08. Februar 2019, 19:32 Uhr

Als die Wetterau Tiefsee war

08. Februar 2019, 19:32 Uhr
Blick in die Erdgeschichte: Wolfgang Wilhelm mit einem großen Kopffüßer. (Fotos: prw)

Das Fossmineum in Selters ist vielleicht das jüngste Museum in der Wetterau. Definitiv ist es aber das Museum mit den ältesten Exponaten, die weit in die Erdgeschichte zurückreichen. Entstanden ist das Fossmineum aus einer Sammlung, die Gerda und Wolfgang Wilhelm in den vergangenen 40 Jahren zusammengetragen haben.

Die beiden sind begeisterte Mineralien- und Fossiliensammler und haben ihre Sammlung so weit ausgebaut, dass sie den Ansprüchen eines Museums genügen. Beheimatet ist es in der Hauptstraße 39. Dort haben sie in drei ausgebauten Kellerräumen die Sammlung fachmännisch ausgestellt.

Wer die schmale Kellertreppe hinabgeht, kommt in eine Welt, in der die Wetterau keine Kornkammer war, sondern abwechselnd Wüste, Tiefsee und tropisches Paradies. Zeugen dieser besonderen klimatischen Bedingungen finden sich in Steinen, Mineralien und Fossilien aus allen möglichen Erdzeitaltern. Gleich zu Beginn sieht man den typischen Säulenbasalt aus dem Vogelsberg, dazu den Buntsandstein, der nicht nur das Stadtbild von Büdingen prägt, dazu Zechstein aus einer Zeit von vor 270 Millionen Jahren und auch Abtragungen von Taunus und Odenwald in einer Zeit, als die noch Hochgebirge waren und die Wetterau eine sandige Wüste.

Aus 40 Kilometern Tiefe

Von Zeit zu Zeit ereigneten sich sintflutartige Regenfälle, die schmale Rinnsale zu reißenden Strömen verwandelten. Das Gestein der ersten beiden Räume stammt im Wesentlichen aus Steinbrüchen in der Region. Besonders schöne Stücke hat Wolfgang Wilhelm ausgestellt. Wie etwa den Olivin, der am Basalt haftet und vor 13 bis 18 Millionen Jahren mit einer heftigen Eruption aus 40 Kilometern Tiefe von einem Vogelsbergschlot nach oben geschleudert wurde.

Ein echter Blickfang sind die Sandbilder oder Sandvasen, die einen schönen Blick über die Schichtung der Wetterauer Böden darstellen. Aus einem Bleichenbacher Steinbruch stammen imposante Buntsandsteinblöcke, die für den Bau des Viadukts am Friedberger Bahnhof genutzt wurden. Sie wurden einst mit Ochsenkarren von Bleichenbach nach Friedberg geschafft. Die Fuhren waren offensichtlich gut bezahlt, denn sie wurden unter den Bauern ausgelost.

Weiter geht es in der Ausstellung nach Rosbach, wo Wilhelm wundersam gefärbtes Gestein in Sandgruben geborgen hat. Hier hat das überall präsente Mineralwasser die Sande in vielen Rot- und Blautönen verfärbt.

Um diese Steine zu finden, braucht es Erfahrung. »Man braucht Zeit, um den Stein richtig lesen zu können«, warnt Wolfgang Wilhelm all jene, die glauben, sich mal eben mit Hammer und Meißel in den nächsten Steinbruch begeben zu können und gleich fündig zu werden. Oftmals komme man auch ohne Fund nach Hause.

Der dritte Ausstellungsraum ist Mineralien und Fossilien gewidmet. Die ältesten Exponate sind 380 Millionen Jahre alt. Damals war die Eifel ein Meer, in der Schwämme, Korallen, Glieder- und Armfüßler zu Hause waren. Das Aussehen der Fossilien hat oft etwas mit der Auffindesituation zu tun. So weiß Wilhelm von Orten in der Eifel, an denen beim Pflügen der ehemalige Meeresboden freilegt wird, die Fossilien, überwiegend Brachiopoden, Korallen und Schwämme sowie auch Trilobiten, die hier zu finden sind, sind eher hell. Solche aber, die man in Steinbrüchen findet, sind eher dunkel gefärbt.

Wolfgang Wilhelm war für sein Hobby viel unterwegs. Einmal im Monat ein verlängertes Wochenende, das war früher die Regel. So kam er beispielsweise auch nach Frankreich, wo entlang der Neubau-Eisenbahnstrecke Paris–Metz versteinerte Seeigel gefunden wurden. Zu seinen besonderen Attraktionen zählt er versteinerte Blätter im Vogelsbergbasalt. »Das ist eine Besonderheit, die man so eigentlich nicht erwartet, weil das flüssige Magma normalerweise sämtliche organische Stoffe sofort verbrennt. Hier war die Situation aber so, dass auf längst erkaltetem Magma sich eine Tonschicht bildete, auf der Pflanzen wuchsen. Manche dieser Pflanzen starben dann ab und lagerten sich im Ton ein. Ein weiterer Vulkanausbruch sorgte dann für einen pyroplastischen Sturm, der ein ganzes Waldstück unter einer Ascheschicht begrub«, erläutert Wilhelm.

Das Museum ist jeden ersten und dritten Sonntag im Monat von 15 bis 18 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung (Tel. 0 60 46/75 83) geöffnet. Der Eintritt ist frei! Zu einem Museumsbesuch mit Führung lädt Landrat Jan Weckler für Sonntag, 17 Februar, um 15 Uhr ein.

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