09. März 2018, 08:00 Uhr

Klein-Karben

Anwohner fordern Flüsterasphalt

Bei den Anwohnern der Ortsdurchfahrt Klein-Karben herrscht massive Verunsicherung. Grund dafür ist die geplante Sanierung der Rendeler Straße. Im Ortsbeirat sind nun neue Forderungen geäußert worden.
09. März 2018, 08:00 Uhr
Die Bordsteine auf dieser Seite der Rendeler Straße sollen angehoben werden, damit sie nicht von Autos überfahren werden können. Das gefällt einigen Anwohnern nicht. Außerdem fordern sie eine geräuschdämmende Deckenschicht. (Foto: pe)

Regelmäßige Besucher der Ortsbeiratssitzungen in Klein-Karben kennen das schon: Bei den Anwohnern der Rendeler Straße herrscht ziemliche Empörung. Zu viel Verkehr brettert Tag für Tag an ihren Häusern vorbei, das oft nicht mal einen Meter entfernt. So sind Lärm und das Tempo Dauerbrenner bei den Sitzungen. Erst recht jetzt, nachdem Land und Stadt angekündigt haben, die Straße ab den Sommerferien sanieren zu wollen. Zwar sind damit alle einverstanden, doch viele fühlen sich mangelhaft informiert, und in vielen Details herrscht Verunsicherung. Zudem tauchen immer neue Forderungen auf.

 

1,50 Meter breiter Gehweg

 

Ortsvorsteher Christian Neuwirth rekapitulierte die Ergebnisse einer nicht öffentlichen Sitzung von Ortsbeiräten und Ausschussmitgliedern von einer Woche zuvor. Darin hatten die zuständigen Planer vom Büro IMB-Plan und der Stadt zusammen mit Bürgermeister Guido Rahn die wesentlichen Punkte vorgestellt. Gerade der Bürgermeister hatte betont, dass aufgrund des schmalen Straßenquerschnitts hier wenig gravierende Veränderungen möglich seien. Die wichtigsten Punkte: Auf der Seite mit den geraden Hausnummern soll zwischen Rathausstraße und Ulmenweg ein durchgängig 1,50 Meter breiter Gehweg geschaffen werden. Auf der gegenüberliegenen Seite klappt dies nach Meinung der Experten nicht. Grund: Da es sich um eine Landesstraße und damit eine Durchgangsstraße handelt, muss eine Mindestfahrbahnbreite von sechs Metern eingehalten werden. Weil der Gehweg auf einer Seite so schmal ist, sollen zum Schutz der Fußgänger die Bordsteine deutlich erhöht und nicht, wie auf der gegenüberliegenen Seite geplant, abgerundet werden. Das soll das Befahren des ohnehin schmalen Gehwegs durch Pkw oder Lkw verhindern. Neuwirth erwähnte auch, dass bis auf die Kirchgasse alle Haltestellen barrierefrei ausgebaut und mit 22 Zentimeter hohen Bordsteinen versehen würden. Die Pflasterung soll so erfolgen wie in Groß-Karben in der bereits sanierten Ortsdurchfahrt.

 

Streit um »Optimierung« der Straße

 

Zwar scheinen die Anwohner im Grundsatz mit der Sanierung einverstanden, im Detail gibt es aber noch viele Fragen. So beklagt das Ehepaar Rexerroth, dass der Gehweg auf ihrer Seite schmaler werden solle. »Wir kommen dann mit unserem Auto nicht mehr aus der Hofeinfahrt«, sagten sie im Ortsbeirat. Andere regten an, die Straßendecke mit einem Flüsterasphalt zu versehen, nachdem Erster Stadtrat Friedrich Schwaab den Anwohnern keine Hoffnung auf weniger Autos gemacht hatte. »Am Verkehrsaufkommen im Ort wird sich durch die Sanierung nichts ändern.«

 

Am Verkehrsaufkommen durch den Ort ändert sich nichts

Friedrich Schwaab

Das war das Stichwort für SPD-Beirat Jochen Schmitt, unterstützt vom SPD-Fraktionsvorsitzenden im Stadtparlament, Thomas Görlich. Einst habe die Stadt diese Straße in ihren Besitz nehmen und zu einer Stadtstraße herabstufen wollen. Dann hätte es die Möglichkeit gegeben, sie neu zu gestalten. Das werde nun aber nicht mehr so. Schmitt forderte von der Stadt »einen Plan B«. So müsse es Isolierfenster für die Anwohner geben, zudem wäre ein Lkw-Durchfahrtsverbot mit Hessen Mobil zu diskutieren. Schwaab (CDU) erwiderte, ein Durchfahrtsverbot für Lkw wolle man nicht beantragen. »Wo sollen denn die Lastwagen dann hin? Wir würden sie nur den Nachbarkommunen aufdrücken.« Schmitt erwiderte, eine alternative Route wäre über die B 521 möglich. Görlich erinnerte daran, dass die SPD in der letzten Stadtverordnetensitzung eine »Optimierung der Ortsdurchfahrt« gefordert hätte. »Die haben Sie von der CDU aber abgelehnt«, rief er in Richtung Schwaab. Der Stadtrat erwiderte, dies sei deshalb erfolgt, »weil Sie nicht konkret gesagt haben, was Sie unter Optimierung verstehen«.

Als weitere Fragen und Forderungen kamen, verwies der Stadtrat auf die Bürgerversammlung am 18. April. An diesem Tag seien auch Planer und Vertreter von Hessen Mobil dabei.

 

Kommentar

Unrealistische Forderung

Zehntausende Autos fahren monatlich durch den engen Ortskern von Klein-Karben. Hier geht es ähnlich zu wie bis vor zwei Jahren in Groß-Karben. Die Lebensqualität leidet, mit zunehmendem Verkehr immer stärker. Im Gegensatz zum Nachbarstadtteil kann aber keine Umfahrung gebaut werden, weil Klein-Karben von Naturschutzgebieten und Streuobstwiesen umgeben ist. Da ist es verständlich, wenn die Anwohner etwas Entlastung fordern. Im welcher Form dies geht, muss von Fachleuten geklärt werden. Was aber nicht geht, ist das, was die SPD jetzt macht. Die Empörung der Anwohner für unrealistische Forderungen nutzen. Ein Lkw-Durchfahrtsverbot kann es nicht geben. Gerichte würden es wieder aufheben. Sinnvoller wäre es, die SPD bringt realistischere Forderungen wie etwa die nach Flüsterasphalt ein. Würde die umgesetzt, ließen sich bei den Anwohnern eher Pluspunkte sammeln, als falsche Hoffnungen zu wecken, die später enttäuscht würden.

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