Närrische Übermacht

09. Februar 2018, 18:53 Uhr
VFCG-Sitzungspräsident Niels Hedtke entreißt Bürgermeister Dirk Antkowiak den Rathausschlüssel. (Foto: Loni Schuchardt)

Eine fröhliche Wiedergeburt hat am Freitagmittag der Sturm aufs Rathaus durch Abordnungen der drei Friedberger Narrenzünfte »Schwarze 7«, »Die Wetterfrösche« und »Vereinigte Friedberger Carnevalgesellschaften 1. FCG 1900 – Die Eulen« (VFCG) gefeiert.

Vor drei Jahren war die närrische Rathauseroberung am Samstagnachmittag durch das Hissen der närrischen Flaggen mit kleinen Abordnungen der drei Karnevalsvereine und dem damaligen Bürgermeister Michael Keller am Freitagmittag ersetzt worden. Dessen Nachfolger Dirk Antkowiak will die alte Tradition des Rathaussturms in größerem Rahmen wieder aufleben lassen. Das war seit dessen Amtsantritt am 8. Januar jedoch nicht so schnell machbar. So wurde der diesjährige Rathaussturm eher eine Veranstaltung mit den drei Vereinen und dem Magistrat, den Antkowiak nach eigener Aussage »dienstverpflichtet« hatte. Mit dabei war auch Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender.

Immerhin fast 50 Elferräte, Gardemädchen, Aktive und einige wenige närrische Kiebitze, die in der WZ davon gelesen hatten, waren gekommen, um sich das noch kleine Spektakel anzusehen. In alter Tradition war der Rathauseingang mit einer (Papp-)Mauer verbarrikadiert worden. Davor stand das »Adolfsturm-Mobil«, das traditionell den Wetterauer Narrenexpress anführt.

Die Narren hatten es besonders eilig: Bereits um kurz nach 13 Uhr – und somit zehn Minuten früher als geplant – standen die Rathauserstürmer vor dem Haupteingang. Antkowiak und seine Mitstreiter hatten ein Einsehen und kamen aus dem warmen Rathaus heraus in die Kälte. »Jetzt gebt hier unten endlich Ruh, die Tür vom Rathaus, die bleibt zu«, verkündete Antkowiak, dem sein neuer Job sichtlich Spaß zu machen scheint, stellte er doch fest: »Seit gut nem Monat sitze ich auf dem neuen Stuhl – man, das ist doch ganz schön cool.«

Doch die Narren gaben nicht auf, selbst Antkowiaks Feststellung, »unsere Kassen, die sind leer und Bargeld haben wir auch keins mehr«, half nicht. Zugmarschall Norbert Simmer gab das Kommando: »Gardemädchen stürmt«. Gegen diese weibliche Waffe kapitulierte das Stadtregime schnell, das zuvor noch einige Konfetti-Kanonen gezündet hatte.

Ein allerletztes Mal wehrte sich das Stadtoberhaupt noch. Der neue VFCG-Sitzungspräsident Niels Hedtke musste dem Rathauschef den Schlüssel regelrecht aus den Händen entreißen. Mit einem dreifachen Helau ging es dann in den Sitzungssaal, wo Sekt, Orangensaft, Schnittchen und die ersten »Kamellen« auf die neue Rathausregierung und ihren Anhang wartete.

»Gerade mal vier Wochen bin ich im Amt, und schon habe ich es wieder los«, sagte der entmachtete Rathauschef, der sich nun schon auf seine erste Teilnahme am Wetterauer Narrenexpress freut.

Dieser startet am Faschingsdienstag, 13. Februar, pünktlich um 14.11 Uhr an der Burg und führt über Kaiserstraße, Goetheplatz, Schützenrain, Mainzer-Tor-Anlage, Bismarckstraße und Färbergasse zum Konrad-Adenauer-Platz. Der närrische Lindwurm umfasst in diesem Jahr 83 Zugnummern und ist somit etwas größer als im Vorjahr.

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