25. März 2019, 18:27 Uhr

Bitterböser Humor aus Franken

25. März 2019, 18:27 Uhr
Michl Müller mag Homöopathie und Vegetarier überhaupt nicht. (Foto: hkr)

Er heißt nicht Shakespeare, Goethe oder Schiller sondern Müller, und das neue Programm macht auch keinen Hehl daraus. Wenn Michl Müller scharfzüngig über Liebe, Glück und Unsterblichkeit sinniert, holt er zum Rundumschlag aus, und die Politik und Gesellschaft steht im Fokus. Der fränkische Kabarettist liefert im Dolce-Theater einen dreisstündigen Marathon in eigener Sache ab und freut sich, dass die Bad Nauheimer immer gut drauf sind.

In einer Welt, in der Menschen mit blonder Perücke die USA an die Wand fahren dürfen und eine »WC-Ente« den Vorsitz der CDU innehat, kann Müller nicht schweigen. Im besten Dialekt, mit viel Selbstironie und bitterbösem Humor schwadroniert und schimpft sich Müller durch sein Programm »Michl … nicht Shakespeare«.

Er teilt gerne aus

Die SPD habe inzwischen weniger Prozent als Eierlikör, und mit dem »menschgewordenen Nebelhorn« Andrea Nahles ist kein Auftrieb in Sicht während das »alte Erfrischungsstäbchen« May ziellos die EU zermürbt. Ein »Dreggsagg« teilt nun mal gerne aus, herzhaft und treffsicher.

Müller kann nicht schweigen, und wenn er schon dabei ist, darf auch mal gelästert werden. Das macht sich auf der Bühne gut, das Trommelfeuer aus Witzen, Sprüchen und Humor kommt an. Er begrüßt es, wenn die Rentner mit ihren E-Bikes heute besser vorankommen als mit ihrem alten Diesel, aber wenn Männerhygiene Intimrasur und Holzfällerbart zugleich bedeutet, könnte er ausflippen. Es gibt Sachen, die gehen gar nicht, ein Franke ist kein »unehrlicher Typ«: eine »frische Ünnerhos’« muss sein, dem allgemeinen Hygiene-Wahn gibt ein Franke nicht nach.

Was da so fränkisch »rausbollert« ist nicht Shakespeare und nicht hohe Literatur, aber nah dran. Mit einem sprechenden Totenkopf auf der Bühne, alias William der Sachse, sucht Müller dann den Schlagabtausch. Gemeinsam entzaubern sie den angestaubten Meister-Dichter und geben »Romeo und Julia« und Co. ein frisches Design. Der Comedian erlaubt sich die Freiheit, Lieder von Ed Sheeran für sein Programm zu adaptieren und die Schlagerwelt einer Helene Fischer auf Comedy zu trimmen.

Mit Blick auf das emotionale Debakel von Verona resümiert dann Müller auch: »so fühlt sich sterben an!« Ehe als Gewohnheit lässt der »Dreggsagg« aber auch nicht zu.

In einer »komplett verrückten Welt«, in der Trump, Putin, Kim und Erdogan das Sagen haben, bleibt für Müller die Erotik auf der Strecke, so sieht das der Fassnachter. Das pralle Leben beschränkt sich auf einen kleinen Hinterhof in Verona und einen abrissfähigen Balkon, vor dem Touristen sich drängeln und den Schmachtenden lauschen. Hier bläst Müller zum Angriff auf Apple-Stores als solche und E-Zigaretten im Allgemeinen. Er lehnt Homöopathie wie Vegetarier grundsätzlich ab, und dem Selfie kann er genauso wenig abgewinnen wie einem Globuli. Da bleibt Müller lieber Ed Sheeran und sich selbst treu, da ist die Welt eben noch in Ordnung. Sein »spitzbübischer Charme« kommt an im fast ausverkauften Dolce-Theater, einem Aufreger mit Witz folgt bissige Komik. Tempo und Temperament.

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