Neue Libellenart

Eine Libelle namens Roland

Eigentlich wollte Hanns-Jürgen Roland in Kambodscha exotische Vogelarten beobachten. Fast beiläufig entdeckte er eine neue Libellenart. Die Coeliccia rolandorum.
22. November 2017, 20:08 Uhr
Die Libelle Coeliccia rolandorum ist so winzig, dass sie bequem auf der Fingerkuppe eines Menschen Platz findet. (Foto: pv)

Es ist das Jahr 2010. Im November. Hanns-Jürgen Roland reist zusammen mit seiner Tochter Nanette Roland und deren Lebensgefährten Dr. Thomas Sacher nach Kambodscha. Die drei wollen dort exotische Vogelarten in ihren natürlichen Lebensräumen beobachten.

Und tatsächlich bekommt das Trio in Südostasien allerlei spektakuläre Tiere vor die Linse, wie zum Beispiel den Sarus Kranich, den Grüne Pfau oder Seltenheiten wie den Riesen-Ibis. Von Letzterem gibt es heutzutage nur noch etwa 100 Paare auf der ganzen Welt.

Ein unentdecktes Juwel

Die drei Reichelsheimer fotografieren neben den Vögeln auch zahlreiche verschiedene Libellen und legen eine genaue Fotodokumentation von ihnen an. Die fotografierten Tiere lassen sie vorschriftsgemäß wieder frei. Was sie zu dem Zeitpunkt noch nicht wissen: Die Gruppe hat eine bis dato unbeschriebene Art entdeckt.

Gefunden wurde das Juwel aus dem Libellenreich am Dak Dam Wasserfall im Osten Kambodschas (Mondulkiri Province) nahe der vietnamesischen Grenze. Damals hatte der passionierte Hobby-Libellenforscher Hanns-Jürgen Roland schon eine Ahnung, war sich seines Fundes aber noch nicht sicher. Zwar hatte er ähnliche Kleinlibellen mit fragilen langen Hinterleib schon gesehen. Diese waren aber ganz anders gefärbt, und die Anhänge am Hinterleib sahen unterschiedlich aus.

Eine Ahnung, die sich bestätigt

Fest stand: Eine Kleinlibellenart mit so langem Hinterleib gibt es in Europa nicht, wohl aber in Afrika und Asien. Roland war sich sicher, dass diese Art in keinem Buch abgebildet war. Männchen und Weibchen unterschieden sich in der Färbung. Ganz offensichtlich war es eine Art, die Fließgewässer bevorzugt, denn sie wurde an einem rasch fließenden Bach unterhalb eines Wasserfalls gefunden.

Zurück in Deutschland ging es mithilfe von Literatur an die Bestimmung. Unterstützung erhielt das Trio vom russischen Odonatologen Oleg Kosterin, der die Libellenwelt Kambodschas schon seit einigen Jahren erforscht. Schnell stellte sich das heraus, was Roland vermutet hatte: Die entdeckte Art war noch komplett unbeschrieben und somit sehr wahrscheinlich bis dahin der Forscherwelt verborgen geblieben.

Und dann heißt es erstmal warten

Doch nur auf Basis von Fotos kann eine neue Art nicht beschrieben werden. Geduld war angesagt. Es vergingen ein paar Jahre, bis Oleg Kosterin selbst an den beschriebenen Ort kam und ein paar Individuen sammelte. Der Holländer Tom Kompier war zur gleichen Zeit auf der anderen Seite der Grenze in Vietnam unterwegs und sammelte ebenfalls ein paar Individuen. Die beiden Wissenschaftler beschrieben die neue Art und benannten sie nach der Wetterauer Familie, die sie zuerst fotografiert hatte: Coeliccia rolandorum.

Der Artikel zur von Roland entdeckten Art ist kürzlich in der Zeitschrift Zootaxa 4341 (4) 509 – 527 veröffentlicht worden.

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