09. April 2010, 17:08 Uhr

Jetzt die Früchte langjähriger Aufbauarbeit ernten

Homberg - Weltbekannt hatten ihn spätestens seine beiden Olympiasiege in Atlanta 1996 und Sydney 2000 mit der deutschen Nationalmannschaft gemacht, und auch danach war der Springreiter Lars Nieberg noch über Jahre hinweg in der Weltspitze seiner Sportart.
09. April 2010, 17:08 Uhr
Zum 1. April hat Nieberg das Gestüt Wäldershausen gepachtet. (Fotos: lad)

Homberg - Weltbekannt hatten ihn spätestens seine beiden Olympiasiege in Atlanta 1996 und Sydney 2000 mit der deutschen Nationalmannschaft gemacht, und auch danach war der Springreiter Lars Nieberg noch über Jahre hinweg in der Weltspitze seiner Sportart. In den vergangenen drei Jahren war es schließlich - unter anderem wegen Verletzungen seiner Turnierpferde - ruhiger um den inzwischen 46-Jährigen geworden, der mittlerweile seit 20 Jahren auf dem Gestüt Wäldershausen bei Homberg beheimatet ist. Nun jedoch machte der zweifache Familienvater gleich in zweierlei Hinsicht auf sich aufmerksam: zum einen kehrte der sportliche Erfolg wieder ein; beispielsweise belegte er allein in den letzten zwei Monaten drei zweite Plätze bei bedeutsamen Turnieren in Zürich, Abu Dhabi und Dortmund und stand in Braunschweig bei der Siegerehrung sogar ganz oben. Zum anderen pachtete er zum 1. April das Gestüt von Besitzerin Katharina Geller-Herr, auf dem er bislang »nur« erster Bereiter war.

Das waren nun zwei große Wendungen in Ihrem Leben: die Rückkehr des Erfolges und die Übernahme des Gestüts - was davon steht für Sie im Vordergrund?

Lars Nieberg: Das läuft parallel. Über die Übernahme musste ich reichlich überlegen, denn das war vor allem wirtschaftlich eine schwierige Entscheidung. Die sportlichen Erfolge sind dabei positiv und förderlich, weil sie einen zusätzlichen finanziellen Rückhalt bieten.

Wie kommt es, dass der Erfolg jetzt zurückgekehrt ist?

Nieberg: Das war schon länger abzusehen. Ich brauchte die Zeit, um die Pferde aufzubauen, und dann kam im November auch noch Lord Luis (auf dem Wallach des verletzten Alois Pollmann-Schweckhorst gewann Nieberg in Braunschweig, Anm. d. Red.) dazu. Dadurch, dass ich den jetzt reite, sind meine im Aufbau befindlichen Toppferde Levito und Galippo zwar etwas in den Hintergrund gerückt, aber wenn man ein Pferd wie Lord Luis bekommt, dann reitet man das auch.

Den inzwischen elfjährigen Levito haben Sie mir in unserem letzten Gespräch vor zwei Jahren bereits als Hoffnung angepriesen - hat er die Erwartungen erfüllt?

Nieberg: Habe ich das wirklich? Das war damals allerdings sehr optimistisch von mir (lacht)... Ja, er hat sich gut gemacht, ihm fehlt nur noch ein bisschen die Routine.

Was sind nun die nächsten größeren sportlichen Ziele?

Nieberg: Das erklärte Ziel ist Olympia 2012. Und man sagt zwar immer »Dabei sein ist alles«, aber ich möchte mehr: ich will vorne landen. Alles andere wäre zu wenig Anspruch. Wenn alles klappt, werde ich dort auf Galippo starten.

Der neunjährige Galippo, ein Enkel des 1996er-Goldpferdes For Pleasure, ist aus eigener Zucht. Ist das etwas besonderes für Sie?

Nieberg: Das ist ganz selten, dass man mal ein Pferd wie Galippo selbst züchtet, aber das ist mir nicht wichtig. Ich reite alle Pferde; die Hauptsache ist, sie sind gut.

Bei Olympia 2008 in Peking waren Sie nicht dabei - haben Sie das Geschehen am Fernseher verfolgt? War da Wehmut dabei?

Nieberg: Ja, ich habe es verfolgt. Im Nachhinein war es nicht schlimm, selbst nicht dabei zu sein. Sowohl das Sportliche als auch die Nachwehen mit den »Medikationsgeschichten« waren keine erfreuliche Entwicklung; das war nicht positiv für den Sport. Aber ich bin eh nicht der Typ, der irgendetwas nachweint - zu dem Zeitpunkt hätte ich da gar nichts zu suchen gehabt.

Sie sind ja jetzt sowohl Sportler als auch Unternehmer durch das Pachten des Gestüts - als was sehen Sie sich denn eher?

Nieberg: Eigentlich bin ich lieber Sportler. Im Moment versuche ich, beides gleichrangig unter einen Hut zu bekommen, aber auf Dauer geht das ohne Sponsor nicht.

Wie kam es denn dazu, dass sie Wäldershausen gepachtet haben?

Nieberg: Die Besitzerin Katharina Geller-Herr hat sich aus persönlichen - in erster Linie gesundheitlichen - Gründen zurückgezogen. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass sie ganz aufhört, das hat mich überrascht. Aber wir sind immer noch sehr freundschaftlich verbunden und es ist sehr großzügig von ihr, dass ich die Pferde weiterhin halten darf - das hätte nicht jeder Besitzer gemacht. Ich musste schon überlegen, weil es ein finanzielles Risiko ist, aber woanders hätte ich ganz von vorne anfangen müssen und auch meine Kinder sind mit 15 und 16 Jahren in einem Alter, wo es schlecht ist, sie aus ihrem Umfeld herauszuziehen. Außerdem stand Wäldershausen nie zum Verkauf - wenn ich es nicht gepachtet hätte, wäre es dicht gemacht worden. Und hier habe ich mir nach drei für meine Ansprüche schlechten Jahren - immerhin war ich zehn Jahre lang in den Top Ten der Weltrangliste - etwas aufgebaut. Jetzt fange ich langsam an, die Früchte zu ernten. Ich habe sogar noch ein paar gute junge Pferde in petto, von denen man später garantiert noch was hören wird.

Was ist denn nun anders für Sie und für das Gestüt?

Nieberg: In der Vergangenheit war es einfacher: Wenn es mal nicht lief, wurden die Rechnungen trotzdem bezahlt. Jetzt habe ich die festen Betriebskosten, aber unbeständige Einnahmen. Falls ich in finanzielle Bedrängnis geraten würde, würde sich Frau Geller-Herr auch nicht einschalten - das ist die klare Abmache; dann würde Wäldershausen zugemacht. Um das Ganze am laufen zu halten, kann also es passieren, dass ich das Geschäftliche dem Sportlichen vorziehen muss. So habe ich 30 der 80 Pferde verkauft und es arbeiten derzeit nur noch acht Leute hier. Auch für meine Turnierpferde hatte ich schon Angebote, aber nach drei Jahren Aufbauarbeit möchte ich die nicht abgeben.

Hat sich Ihre Perspektive auf den Sport dadurch geändert?

Nieberg: Nein, meine Einstellung ist noch dieselbe: Ich lebe für die Pferde, und ich lebe von den Pferden. Jan Sommerlad

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