09. Februar 2018, 08:00 Uhr

Kaiserstraße

Friedberg sagt Werbe-Wildwuchs den Kampf an

Hindernislauf um Werbeschilder herum? Das war früher. Auf der Friedberger Kaiserstraße gilt seit einem Jahr eine Gestaltungssatzung. Vieles hat sich gebessert. Aber nicht alles.
09. Februar 2018, 08:00 Uhr

Es ist viel besser geworden. Das sagen alle. Die Ordnungspolizisten, die Kunden und die Geschäftsleute. »Früher sah es wilder auf der Kaiserstraße aus«, meint ein Friedberger. Die Gestaltungssatzung mag der Grund dafür sein. Diese schreibt Hauseigentümern und Mietern vor, wie sie ihre Schaufenster gestalten sollen und wie Werbeschilder anzubringen sind. Aber nicht jeder hält sich an die Vorschriften.

Neun Jahre vom ersten Antrag bis zum Beschluss hat es gedauert, bis die Stadtverwaltung vor einem Jahr eine neue Gestaltungssatzung vorlegte. Die UWG gab den Anstoß, hakte immer wieder beim damaligen Ersten Stadtrat Peter Ziebarth (CDU) nach. Die alte Satzung stammte von 1979. Die Politik drang auf ein einheitlicheres Erscheinungsbild der Kaiserstraße, wollte den »historischen Straßenmarkt« wieder betonen.

 

Es gilt der Bestandsschutz

Jetzt ist die vom Stadtparlament beschlossene Gestaltungssatzung seit einem Jahr rechtswirksam. Laut Rathaus scheint sie aber »noch nicht ins Bewusstsein von Architekten, Hauseigentümern und Mietern gelangt zu sein.« Die Stadtverwaltung will dem entgegenwirken und erinnert alle Hausbesitzer daran, dass die Kaiserstraße als zentrale Einkaufsmeile mit überregionaler Bedeutung »das Bild Friedbergs über die Stadtgrenzen hinaus entscheidend prägt.« Bei der Gestaltung der Fassaden sei daher darauf zu achten, dass dies »nicht nur eine das einzelne Baugrundstück berührende Aufgabe« sei, sondern Auswirkungen auf das Straßen- und Ortsbild habe.

Die Satzung regelt die Gestaltung und Zulässigkeit von Werbeanlagen, Schaufenstern, Laden- und Hauseingängen, Vordächern, Markisen, Satelliten- und Klimaanlagen an vom öffentlichen Verkehrsraum aus sichtbaren Bereichen der Gebäude (siehe Kasten). So ist beispielsweise eine Durchsichtigkeit von Schaufenstern vorgeschrieben. Wer das Nachbarhaus der DM-Drogerie (Kaiserstraße 64) betrachtet, dürfte sich verwundert die Augen reiben: Zwei große Schaufenster sind dort mit pastellfarbenen Plastikfolien abgeklebt. Ein Verstoß gegen die Satzung ist das trotzdem nicht. »Bereits genehmigte Anlagen genießen Bestandsschutz; Änderungen und Neuanlagen – z. B. bei Mieterwechsel – bedürfen hingegen einer Genehmigung«, teilt die Stadt mit.

Der UWG-Vorsitzende Friedrich-Wilhelm Durchdewald freut sich, dass die Initiative seiner Wählergemeinschaft endlich Früchte trägt. »Jetzt gibt es wenigstens Regeln. Aber werden die auch eingehalten?« Nicht immer, sagt Durchdewald, aber immer öfter. »Vor der Satzung hatten wir sehr viel Wildwuchs bei der Werbung. Das ist nicht gut für das Erscheinungsbild der Stadt.«

 

An die Regeln halten

Durchdewald erinnert an gelungene Sanierungen von Häusern, bei denen die Eigentümer in enger Abstimmung mit Stadt und Denkmalpflege standen. »Wenn man sich an die Regeln hält, kommt auch etwas vernünftiges dabei heraus.«

Nur müssten die Hauseigentümer auch wissen, »wohin die Reise geht«, sprich: Wie geht es mit der Sanierung der Kaiserstraße weiter? Durchdewald: »Erst wenn das feststeht, wird es auch weitere Investitionen seitens der Eigentümer geben.«

Infobox

Gestaltungssatzung

Werbetafeln dürfen nur bis zur Fensterunterkante des 1. Obergeschosses angebracht werden; pro Geschäft sind nur zwei Werbeausleger (Dreieckständer) erlaubt, die nicht mehr als einen Meter über die Gebäudefront herausragen dürfen; Plakate und Klebefolien dürfen nicht mehr als 20 Prozent der Schaufensterfläche verdecken. Diese und weitere Regeln sind in der Gestaltungssatzung festgeschrieben. Sie gilt für die komplette Altstadt von der Burg bis zur Ockstädter Straße; die genaue Abmessung des Bereichs wird auf einer Karte abgebildet, die mit der Satzung im Internet abrufbar ist (www.friedberg-hessen.de, dort die Menüpunkte »Rathaus und Politik« sowie »Ortsrecht« aufrufen, unter dem Kapitel »Amt für Stadtentwicklung, Liegenschaften und Rechtswesen« findet sich die »Satzung über die Gestaltung von baulichen Anlagen in der Altstadt Friedberg«. (jw)

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