11. Juni 2010, 19:58 Uhr

Ein »Streiter für Kirtorf« feiert

Kirtorf (jol). Es ist schwer, ihn sich ruhig vorzustellen: Schon beim Hereinkommen in das Büro von Bürgermeister Ulrich Künz gibt es eine knappe Handbewegung Richtung Konferenztisch, Künz telefoniert unterdessen locker weiter.
11. Juni 2010, 19:58 Uhr
Stets in Bewegung für seine Kommune: Bürgermeister Ulrich Künz wird am Sonntag 60 Jahre alt. (Foto: jol)

Kirtorf (jol). Es ist schwer, ihn sich ruhig vorzustellen: Schon beim Hereinkommen in das Büro von Bürgermeister Ulrich Künz gibt es eine knappe Handbewegung Richtung Konferenztisch, Künz telefoniert unterdessen locker weiter. Am Samstag feiert der dienstälteste Bürgermeister Hessens in seinen 60. Geburtstag am Sonntag hinein, mit vielen Gästen aus Politik und lokalem Leben. Kurz vor dem persönlichen Jubiläum ging die Allgemeine im Gespräch mit Ulrich Künz die Leistungsbilanz des Stadtoberhaupts durch - zum Gespräch kam es nach drei weiteren Telefonaten, unterbrochen wurde es von einem halben dutzend Kurzgesprächen. Kein Wunder, dass Künz auf die Frage nach seinem wichtigsten Arbeitsmittel wie aus der Pistole geschossen sagt »das Telefon«. Außerdem sei er auf einen Stift angewiesen, um Gesprächsergebnisse zu notieren.

Nein, ruhig geht er auch das sechste Lebensjahrzehnt nicht an. Vielmehr ist ihm ohne weiteres abzunehmen, dass er seit über 33 Jahren tatsächlich von 7.15 Uhr morgens bis zum Ende der häufigen Abendtermine für Stadt und Region am Werk ist. Und dabei hat er eine beeindruckende Bilanz vorzulegen. Angetreten ist er als 26-Jähriger und damit jüngster Bürgermeister. Inzwischen ist der (noch) 59-Jährige dienstältester Rathauschef des Landes. »Bürgermeister ist einer der schönsten Berufe - ich würde es wieder so machen, wenn ich noch einmal die Wahl hätte.« Dabei entspricht es seinem Naturell, sich auch überregional für seine Kommune einzusetzen. Er ist Kreistagsvorsitzender, in der Regionalversammlung Mittelhessen und in einer Reihe Aufsichtsgremien. »Das hat sich für die Gemeinde Kirtorf ausgezahlt«, weil er so Kontakte knüpfen konnte. Schließlich ist die kleine Gemeinde mit »in den besten Zeiten 3900 Einwohnern« auch durch hohe Zuschüsse von Land und Bund zu seiner guten Infrastruktur gekommen. Gemeinschaftshäuser, Straßen und Abwasseranlagen erfordern viel Geld. Wenn man da, wie in Kirtorf, die Bürger nicht so stark mit Beiträgen belasten will, muss die Verwaltungsspitze fit sein im Beantragen von Fördergeldern.

Manches Mal hat Künz in seiner langen Amtszeit Druck ausgeübt, um mehr für die Vogelsberg-Kommune zu erreichen. Immerhin sind das örtliche Solar-Programm unter der rot-grünen Landesregierung und die Finanzierung der Gleentalhalle als landesweite Pilotprojekte zu Kirtorfer Bedingungen erfolgt. Das zeigt, dass der CDU-Mann Künz auch über die Parteigrenzen hinweg erfolgreich Mittel abgreifen konnte, wenn sich die Gelegenheit geboten hat. Die von ihm immer wieder beschworene Flexibilität im Amt war aber auch nötig, um eine arme Landgemeinde voranzubringen. Angesichts der geringen finanziellen Möglichkeiten konnte der Fortschritt nicht über Nacht erfolgen, meinte er mit Blick auf die jahrelange Arbeit für den Fortschritt. Er sei über die Jahrzehnte immer »am Ball geblieben«.

Künz hat auch eine Veränderung der politischen Kultur im Kreis miterlebt. Unter den Landräten Dr. Zwecker und abgeschwächt unter Hans-Ulrich Lipphardt waren scharfe politische Debatten Alltag im Kreistag. »Das gehört der Vergangenheit an und das ist gut so«. Viel angenehmer und zielführender sei es, bei allen politische Differenzen gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Auch als Bürgermeister habe er immer darauf geachtet, dass man auch nach einem politischen Streit im Gespräch geblieben ist. Er habe stets darauf geachtet, »keinen harten Kurs zu fahren«. An erster Stelle stand für ihn, »den Menschen zu helfen, die es am nötigsten haben«.

So ist er stolz auf die Bilanz in Kirtorf, auf die er aufbauen will. Einziger Wermutstropfen ist für Künz, dass man keinen größere Betrieb in der Gemeinde ansiedeln konnte. Aber wenn er sich die Lage in Alsfeld betrachte, wo trotz guter Lage in Deutschland und an der Autobahn ebenfalls wenig errichtet wurde, frage er sich, ob das für Kirtorf überhaupt möglich ist. So will er eben versuchen, in der Region voranzukommen. Dann werden die Arbeitsplätze in Homberg und Stadtallendorf gesichert und Kirtorf kann als Wohngemeinde mit den weichen Standortfaktoren punkten.

Dazu zählt für Künz die gute Kinderbetreuung: »Wir müssen anerkennen, dass sich die Gesellschaft gewandelt hat.« Krabbelstube und Kindergarten sind wichtige Faktoren für Familien, auch wenn die Kommune dafür viel Geld ausgeben muss. Ein Herzensanliegen ist ihm, die Vereine zu unterstützen, damit das Leben in allen Ortsteilen lebenswert bleibt. Daran will er weiter mitwirken - mit Schwung und vielen Gesprächen ab 7.15 Uhr morgens.

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