15. März 2019, 18:51 Uhr

»Was muss denn noch passieren?«

Ein Unfall pro Monat auf der Bundesstraße 45, der Umgehungsstraße von Nidderau. Und unlängst gab es sogar einen Zusammenstoß mit tödlichem Ausgang. Die Stadt schlägt Alarm.
15. März 2019, 18:51 Uhr
Der gefährliche Abzweig auf der B45 in Richtung Karben zur K246.

F ür Nidderaus Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) und die Parlamentarier in den städtischen Gremien ist das Thema der unfallträchtigen Kreuzung auf der Bundesstraße 45 an der Abfahrt nach Karben von großer Brisanz. »Wir haben schon Ampeln oder zumindest eine Geschwindigkeitsbegrenzung an dieser Kreuzung nach Karben gefordert. Doch vergebens. Alles wurde bisher mit der Begründung abgelehnt, es handele sich um keinen Unfallschwerpunkt«, berichtet Rathauschef Schultheiß ärgerlich.

Was müsse denn noch Schlimmeres passieren, als Unfälle mit tödlichem Ausgang? Zwar wurde mittlerweile im Bereich der Abzweigung nach Karben die Geschwindigkeit auf 70 Stundenkilometer reduziert, und gelegentlich wird die Einhaltung dieser Begrenzung auch mit mobilen Radarmessgeräten überprüft.

Unklare Verkehrsregelung

Doch dadurch sind die Unfälle nicht weniger geworden. »In den vergangenen sechs Wochen mussten wir bereits dreimal zu Unfällen an dieser Stelle ausrücken«, wird der Wehrführer der Heldenberger Feuerwehr, Torsten Seifried, in einer Zeitung zitiert. Er kann sich die Unfallhäufigkeit an diesem Abzweig nur damit erklären, dass dieser in einer langgezogenen Rechtskurve liegt und so mancher Autofahrer nicht weiß, ob das entgegenkommende Fahrzeug nach Karben abbiegt und damit warten muss, oder ob es geradeaus weiter in Richtung Hanau fährt und damit Vorfahrt hat. Deshalb fordert auch er eine eindeutigere Verkehrsregelung in diesem Bereich.

Anders hingegen sah dies bisher das hessische Verkehrsministerium. Weil die Straßensituation nach seiner Ansicht im Bereich der Abzweigung nach Karben recht übersichtlich ist, sahen die Verantwortlichen in der Behörde bisher keinen Grund zum Handeln. Das ergab eine Kleine Anfrage des SPD-Abgeordneten Christoph Degen im Landtag im vergangenen Jahr. Ausschlaggebend für die Landesverkehrsbehörde Hessen Mobil und für das Ministerium von Tarek Al-Wazir (Grüne) sei die offizielle Unfallstatistik. Und die gab bisher keinen ausreichenden Anlass, auf der etwa sieben Kilometer langen Strecke mit den eher knapp bemessenen Auf- und Abfahrten statt der zulässigen 100 Stundenkilometer durchgehend Tempo 80 oder gar 70 zu verordnen.

Experte prüft die Lage

Damit eine Straße überhaupt als Unfallschwerpunkt eingestuft werden kann, sind mindestens fünf Unfälle »eines Unfalltyps« innerhalb eines Jahres oder mindestens drei Unfälle mit schwerem Personenschaden binnen drei Jahren nötig, wird in der Anfrage auf die gesetzlichen Voraussetzungen hingewiesen. Weiter müssen nach diesem Gesetz die Unfälle auf einer Strecke von lediglich 300 Metern erfolgt sein. »Sicherheit und Gesundheit der Bürger sollten eigentlich Vorrang haben«, sagte Bürgermeister Schultheiß vor Kurzem.

Waren es nun die eindringlichen Worte aus dem Nidderauer Rathaus oder die erschreckenden Unfallzahlen in den vergangenen Monaten? Mittlerweile scheint jedenfalls Bewegung in die Sache zu kommen. Bisher war man in den zuständigen Ämtern und Behörden – das ist zum einen die Straßenverkehrsbehörde des Main-Kinzig-Kreises, zum anderen die Polizei und das Straßenbauamt Hessen Mobil – der Ansicht, dass die Unfälle an dieser Kreuzung durch die Unaufmerksamkeit der Autofahrer oder durch das falsche Einschätzen der Geschwindigkeit des Gegenverkehrs zustande gekommen waren. Dies wurde immer wieder als Grund für das Abwarten genannt. So scheint nun der Zeitpunkt zum Handeln gekommen zu sein. Denn Bürgermeister Schultheiß hat kürzlich die Mitteilung erhalten, dass die Unfallkommission, bestehend aus Vertretern von Hessen Mobil, der Straßenverkehrsbehörde des Kreises und der Polizei, offensichtlich ihre Meinung zur Abfahrt der B45 zur Kreisstraße 246 in Richtung Karben geändert habe. Mittlerweile sei sogar ein Verkehrssachverständiger der Universität Darmstadt eingeschaltet worden. Der soll die Lage analysieren und der Kommission einen Lösungsvorschlag unterbreiten, wie aus der Kreisverwaltung zu erfahren ist.

Eine Entscheidung wird wahrscheinlich schon in der nächsten Sitzung der Unfallkommission Mitte April erwartet. »Die Zeit drängt. Ich will nicht noch einen Toten oder Schwerverletzten an dieser Stelle haben«, drückt Nidderaus Bürgermeister Schultheiß aufs Tempo.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Alarme
  • Autofahrer
  • Bürgermeister und Oberbürgermeister
  • Hessen Mobil
  • Polizei
  • SPD
  • SPD-Abgeordnete
  • Straßenbauämter
  • Tarek Al-Wazir
  • Umgehungsstraßen
  • Unfallhäufigkeit
  • Unfallkommissionen
  • Unfallschwerpunkte
  • Unfallstatistiken
  • Nidderau
  • Jürgen W. Niehoff
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 4 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.