Ebbelwoi-Richtlinie als Mordmotiv

22. Dezember 2017, 20:32 Uhr
Gerd Fischer

Die Szene ist so drastisch, dass Krimiautor Gerd Fischer seine Zuhörer im Höchster »Goldenen Löwen« sofort damit gefangen nimmt: Früh morgens wird Kommissar Andreas Rauscher wegen eines Mordfalls auf den Frankfurter Börsenplatz beordert. Der oder die Täter haben sich ein europaweit bekanntes Opfer ausgesucht und es übel zugerichtet. Auf der berühmten Bronze-Statue des Bären sitzend, wurde der tote EU-Politiker Dr. Hans-Georg Schumann an ein Holzkreuz fixiert. Wenig später stellt sich heraus, dass man Schumann zuvor stranguliert hat und ihm zudem ein rätselhafter Einstich in den Halsgegend beigebracht wurde. Beobachtet hat niemand etwas – es herrscht an diesem Morgen dichter Nebel über Frankfurt. Dagegen scheint sich das geheimnisvolle Gewaber um die grausame Tat rasch zu lichten: Schumann war in Sachen EU-Verordnungen als Hardliner bekannt, und aktuell wollte er den Frankfurtern ihr liebstes Stöffchen versauern. Der Ebbelwoi, Frankfurts Nationalgetränk, sollte als gesundheitsgefährdend gebrandmarkt und zukünftig ohne das Prädikat »Wein« sowie nur noch in durchsichtigen Bembeln ausgeschenkt werden. Der EU-Politiker war unterwegs zum Römer, um diese Vorlage durchzudrücken – kam aber niemals dort an. Ein Verdächtiger, fanatischer Ebbelwoi-Liebhaber und letzter Taxifahrer des späteren Mordopfers, wird zeitnah gefunden. Nur Kommissar Rauscher bleiben Zweifel, ob man den Richtigen dingfest gemacht hat.

»Gibt es eine solche Gesetzesvorlage etwa wirklich?«, platzen die Zuhörer nach der Lesung des in Altenstadt-Höchst aufgewachsenen Autors förmlich heraus, kaum hatte dieser seinen letzten Cliffhanger platziert. »Nein, natürlich nicht«, beruhigt der sympathische, jungenhaft wirkende 47-jährige Germanist seine Fans, die wie immer zahlreich zur Auftaktlesung seines neuen Rauscher-Krimis »Ebbelwoijunkie« erschienen sind. Diese findet traditionell in seinem Heimatdorf und im »Goldenen Löwen« statt – und so ist man untereinander per Du, stellt dem Autor Fragen, die profunde Kenntnis der Rauscher-Reihe verraten. »Kann es sein, dass dein Kommissar inzwischen noch emotionaler und widerborstiger geworden ist?« Durchaus, gibt Gerd Fischer zu. »Wird Rauscher das alles denn auf die Reihe bekommen: seine neue Liebe, seine Ex, seinen geliebter Sohn Mäxchen, den er kaum sieht – und dann den ständige Streit mit seinem Chef Marowsky?«

Fischer, zurzeit in Bockenheim lebend, wiegelt angesichts dieser Publikumsfrage ab. Manchmal überlege er tatsächlich, ob er die Serie nicht mit Band zehn eskalieren lassen und dann beschließen solle. Unterdrücktes Entsetzen im Saal des »Goldenen Löwen«. Fischer beruhigt seine Fans: »Keine Panik, diesbezüglich steht noch gar nichts fest.«

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