21. März 2019, 12:00 Uhr

Lioba-Schule

Hiobsbotschaft für Lioba-Schule: Sanierung gestoppt - Das sind die Gründe

Erweiterung und Sanierung der St.-Lioba-Schule Bad Nauheim sollte das größte Bauprojekt des Bistums Mainz werden. Sollte. Nun wird zunächst nichts daraus.
21. März 2019, 12:00 Uhr
Der Neubau der St.-Lioba-Schule soll Ende des Jahres fertig sein. Die anderen vier geplanten Bauabschnitte werden vom Bistum auf Eis gelegt. (Fotos: Nici Merz)

Ein glücklicher Mensch sieht anders aus. Als Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz, Generalvikar des Bistums Mainz, der WZ die Änderung der Investitionspläne für das katholische Gymnasium in Bad Nauheim erläutert, sitzt Schulleiter Bernhard Marohn mit finsterer Miene am Tisch. Der Direktor, Eltern- und Schülervertreter waren kurz zuvor informiert worden. »Der Neubau wird in diesem Jahr fertiggestellt, für die weiteren vier Bauabschnitte gibt es eine Zäsur«, betont der Weihbischof. Heißt konkret: Statt der ursprünglich vorgesehenen 28 Millionen Euro werden zunächst nur 4,5 Millionen für die Lioba-Schule bereitgestellt.

»Die Enttäuschung war zu spüren. Dass der Spardruck so hoch ist, hätte keiner erwartet«, beschreibt Marohn die Reaktion der Schulgemeinde auf die Hiobsbotschaft aus Mainz. Glück im Unglück: Das neue Schulhaus ist nicht mehr zu stoppen, der Rohbau ist so gut wie fertig. Somit hat das Gymnasium zumindest genügend Räume für die Rückkehr zu G 9 (neun statt acht Jahrgangsstufen) zur Verfügung.

 

Lioba-Schule Bad Nauheim: Brandschutz wird verbessert

Als problematisch bewertet der Schulleiter allerdings die Verzögerung von Sanierung und Modernisierung. Ursprünglich sollte der Neubau zunächst als Ausweichquartier für jene Klassen dienen, deren Räume gerade instand gesetzt werden. Wird das ganze Projekt deutlich nach hinten verschoben, werden durch G 9 so viele zusätzliche Schüler da sein, dass es keine Ausweichmöglichkeit mehr gibt.

Allerdings muss in Mainz erst mal entschieden werden, ob sich in Bad Nauheim außer dem Neubau überhaupt noch etwas tut. Laut Generalvikar Bentz werden alle sicherheitsrelevanten Arbeiten in Auftrag gegeben etwa für den Brandschutz. Ansonsten ist die gesamte Planung in Frage gestellt, wird bis Ende 2019 überprüft. Ob und in welchem Umfang saniert werden kann, will der Weihbischof derzeit nicht sagen.

 

Zinsflaute, weniger Steuereinnahmen

Ausführlich nimmt Bentz zur Finanzkrise des Bistums Stellung. Seit Dezember 2017 – damals wurde das Mammutprojekt für die Lioba-Schule beschlossen – hätten sich die Rahmenbedingungen weiter verschlechtert. Der Weihbischof, der auch Ökonom des Bistums ist, nennt die Zinsflaute am Kapitalmarkt, wachsende Belastungen durch Pensionsrückstellungen und steigende Baupreise. Der Referent für Bistumsbauten, Diplom-Ingenieur Roman Prokscha, spricht von einer »überhitzten Baukonjunktur«. Für das Gesamtprojekt würden die 28 Millionen Euro gar nicht mehr ausreichen, 4 bis 5 Millionen müssten draufgepackt werden.

Für St.-Lioba-Schulleiter Bernhard Marohn gibt es unerfreuliche Nachrichten aus Mainz.
Für St.-Lioba-Schulleiter Bernhard Marohn gibt es unerfreuliche Nachrichten aus Mainz.

Eine solche Summe kann das Bistum nicht bereitstellen. Im letzten Jahr betrug das Defizit 26,6 Millionen Euro, für 2019 wird ein Minus von 22,9 Millionen prognostiziert. Früher reichten Zinserträge aus, um die Pensionen an ehemalige Mitarbeiter zahlen zu können. Angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase macht das Bistum mit seinen Wertpapieren heute ein leichtes Minus, während früher Einnahmen von 40 Millionen Euro pro Jahr verzeichnet wurden. Weitere Probleme: Das Bistum muss immer höhere Rücklagen für künftige Pensionsverpflichtungen bilden, und die Kirchensteuer als wichtigste Einnahmequelle sprudelt immer schwächer.

 

Höhere staatliche Zuschüsse?

Im Dezember 2018 hatten die Gremien des Bistums die Reißleine gezogen. »Einige Projekte werden ausgesetzt, andere gestrichen«, beschreibt Bentz die Konsequenzen. Laut Architekt Prokscha soll die Prüfung, was in der Lioba-Schule über den Neubau hinaus möglich ist, Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. Auf jeden Fall werde eine Verzögerung eintreten. Bislang war der Abschluss aller Arbeiten für 2022/23 vorgesehen. Bezüglich der Finanzierung möchte das Bistum versuchen, den Staat stärker in die Pflicht zu nehmen. Prokscha zufolge liegen die staatlichen Zuschüsse bei unter fünf Prozent.

Das katholische Gymnasium mit seinem hohen Renommee in der ganzen Wetterau bleibe ein wichtiger Baustein der Kirche, versichert der Weihbischof. »Die Enttäuschung der Schulgemeinde kann ich verstehen. Auch für mich ist es keine große Freude, eine solche Entscheidung zu verkünden.«

 

Meinung

Nackenschlag

Von Bernd Klühs

Die Nachricht aus Mainz, die Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz überbracht hat, ist ein Nackenschlag für die St.-Lioba-Schulgemeinde. Die dringend notwendige Sanierung und Modernisierung des katholischen Gymnasiums ist komplett in Frage gestellt. Lediglich die räumlichen Voraussetzungen für die Rückkehr zu G 9 sind gesichert. Viele Eltern, die regelmäßig spenden, werden ihr Engagement möglicherweise in Frage stellen. Denn das Bistum kommt seinen Verpflichtungen nicht nach. Die Gründe, die Bentz dafür nennt, sind fragwürdig. Innerhalb eines Jahres – zwischen der Ankündigung des Mammutprojekts und dem vorläufigen Investitionsstopp – soll sich die finanzielle Lage deutlich verschlechtert haben. Doch hat sich in diesem Zeitraum wirklich etwa entscheidend verändert? Die Zinsflaute herrschte Ende 2017 genauso wie ein Jahr später, das Problem der Pensionsrückstellungen ist keineswegs neu, steigende Baupreise waren ebenso absehbar wie ständig sinkende Kirchensteuer-Einnahmen. Die Argumentation des Weihbischofs ist kaum nachzuvollziehen. Zumindest muss er sich den Vorwurf gefallen lassen, seiner »Vorzeige-Schule« falsche Hoffnungen gemacht zu haben.

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