03. Januar 2018, 11:00 Uhr

Dorferneuerung

Dorferneuerung in Groß-Karben: Millionen für ein schöneres Dorf

Stellenweise ist der Ort nicht wiederzuerkennen. Mit den Millionen-Investitionen zur Dorferneuerung hat sich Groß-Karben deutlich gewandelt. Eine Bilanz (mit Kommentar von Holger Pegelow).
03. Januar 2018, 11:00 Uhr

Sybille Brück hat Brot geholt. Ihr Bäcker ist nicht weit weg, den kann sie zu Fuß erreichen. Die Jahre vorher war das von ihrem Wohnhaus in der Bahnhofstraße 1 im Ortskern von Groß-Karben aus aber eher mühsam gewesen. Ein unebener Gehweg und hohe Bordsteine hatten der Seniorin mit dem Rollator ziemliche Probleme bereitet. Das ist seit der Dorferneuerung anders. Die Gehwege sind auf dem Niveau der Fahrbahn, Höhenunterschiede gibt es also nicht mehr. Kein Wunder also, dass ihr der Weg zur Schaan-Filiale nun leichter fällt. Zudem kommt sie am völlig neu gestalteten Eis-Rei-Platz vorbei. »Ich bin sehr zufrieden mit der Umgestaltung«, sagt die Groß-Kärber Seniorin. »Die Ortsdurchfahrt und die Plätze sind schön geworden. Ich komme jetzt besser über die Straße, die Gehwege sind für mich leichter zu laufen.« Einen kleinen Verbesserungsvorschlag hat sie indes doch: Augenzwinkernd fügt sie hinzu: »Noch schöner wäre der neu gestaltete Platz gewesen, wenn dort noch ein Tannenbaum gestanden hätte.«

Jahrzehntelang unter dem Verkehrslärm gelitten

So wie Sybille Brück geht es vielen Einwohnern. Jahrzehntelang hatten sie unter dem Verkehrslärm gelitten, die Blechlawinen des Durchgangsverkehrs hatten die Menschen zurückgedrängt und die Lebensqualität dort stark beeinträchtigt. Das ist nun anders geworden: Der Lindenplatz und der Platz am Kreuzgass-Brunnen sind neu gestaltet worden, die ehemalige Ortsdurchfahrt wurde saniert, Gehwege und Straßen neu und teils farbig gepflastert, neue Lampen aufgestellt.

Im Zuge der Dorferneuerung Groß-Karben sind auch der Lindenplatz und dieser Teil der Heldenberger Straße im Bereich des Ortskerns komplett neu gestaltet worden. 	(Fotos: pe)
Im Zuge der Dorferneuerung Groß-Karben sind auch der Lindenplatz und dieser Teil der Helde...

Die Projekte sind Teil der Dorferneuerung, in dessen Rahmen mehr als acht Millionen Euro sowohl von privater wie von öffentlicher Hand bewegt worden sind. Wegen der Neugestaltung der Ortsdurchfahrt ist fast in Vergessenheit geraten, dass es noch andere Projekte gab, die mit dem Geld von Land und Kreis umgesetzt wurden. So wurde der Vorplatz des Friedhofs neu gestaltet. Bis zum Herbst 2012 sind nach Angaben von Stadtsprecher Hans-Jürgen Schenk knapp 80 000 Euro verbaut worden, davon habe die Stadt über 30 000 Euro aus Fördermitteln erhalten.

47 private und elf öffentliche Projekte

Der Platz am Kreuzgassbrunnen (»Eis-Rei«) wurde für knapp 164 000 Euro umgestaltet, die Stadt erhielt über 82 000 Euro an Zuwendungen. Die Gesamtausgaben für den Lindenplatz an der Heldenberger Straße betrugen laut Schenk knapp 76 000 Euro, über 41 000 Euro kamen aus Fördertöpfen. Im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms ist im Dezember 2015 auch das Freizeitgelände an der TG-Turnhalle für knapp 60 000 Euro gebaut worden. Hierfür erhielt die Stadt über 32 000 Euro vom Kreis.

Die Dorferneuerung im größten Ortsteil der Stadt hat laut Wetteraukreis seit ihrem Beginn im Jahr 2008 insgesamt 47 private und elf öffentliche Projekte bewegt. Die privaten Projekte, als größtes davon die Renovierung des Degenfeldschen Schlosses, hätten ein Gesamtinvestitionsvolumen von rund 5 Millionen Euro gehabt. Weitere 3 Millionen Euro wendet die Stadt nach eigenen Angaben für die Sanierung der Ortsdurchfahrt inklusive der beiden erwähnten Plätze auf.

Alten Ortskern zurückerobern

Der Sprecher des Dorferneuerungsbeirates, Harald Ruhl, hat bereits bei der offiziellen Eröffnung der neu gestalteten Ortsdurchfahrt sich sehr positiv geäußert. Er glaubt, dass der alte Ortskern von den Menschen zurückerobert werden kann. »Denn der Durchgangsverkehr ist jetzt draußen und die baulichen Voraussetzungen sind geschaffen. Die Leute werden sich hier treffen und verweilen.«

Was bei all den Bauten gerne vergessen wird, zählt gleichfalls zur Dorferneuerung: der Aufbau einer Bürgerstiftung. Sprecher Schenk informiert, im August 2010 habe man einen entsprechenen Förderbescheid erhalten. Seit 2012 existiert die Stiftung, die in ganz Karben Innovationen und Initiativen ins Leben rufen und fördern will, »die für das Gemeinwohl und die Lebensqualität aller Bürger Karbens von Bedeutung sind«.

Kommentar

Kur für den Ort

Private und öffentliche Investitionen haben etwas ermöglicht, das sich zu Beginn dieses Jahrzehnts noch niemand vorstellen konnte. Aus dem einst durch Zehntausende Autos geschundenen Ort ist ein vorzeigbarer Stadtteil geworden. Die Kur für den Ort lässt bei denjenigen, die sich nicht durch die Verkehrslawinen haben vertreiben lassen, ein positives Gefühl aufkommen. Wenn erst einmal Frühling und Sommer da sein werden, wird es die Groß-Kärber auf ihre Plätze ziehen. Bei aller Euphorie darf aber nicht vergessen werden: Pure Idylle finden sie dort nicht. Dazu bleibt noch zu viel Binnenverkehr. Und das Grün ist auch nicht gerade üppig ausgefallen. Alles in allem ist die Dorferneuerung aber ein gelungener Kompromiss zwischen Wünschbarem und Machbarem. Von Holger Pegelow

 

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