Barrierfreier Bahnhof

Für Rollis gibt’s Alternativen

Die Problematik ist bekannt und für die Betroffenen schmerzhaft. Der Bahnhof in Groß-Karben ist nicht barrierefrei. Gerade in Richtung Frankfurt haben Rollstuhlfahrer und Mütter mit Kinderwagen keine Chance.
09. Februar 2018, 16:00 Uhr
Kämpfen künftig gemeinsam für einen barrierefreien Umbau des Groß-Karbener Bahnhofs und für mögliche Zwischenlösungen: Peter Wolf-Schwalm und Ellen Benölken. (Fotos: pe)

Schon des Öfteren war die mangelnde Barrierefreiheit des Karbener Bahnhofs ein Thema. Die Betroffenen forderten ebenso wie die Politik den Einbau eines Aufzuges oder zumindest eines Treppenlifts. In Gesprächen auch mit Vertretern der Deutschen Bahn waren die Forderungen aber stets abgelehnt worden. Denn die Bahn und der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), der die Bahn mit dem Betrieb der S 6 beauftragt hat, setzen auf den viergleisigen Ausbau der Strecke. In dessen Zuge sollen alle Bahnhöfe sowieso barrierefrei umgebaut und modernisiert werden.

 

MS-Treff will eine Zwischenlösung

 

»Das kann doch noch ewig dauern«, sagt Peter Wolf-Schwalm, Leiter des Karbener MS-Treffs. Das werde nichts vor 2030. »Nun wollen wir eine Zwischenlösung«, ruft er trotzig in die Runde von etwa 20 Mitgliedern, die zum Kaffeenachmittag ins Café an der Nidda gekommen sind. Wolf-Schwalm begrüßt auch Ellen Benölken, die Vorsitzende sowohl des VdK-Kreisverbandes als auch des Karbener Ortsvereins ist. Sie will sich der Sache jetzt verstärkt annehmen, »und auf mehreren Ebenen zur Sprache bringen«.

Zunächst will sie die über 900 Unterschriften kopieren, die ihr Wolf-Schwalm an diesem Nachmittag überreicht. Die waren schon vor längerer Zeit gesammelt und an Bürgermeister Guido Rahn übergeben worden. Die will sie dann mitnehmen, beispielsweise zum sogenannten parlamentarischen Abend, der demnächst in Wiesbaden stattfindet. Daran nehmen laut Benölken nicht nur die sozialpolitischen Sprecher der Landtagsfraktionen, sondern auch Sozialminister Stefan Grüttner teil. »Mit Landtagspräsident Kartmann habe ich darüber schon gesprochen«, weist die VdK-Vorstandsfrau den MS-Treff hin. Auch auf Kreisebene will Benölken aktiv werden. »Schließlich ist in diesem Jahr Landtagswahlkampf.« Sie treffe immer mal wieder mit Landtagsabgeordneten oder Kandidaten für den Landtag zusammen, die beim VdK-Landesverband auch dem Ausschuss Barrierefreiheit und Wohnraumberatung angehört.

 

Mit dem 76er-Bus zum Okarbener Bahnhof

 

Aber auch vor Ort wollen sie und Wolf-Schwalm noch mal vorsprechen. Im Rahmen der nachmittäglichen Kaffeerunde kam der Vorschlag auf, dass Betroffene doch die neue Buslinie 76 nutzen und mit der zum Bahnhof nach Okarben fahren könnten. »Der Okarbener Bahnhof ist barrierefrei, auch in Richtung Frankfurt.« Der 76er-Bus, der zwischen Karben-Innenstadt und Bahnhof Okarben verkehrt, müsste den Anschluss zur S 6 und anderen Buslinien in der Stadt aber herstellen. Darüber wolle man im Rathaus einmal mit dem Bürgermeister sprechen.

Eine weitere Idee ist, dass Menschen mit Handicap am Bahnhof Groß-Karben von der Kloppenheimer Seite her einsteigen könnten. Wolf-Schwalm: »Der Fahrer muss nur die Tür auf der gegenüberliegenden Seite öffnen. Das macht er auch an anderen Bahnhöfen.«

Zunächst wollen sich der Leiter des MS-Treffs und die VdK-Vorsitzende einen Termin im Karbener Rathaus geben lassen. Vielleicht, so die Hoffnung, kann die Stadt da etwas tun. »Bis sich mal am Groß-Karbener Bahnhof etwas tut, brauchen wir einen langen Atem.«

Bürgermeister Guido Rahn sagt auf WZ-Anfrage, grundsätzlich wäre es möglich, dass die Menschen mit dem 76er-Bus zum Bahnhof Okarben fahren. »Der Fahrplan müsste dann etwas angepasst werden.« Allerdings wäre das Problem, dass ein Parallelverkehr zur S-Bahn genehmigt werden müsste. Im Übrigen schätzt Rahn das lediglich als »Notlösung« ein.

Kommentar

Steter Tropfen

Steter Tropfen höhlt den Stein, heißt es im Volksmund. Das gilt im übertragenen Sinne gewiss für Dinge, die im politischen Raum durchgesetzt werden sollen. Vor allem dann, wenn sie von der Sache her schwierig erscheinen. Der barrierefreie Umbau des Groß-Karbener Bahnhofs ist so eine Sache. Bahn und RMV sehen technische und finanzielle Probleme. Noch viele Jahre bis zum Ausbau der Main-Weser-Bahn und dem Umbau der Bahnhöfe wollen MS-Kranke und andere nicht warten. Sie streben realistischerweise eine Zwischenlösung an. Ein wichtiger Schritt hierbei ist die Einschaltung des VdK. Dessen Vorsitzende Ellen Benölken hat viele politische Kontakte auf allen Ebenen. Zudem gilt sie als hartnäckig. Solch eine Kämpferin dürfte dem Anliegen guttun. Es sei ihr Erfolg zu wünschen.

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