Organisation für das häusliche Bildungswesen, in die Geschichte ein.

Wie ein Blick in die Chronik belegt, fand die Gründung des Bezirks-Landfrauenvereins Alsfeld am 15. März 1949 in der alten Landwirtschaftsschule in Alsfeld statt. Erste Vorsitzende wurde Marie Raab, von der 1951 Elisabeth Hesse die Aufgabe übernahm. Sie führte das Amt bis 1963 und übergab es 1975 an Emmi Hinz. Danach leitete Ruth Knögel bis 1987 die Geschickes, bis von Oktober 1987 bis 2000 Ursula Becker und von 2000 bis 2012 Karin Deichert den Vorsitz übernahmen und seit 2012 ist Gudrun Stumpf Vorsitzende. Von 1950 bis 1972 waren, wie auch in Alsfeld, die Geschäftsführungen der Bezirks-Landfrauenvereine, den jeweiligen Landwirtschaftsämtern angegliedert. Mit Auflösung der Landwirtschaftskammern in Hessen gab es keine Unterstützung mehr durch diese Ämter.

Zentrale Schulung in Friedrichsdorf

Dass die Frauen damit aber bestens fertig wurden, belegt die ständige Weiterentwicklung des Bezirks-Landfrauenvereins Alsfeld, dem im Jubiläumsjahr 23 Ortsvereine mit insgesamt 1354 Frauen angehören. Verbunden mit der Schließung der Ausbildungsabteilung Hauswirtschaft in der Landwirtschaftsschule Alsfeld entstand das Fortbildungswerk Hauswirtschaft in Friedrichsdorf im Taunus, welches an zwei Standorten (Alsfeld und Gelnhausen) tätig wurde. Es folgten mehrere Grundbildungslehrgänge zur Vorbereitung auf die Abschlussprüfung zur Hauswirtschafter/in und einige Qualifizierungslehrgänge zur Meister/in der Hauswirtschaft in Alsfeld. Danach übernahm der Landfrauenverband Hessen die Organisation dieser Ausbildungslehrgänge, die in Alsfeld unter der Federführung von Gudrun Jungk bis 2013 an der Max-Eyth-Schule durchgeführt wurden. Das Bemühen um Information und Weiterbildung der Landfrauen war von Anfang an das Ziel der Landfrauenarbeit. Während zunächst fachliche Themen aus den engeren Arbeits- und Lebensbereichen der Landfrauen, sprich Bäuerinnen, den Schwerpunkt bildeten, dehnten sich die Aktivitäten der Landfrauenvereine durch die voranschreitende, technische und wirtschaftliche Entwicklung aus.

»Es war und ist uns wichtig, dass in Alsfeld regionale Schulungen zur Agrar-Bürofachfrau durchgeführt werden, um dem Strukturwandel in der Landwirtschaft gerecht zu werden«, so Bezirksvorsitzende Gudrun Stumpf, da Bäuerinnen mehr und mehr zu Managerinnen im modernen Agrarbetrieb werden. »Das landwirtschaftliche Büro ist heute der Ort, in dem auch das Einkommen gesichert wird«, betont Stumpf.

Bildungsreisen und Kultur

Zu den weiteren Angeboten gehören die jährlichen Bildungsreisen unter anderem auch nach England, Masuren, Griechenland, Norwegen oder Schweden. Ebenso sind die Fahrten zum Hessentag, Besuche bei den Bad Hersfelder Festspielen, Tagesausflüge für Seniorinnen zu regionalen Sehenswürdigkeiten, die jährliche Veranstaltung »Landfrauen von Ort zu Ort« oder das Mitmachen beim Aufstellen des Maibaumes und die Präsenz beim Fassanstich zum Alsfelder Pfingstmarkt Bestandteile des Jahresprogramms.

Die Bezirksvorstandsmitglieder: »Die Anliegen, die uns im Bezirk und im Landesverband besonders wichtig sind und unter den Nägeln brennen, sind gleicher Lohn für gleiche Arbeit, Alltagskompetenz und Ernährungsbildung in die Lehrpläne der allgemeinbildenden Schulen aufzunehmen, Aufwertung der Familienarbeit, der Pflegeberufe und des Ehrenamtes. Als Bindeglied zwischen Ortsvereinen und Landesverband brauchen wir als Bezirksverein vermehrt die volle Landfrauenpower, um uns gesellschaftspolitisch in den kommunalen Parlamenten, in den Beiräten von Kitas und Schulen und Religionsgemeinschaften einzubringen. Wir bereichern und verändern damit unser Alltagsleben und schaffen somit einen Mehrwert für uns und die Gesellschaft. Landfrauen sind ein stabilisierendes Element. Sie sorgen dafür, dass die Seele des Dorfes und der Stadt nicht verloren geht«.

Unter dem Motto der Landfrauen: »Mitmachen! Mitreden! Miteinander mehr erreichen!« wirbt der Bezirks-Landfrauenverein um Frauen zur Mitgliedschaft in den Ortsvereinen, die offen sind für neue Initiativen zur Gestaltung des Landlebens.

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