03. Januar 2018, 08:00 Uhr

Zum Jahresende

Metzgerei Kollosche in Kaichen ist geschlossen

Mit der Metzgerei Kollosche hat in Kaichen zum Jahresende ein weiterer Laden seine Tore für immer geschlossen. Vor allem für die älteren Bewohner ist das ein Nackenschlag.
03. Januar 2018, 08:00 Uhr
Alles hat ein Ende: Ingrid Kopp am letzten Tag in der Kaicher Metzgerei ihres Bruders Volker Kollosche. Den Laden in Büdesheim gibt es weiter. (Foto: jwn)

Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen und erfolgte erst nach einer gründlichen Überlegensphase«, sagt Ingrid Kopp. Sie ist die Schwester des derzeitigen Firmeninhabers Volker Kollosche und hat bis zuletzt die Fahne in der kleinen Filiale in Kaichens Freigerichtsstraße 31 hochgehalten. Aber die nahen Supermärkte in Ilbenstadt und Heldenbergen hätten der Metzgerei mit ihren Billigangeboten das Leben zuletzt immer schwerer gemacht. »Wenn Fleisch und Wurst an den Fleischtheken dort billiger sind als das Nahrungsangebot für Tiere nur ein Gang weiter, dann stimmt doch etwas nicht«, sagt Kopp.

Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen

Ingrid Kopp

 

Volker Kollosche und sein Vater waren Anfang der 90er mit großen Träumen gestartet. Vater Herbert hatte zuvor jahrelang für die Metzgerei Jost in Ostheim und später in Kaichen gearbeitet. Die dortige Metzgerei war alteingesessen und ursprünglich mit einer Gaststätte verbunden. Als Sohn Volker dann seinen Meisterbrief in der Tasche hatte, hieß es laut Firmenchronik »Wenn der Vater mit dem Sohne«. Gemeinsam legten sie 1992 das Fundament für ihre Existenz. Es entstanden zwei Filialen in Kaichen und Büdesheim – in Kaichen ein reines Ladengeschäft, in Büdesheim das etwas größere mit der Produktion. Nach fast 30 Jahren erlischt der Traum.

Es fehlt an männlichen Nachkommen

»Aufgrund des Generationswechsels waren beide Filialen personell nicht mehr zu stemmen«, so die offizielle Verlautbarung. Dem Familienunternehmen fehlt es aber nicht nur an männlichen Nachkommen, die in die Fußstapfen der Firmengründer steigen könnten. Hinzu kommt die allgemeine Einzelhandelssituation in Kaichen. In den vergangenen Jahren gaben nach und nach alle Lebensmittelgeschäfte auf. Zuletzt gab es nur ein kleines Lebensmittelgeschäft mit Backwaren, einen Metzger und einen Friseur.

Jetzt gibt es nur noch den Friseur und ein Geschäft mit Deko-Artikeln, in dem neuerdings auch Brötchen angeboten werden. Den täglichen Einkauf tätigen die Kaicher Bürger entweder im nahen Heldenbergen oder Ilbenstadt. »Zum Arzt, zur Apotheke oder zur Bank fahren wir schon seit Langem nach Assenheim. Das ist mittlerweile das Zentrum von Niddatal«, sagte eine Bewohnerin vor der Metzgerei.

Nachbarn wundern sich nicht

»Viele der Einzelhändler sind auch selber schuld. Darunter auch die Metzgerei. Sie sind irgendwann stehengeblieben und haben die Entwicklung verschlafen«, schließt sich ein Nachbar der Kritik an. »Wenn die Metzgerei täglich nicht erst um 8 oder 8.30 Uhr geöffnet, sondern schon morgens ab sechs Uhr belegte Brötchen und Kaffee für den Durchgangsverkehr bereitgehalten hätte, dann hätte sie auch nicht schließen müssen«, glaubt er.

Dem Dorf drohe auf keinen Fall das langsame Aussterben. Das belege das rege Treiben auf dem Agrarsektor. Beispielsweise florierten schon seit Längerem in Kaichen Maschinenhandel, Tiernahrungshandel, Traktor-Service sowie ein Fachhandel für Garten- und Forsttechnik.

Problematisch ist die Situation hingegen für Senioren und Gehbehinderte. Sie sind nun endgültig auch für den täglichen Einkauf auf den Bus oder die Hilfe eines Nachbarn angewiesen, der sie in den nächsten Ortsteil zum Supermarkt mitnimmt.

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