Prozess um Brandstiftung

Prozess zu Brandserie in Nieder-Florstadt: Tonbänder samt Geständnis weg

Ein Geständnis auf Tonband - vor Gericht ein ultimativer Beweis. Nun ist das Tonband verschwunden. Die Karten im Prozess um Brandstiftung in Nieder-Florstadt sind plötzlich neu gemischt.
07. Februar 2018, 17:00 Uhr
Im September 2013 brennt es in einem Wohnhaus in der Altenstädter Straße 10. Nachbarn stellen Leitern an und retten eine Frau und deren Kinder. Nun wird dem Ehemann der Frau der Prozess gemacht. Laut Anklage soll er das Feuer gelegt haben. (Archivfoto: Nolte)

Die Tonbänder sind weg. »Ich war in dem festen Glauben, dass sie noch existent sind«, sagte ein 52-jähriger Brandermittler am Dienstag vor dem Friedberger Schöffengericht. Im Verfahren gegen einen 33-jährigen Florstädter sollten besagte Bänder, auf denen Vernehmung samt Geständnis des Mannes aufgenommen wurden, gehört werden. Denn der Angeklagte behauptet, die Polizei habe ihn vor Jahren mit kruden Mitteln während der Vernehmung zu einem falschen Geständnis gebracht. So habe er während des Verhörs nicht seine Anwältin anrufen dürfen, zudem sei seitens der Polizei massiv Druck aufgebaut worden.

 

Bei Polizei Geständnis abgelegt

Hintergrund des Verfahrens ist eine Brandserie, die bereits viereinhalb Jahre zurückliegt und für die der 33-Jährige verantwortlich sein soll. Er, seine Frau und die sechs Kinder waren im Juni 2013 in ein Wohnhaus in der Altenstädter Straße 10 in Nieder-Florstadt eingezogen. Im August 2013 brannte es mehrfach im Hof des Gebäudekomplexes, in dem sich auch eine Buchhandlung befand.

Am 2. September 2013 brannte es dann in dem Mietshaus. Nachbarn eilten den Bewohnern zur Hilfe, stellten Leitern an das Haus an. Die Frau des Angeklagten und fünf Kinder wurden gerettet, kamen mit Rauchvergiftungen ins Krankenhaus. Der Angeklagte soll während des Brandes mit einem weiteren Kind im Supermarkt gewesen sein. Zwei Monate später legte er bei seiner polizeilichen Vernehmung ein Geständnis ab. Durch das Abhören der entsprechenden und nun angeblich verschollenen Bänder hatte das Gericht sich Klarheit erhofft.

 

Ermittler von Schuld des Angeklagten überzeugt

Der Brandermittler klärte im Zeugenstand auf: Die Tonbänder müssten nicht aufbewahrt werden, nachdem sie abgetippt worden seien. In diesem speziellen Fall sei er allerdings davon ausgegangen, dass sie archiviert würden. Der Polizist betonte, er habe dem Angeklagten damals nicht verboten, seine Anwältin anzurufen. Es sei zudem normal, dass während eines Verhörs ein gewisser Druck aufgebaut werde. »Es ist doch klar, dass es kein Wohlfühlmoment ist, wenn jemand vor mir sitzt, der der besonders schweren Brandstiftung verdächtigt wird«, sagte der 52-Jährige. Für ihn stehe außer Frage, dass der 33-Jährige der Brandstifter sei. Zumal er das auch gegenüber seiner Ehefrau zugegeben habe. »Sie hat es gesagt, als ich sie vernommen habe«, sagte der Polizist aus.

 

Ehefrau räumt Streitigkeiten ein

Die Ehefrau des Angeklagten bestätigte im Zeugenstand, ihr Mann habe sich damals entsprechend geäußert. Sie sagte aber auch: »Ich weiß, dass er es nicht war.« Der Polizist habe im Spätsommer 2013 überall in Florstadt das Gerücht gestreut, ihr Mann sei der Brandstifter. Ihr Mann habe gegenüber der Polizei jedoch ein falsches Geständnis abgelegt. »Das ist etwas, das ich bis heute nicht verstehe«, sagte die 36-Jährige.

Staatsanwalt Alexander Hahn konfrontierte die Frau mit dem angeblichen Motiv ihres Mannes: Es soll Streitigkeiten mit dem Vermieter gegeben haben, das Haus habe sich in einem schlechten Zustand befunden. »Ja, es gab Mängel am Haus und Probleme mit dem Vermieter«, bestätigte die Frau. Für ihren Ehemann sei das jedoch kein Grund, um Brandstiftungen zu begehen. »Wir hatten auch früher schon mit anderen Vermietern Streit. Für so etwas gibt es Anwälte. Wir wussten, dass wir da rauskommen.« Abgesehen davon sei die Wohnungssuche ohne Einkommen und mit sechs Kindern alles andere als leicht. »Wir waren froh, etwas gefunden zu haben.« Die Familie leide bis heute unter den Vorwürfen und der Gerüchteküche.

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