21. Februar 2019, 14:00 Uhr

Baugebiet Kalkofen

Barrierefreiheit: Keine Rampe an der Treppe

Monatelang haben die Karbener Stadtverordneten den Bebauungsplan für das Neubaugebiet Kalkofen in Groß-Karben diskutiert. Aber niemand hat gemerkt, dass die im Bebauungsplan eingezeichnete Rampe als Zu- und Abgang zwischen Lindenplatz und den Neubauten gar nicht realisiert worden ist. Jetzt ist die nicht gebaute Rampe Thema der Ortsbeiratssitzung gewesen.
21. Februar 2019, 14:00 Uhr
Diese Treppe, die vom Lindenplatz ins Neubaugebiet von Groß-Karben führt, ist für Ältere sowie Mütter mit Kinderwagen kam zu überwinden. Und die offizielle Empfehlung über den Waldhohlweg ist den Ortsbeiräten zu weit. Deshalb soll die Stadt nun eine Alternative prüfen. (Foto: Pegelow)

E in- und Mehrfamilienhäuser sind im Neubaugebiet Am Kalkofen in Groß-Karben in den vergangenen Monaten bereits gebaut worden. Viele haben schon ihre neue Heimat bezogen. In den kommenden Monaten werden noch weitere Reihenhäuser entstehen. Doch wer meint, in das neue Gebiet zwischen Heldenberger Straße und Waldhohlweg seien nur Familien gezogen, der irrt. SPD-Ortsbeirätin Christel Zobeley widerspricht in der jüngsten Sitzung energisch: »Dort wohnen auch viele Ältere«, sagt sie. Und deshalb hat sie einen Antrag eingebracht, mit dem der Magistrat aufgefordert wird zu prüfen, ob und wie ein barrierefreier Zugang vom Lindenplatz ins Baugebiet ermöglicht werden kann. Der Antrag hat durchaus seinen Hintergrund. Die Treppe, die zu Beginn des Jahres für die Fußgänger freigegeben worden ist, gleicht den markanten Höhenunterschied zwischen dem neu gestalteten Lindenplatz bzw. der Heldenberger Straße und dem höher gelegenen Neubaugebiet aus. Die steilste öffentliche Treppe in der Stadt ist im Ort bereits Gesprächsthema. Denn wer quasi »von unten« vom Einkaufen, von der Bushaltestelle her oder vom alten Ortskern kommt, muss einen ganz schönen Höhenunterschied überwinden. Laut offiziellem Bebauungsplan sind hier 18 Meter Differenz zu überwinden. Mit vollen Einkaufstaschen ist das schon problematisch, für Mütter mit Kinderwagen oder Senioren mit Rollatoren ist diese Treppe nicht zu schaffen. »Die Leue sind dort aufs Auto angewiesen«, sagt Zobeleys Beiratskollege Hans-Jürgen Kuhl. Deshalb schwebt ihm und Zobeley eine Rampe neben der Treppe vor. Die war, was kaum jemandem klar war, allerdings bereits im Bebauungsplan vorgesehen, ist dann aber nie realisiert worden. Das erfuhren die Ortsbeiräte und die Zuhörer, als Erster Stadtrat Friedrich Schwaab eine Stellungnahme aus dem städtischen Fachdienst Bauen verlas. Darin heißt es, der B-Plan 205 weise eine Rampe aus. Diese sei aber »baukonstruktiv sehr anspruchsvoll«. Gebaut wurde sie aus Kostengründen nicht, wie aus dem Schreiben weiter hervorgeht. Allerdings hatte dies bislang kein einziger Stadtverordneter moniert. Einzig SPD-Beirätin Zobeley hatte dies bei der Anhörung im Rahmen des B-Planverfahrens erwähnt. Der Erste Stadtrat fragte in die Runde, was von den Investitionsprojekten hätte weggelassen werden sollen, wäre die Rampe gebaut worden. »Es ist immer wieder Thema, dass wir als Magistrat die Stadtverordneten fragen, wenn sie Wünsche haben, was dafür weggelassen werden soll.« Denn das Geld, was eine Rampe gekostet hätte, hätte bei anderen Investitionen wieder eingepart werden müssen. Die Stellungnahme aus dem Bau-Fachdienst verweist auf den Waldhohlweg, der parallel zum Gelände der Kurt-Schumacher-Schule verläuft und für die Fußgänger das Baugebiet erschließt. Damit hatten sich seinerzeit die Stadtverordeten auch angesichts der vorgenommenen Änderungen zufrieden gegeben. Ortsvorsteher Gerd Hermanns gab unumwunden zu, dass eine zusätzliche Rampe kein Thema gewesen sei. »An diesen barrierefreien Zugang hat niemand gedacht.« Offizieller Weg zu weit Für die SPD ist die aktuelle Antwort aus dem Fachdienst nicht ausreichend. »Der Weg ist zu weit«, sagte auch Kuhl, womit er den Waldhohlweg meinte. Unter den Beiräten entspann sich eine Diskussion über eine Alternative. Hier kamen sie auf die Idee, zwischen den beiden Mehrfamilienhäusern der städtischen Wohnungsbaugesellschaft einen Stichweg zu schaffen, der flacher abfalle und dann auf den Waldhohlweg münden könnte. »Das ist zwar nicht optimal, aber schon ziemlich weit unten«, sagte Kuhl. Ob ein solcher Weg angesichts der Eigentumsverhältnisse überhaupt machbar ist, soll nun nach dem einstimmig verabschiedeten Antrag des Ortsbeirats in der Verwaltung geprüft werden. Kann gut sein, dass es bei den Stadtteil- politikern bald lange Gesichter gibt. Denn hinter den beiden Mehrfamilienhäusern ist quer dazu ein Reihenhausriegel geplant. Durchgang: höchstwahrscheinlich unmöglich. Laut Plan stehen dort nämlich Garagen und Carports.

Info

Das größte Baugebiet Karbens

Am östlichen Rand von Groß-Karben entsteht ein Neubaugebiet in Toplage. Es gilt als größtes Baugebiet in der Geschichte Karbens. Die Kindertagesstätten sind nicht weit, die Grundschule und weiterführende Schule sind vor der Tür. Die verkehrliche Anbindung an die überörtlichen Straßen ist durch die Nordumgehung sehr gut. Wald und Freizeiteinrichtungen sind ebenfalls nah. Viele Bewohner können bis in den Taunus blicken. Rund 400 bis 450 Menschen ziehen nach und nach in das Baugebiet Am Kalkofen. Die rege Bautätigkeit dort hat die Karbener Wohnungsbaugesellschaft eröffnet, die zwei Mehrfamilienhäuser errichtet. 51 Bauplätze für Einfamilienhäuser sind gebaut worden. Zudem errichtet das Bauunternehmen Kleespies 37 Zwei- bis Vierzimmer-Eigentumswohnungen. Firma Weisenburger verkauft 29 Reihen- und Doppelhäuser, die sie quer zu den Mehrfamilienhäusern errichtet. (pe)

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