Jugend surft

Soziologe: Eltern sollten ihre Handynutzung einschränken

Welche Gefahren verbergen sich im virtuellen Dschungel der Medienwelt? Was können Eltern tun, um ihre Kinder zu schützen? Fragen, die der Karbener Soziologe Dr. Jörg Astheimer beantwortet.
03. Januar 2018, 19:00 Uhr
Eine Stunde am Tag am Handy muss bei Teenagern genügen, sagt Medienwissenschaftler Dr. Jörg Astheimer. Die Realität sieht meist anders aus. (Foto: dpa)

Der 44-jährige Medienwissenschaftler aus Groß-Karben weiß um die Aktualität. Passende Antworten zu finden, hat sich Dr. Jörg Astheimer zur Aufgabe gemacht. 70 bis 80 Workshops zur Stress- und Suchtprävention veranstaltet er pro Jahr. Durch seine Arbeit in 3. und 4. Klassen kommt er an viele Grundschulen, lernt unterschiedliche Kinder kennen – und macht doch immer wieder die gleichen Erfahrungen: Ablenkung vom Lernen, schlechte Schulleistung, Gewaltvideos, ungeeignete Spiele, Pranking, Mobbing.

Gerüchte und Bilder, die auf diesen Plattformen an die Wäscheleine gehängt werden, können andere fertigmachen

Dr. Jörg Astheimer
Jörg Astheimer
Jörg Astheimer

Gut die Hälfte aller Zehnjährigen habe bereits Erfahrungen mit Mobbing gemacht, sagt Astheimer. Es werden falsche Gerüchte verbreitet, Videos mit diskriminierenden Inhalt hochgeladen – die Möglichkeiten, andere schlecht zu machen, seien in den sozialen Netzwerken vielfältig. WhatsApp, Youtube, Snapchat oder Instagram – »Gerüchte und Bilder, die auf diesen Plattformen an die Wäscheleine gehängt werden, können andere fertigmachen«, führt Astheimer aus. Darüber spreche er mit den Kindern in den Workshops. »Das Schöne ist, dass die Kinder offen und ehrlich mit dem Thema umgehen. Viele erkennen das Smartphone sogar als Risikofaktor.« Er versuche, eine Verzahnung zwischen Workshop und Elternarbeit herzustellen. Konfliktsituationen und mögliche Lösungswege würden mit allen Beteiligten besprochen.

Eltern müssen Vorbilder sein

»Internetsicherheit liegt natürlich in der Verantwortung der Eltern, muss aber auch von den Schulen aufgegriffen werden. Dort ist sie noch nicht genügend verankert«. Astheimers Worte beschreiben eine Situation, die nur von den Erwachsenen eingedämmt werden kann. Eltern können auch bei diesem Thema als Vorbild vorangehen. »Sie sollten sich selbst einschränken und ihren Kindern damit signalisieren, dass ein Handy nicht das Wichtigste auf der Welt ist«, rät er. »Im Alter von 11 bis 18 Jahren beträgt die tägliche Handyzeit immerhin 3,5 Stunden. Das ist zu lang. Eine Stunde reicht aus.« Er nennt zwei Apps, mit denen ein Zeitfenster erstellt werden könne: »Quality Time« messe die im Internet verbrachte Zeit, »Kids Place« füge eine einstellbare Schlossfunktion hinzu.

Totale Überwachung ist der falsche Weg

Die totale Überwachung sei allerdings auch der falsche Weg. Es gehe darum, eine Vertrauensbasis zu schaffen, miteinander zu reden und dennoch die Fakten auf den Tisch zu legen. »Bis zur 5. Klasse sollten die Eltern auf jeden Fall noch genauer nachschauen, was ihre Kinder machen«, rät der Medienwissenschaftler. Die Möglichkeit durch sogenannte In-App-Käufe Geld auszugeben, müsse unter Kontrolle sein. »Es ist erschreckend, wie viele Kinder im App-Store unterwegs sind.«

Eine weitere Gefahr sieht er in dem Einfluss, den Youtuber auf ihre jugendlichen Follower ausüben. »Sie sind die Superstars im Netz. Vieles von dem, was sie äußern, wird als bare Münze genommen. Wichtig ist aber, dass die Kinder zwischen falsch und richtig unterscheiden lernen. Auf die eigene Meinung kommt es an.«

 

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