23. Juni 2017, 20:00 Uhr

Tierquälerei

Paar lässt Hund und Stute verwahrlosen

Ein Paar aus Kefenrod lässt einen Hund und ein Pferd so sehr verwahrlosen, dass die Tiere schließlich eingeschläfert werden müssen. Nun standen sie vor dem Büdinger Amtsgericht.
23. Juni 2017, 20:00 Uhr
Bilder wie dieses (aus 2015) kommen an die Öffentlichkeit, wenn der Kreis seinen jährlichen Tierschutzbericht veröffentlicht. Auch die Stute der Angeklagten war kurz vor ihrem Tod massiv abgemagert. (Archivfoto)

Als die Mitarbeiter des Veterinäramts kamen, war es bereits zu spät: Der Zustand eines Hundes und einer Stute – beide Tiere lebten bei einem Paar in Kefenrod – war so schlecht, dass die Tiere eingeschläfert werden mussten. Nun musste sich das Paar wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz vor dem Amtsgericht Büdingen unter Vorsitz von Richterin Barbara Lachmann verantworten. Die Richterin verhängte Freiheitsstrafen.

Wie die Angeklagte berichtete, habe sie die 28 Jahre alte Stute Anfang Februar 2016 übernommen. Damit habe sie diese vor dem Schlachter bewahren wollen. Mitarbeiter des Veterinäramts berichteten als Zeugen in der Verhandlung, dass das Veterinäramt schon kurze Zeit später über Missstände bei der Haltung der Stute informiert worden seien. Bei der Kontrolle am 22. Februar habe ein Mitarbeiterein zwar ein altes, aber wohlgenährtes und muskulöses Pferd gesehen.

Beanstandet wurden damals nur die äußeren Bedingungen auf der Koppel. Bei einer Nachkontrolle, einen Monat später, seien die Mängel teilweise behoben worden. Der Mitarbeiter des Veterinäramts vermerkte jedoch in den Akten, dass das Pferd Gewicht verloren habe. Am 19. April gingen schließlich Anrufe wegen des Zustands der Stute ein, wie ein Tiergesundheitsaufseher des Amtes vor Gericht aussagte. Durch diese Hinweise alarmiert, folgte die vierte Kontrolle, deren Ergebnisse Anlass für den Prozess waren.

Zwar hätten die Mitarbeiter das Pferd zunächst nicht gefunden, dafür seien sie aber von einem Nachbarn auf einen Hund aufmerksam gemacht worden. Der Mastino-Mischling sei bei der Kontrolle abgemagert gewesen. »Der war in so schlechtem Zustand, man konnte die Rasse gar nicht mehr zuordnen«, erklärt der Mitarbeiter. Was die Mitarbeiter auch sahen: Der Hund hatte sein Fell fast komplett verloren, eitrige Entzündungen bedeckten die Haut. Ursache: massiver Milbenbefall.

Nach Hinweisen von Anwohnern seien die Mitarbeiter des Veterinäramtes schließlich auch auf das Pferd aufmerksam geworden. Auch die Stute sei massiv abgemagert gewesen. Sie habe zwar immer wieder versucht, Gras zu fressen, wegen einer Zahnfehlstellung und dem geschwächten Körper sei ihr dies jedoch nicht möglich gewesen. Immer wieder sei sie in Apathie verfallen. Am Folgetag kamen Veterinäramt und Polizei zu dem Paar, um Hund und Pferd nochmals zu untersuchen und schließlich einzuschläfern, um sie von ihrem Leid zu erlösen.

Beide Angeklagte sagten vor Gericht aus, von den Ernährungsmängeln nichts bemerkt zu haben. Tatsache ist: Bei der Obduktion befand sich, anders als bei Pferden üblich, nichts mehr im Magen. »An dem Tag hatte das Pferd mit Sicherheit noch nichts gefressen«, folgerte die Amtstierärztin daraus. Außerdem habe ein massiver Wurmbefall das Pferd geschwächt.

Während sich die Angeklagte vor Gericht zu ihrer Verantwortung für die Stute bekannte, versuchte ihr Partner, seinem damals 13-jährigen Sohn die Schuld am Zustand des Hundes zu geben. Dieser habe den Hund geschenkt bekommen und sei für die Fütterung zuständig gewesen. Zweimal täglich habe der Angeklagte fünf Kilo Futter angemischt, das der Sohn dem Hund hinstellen sollte. Doch habe er dies einige Wochen nicht kontrollieren können, da er eine Ersatzfreiheitsstrafe verbüßt habe, danach sei er erkrankt und im Krankenhaus und in Rehabilitation gewesen. Als er wieder nach Hause gekommen sei, habe er bemerkt, wie schlecht der Hund aussehe und angekündigt, ihn wegzugeben. Daraufhin habe der Sohn Besserung versprochen.

 

Angeklagter muss ins Gefängnis

 

»Es tut mir leid, was mit dem Hund passiert ist«, sagte der Angeklagte. »Ich könnte meinem Sohn dafür in den Hintern treten.« Die Staatsanwältin sagte dazu: Der Sohn sei noch zu jung für diese Verantwortung gewesen. »Man kann nicht einem Minderjährigen, für den man selbst verantwortlich ist, ein Tier überlassen und sich so aus der Verantwortung stehlen.

« Ohnehin frage das Tierschutzgesetz nicht nach dem Halter, sondern nur nach dem Verantwortlichen für das Leid von Tieren. Deshalb hätten beide Angeklagten auch für das jeweilige Tier, dessen Halter sie nicht waren, Verantwortung tragen müssen, als sie dessen Leiden bemerkten. Sechs Monate Freiheiststrafe auf Bewährung beantragte sie für die Angeklagte. Deren Partner, der zahlreiche Vorstrafen hat, davon auch zwei aus dem Bereich Tierhaltung, solle neun Monate Haft ohne Bewährung bekommen.

Richterin Barbara Lachmann blieb in ihrem Urteil etwas unter diesen Anträgen, weil die Taten in einem relativ kurzen Zeitraum geschehen seien, wie sie zur Begründung sagte. Der Angeklagte wird zu sieben Monaten und zwei Wochen Haft, seine Partnerin zu fünf Monaten, die für zwei Jahre auf Bewährung ausgesetzt werden, verurteilt. Zudem muss sie eine Geldbuße von 480 Euro an den Tierschutzverein zahlen.

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