26. Februar 2019, 17:00 Uhr

Crowdfunding

»Rock den Acker«: Fast wie ein kleines Wacken

In Erbstadt wird am 17. und 18. Mai gerockt. Das Crowdfunding für »Rock den Acker« in Nidderau läuft bereits jetzt an. Ein Gespräch mit Organisatorin Lydia Betram.
26. Februar 2019, 17:00 Uhr
Schon im vergangenen Jahr ist der Acker in Erbstadt Treffpunkt für Rock- und Metalfans aus der Region gewesen. (Fotos: Seipp)

Was hat es denn mit dem Crowdfunding auf sich?

Lydia Betram: Das Prinzip ist relativ einfach. Wir sammeln im Vorfeld von allen Interessierten Geld, um das Festival auf die Beine zu stellen. Bei der Neuaufstellung von »Rock den Acker« im letzten Jahr haben wir Crowdfunding ausprobiert und waren davon sehr angetan.

Aber wie funktioniert das genau?

Betram: Die Leute gehen auf unsere Seite, dort gibt es unterschiedliche Ziele, die wir vorgegeben haben. Der erste Schritt ist 3200 Euro, die müssen wir erreichen, sonst wird gar kein Geld abgebucht und die Finanzierung klappt dann eben nicht. Mit der ersten Summe sollen Werbekosten, Gebühren, Anzahlungen bezahlt werden, denn so ein Festival hat viele Auflagen, um die wir uns im Vorfeld kümmern müssen. Bei der zweiten Etappe, bei 4000 Euro, geht dann Geld an die heimischen Bands, die oft nur für ein Bier und ’ne Bratwurst bei uns spielen, einfach weil es ihnen Spaß macht. Die freuen sich immer über eine Spende in die Bandkasse.

Aber das Geld geht den Rock- und Metalfans ja nicht verloren, sie bekommen ja etwas zurück, stimmt das nicht?

Lydia Betram
Lydia Betram

Betram: Das stimmt. Erst mal natürlich, dass wir unser Festival veranstalten können. Aber es gibt ja auch viele andere Anreize: billige Getränkegutscheine, Fanshirts, Eintrittskarten und vieles mehr.

Da sind ja auch kuriosere Sachen mit dabei. Baggerfahrstunde, gemeinsames Backen oder Grillen beispielsweise. Wie kam es denn dazu?

Betram: (lacht). Wir saßen mit unserem Orga-Team zusammen und haben mal überlegt, was man eigentlich alles als Anreize machen könnte. Da einer von uns beim Aufbau oft mit dem Bagger unterwegs ist und Zugang zu einem hat, war das erst mal so eine verrückte Idee. Aber Felix war direkt dabei: »Klar können wir das machen.« Beim Grillen ist das genau so. Wir wollen den Leuten persönliche Anreize geben, sich einzubringen und mit uns in Kontakt zu kommen. Im letzten Jahr hatten wir auch ein Helfergrillen, das kam super gut an.

Was sind denn die Vorteile des Crowdfunding?

Betram: Der größte Vorteil ist, dass wirklich jedermann uns unterstützen kann. Jeder kann seinen, und sei es noch so kleinen, Beitrag leisten, einfach nur weil er die Idee geil findet und uns unterstützen will. Er muss dafür kein großer Sponsor sein. Ein weiterer großer Aspekt ist sicherlich auch, dass sich die Leute mit so einem Projekt mehr identifizieren. Wenn ich mit zehn Euro das Festival unterstützt habe, dann steckt da ja auch etwas von mir mit drin, es wird zu »meinem Festival«. Letztendlich ist es eben auch ein Ausgleich: Ohne Crowdfunding wären die Eintrittspreise teurer. Gerade jüngere Leute, könnten dann eben doch nicht kommen. Und wir wollen niemanden ausschließen, alle sollen gemeinsam die Musik hören. Das ist unser Anliegen.

Die Summe scheint ja relativ niedrig zu sein, woran liegt das?

Betram: Vor allem liegt es daran, dass wir uns nicht übernehmen wollen. Klar könnten wir 10 000 Euro als erstes Ziel nehmen, das wäre aber unrealistisch und viele Leute würden sich außerdem zu Recht fragen, wohin das Geld geht. Bei uns wird 100 Prozent der über das Crowdfunding eingenommenen Summe in das Festival investiert. Wir arbeiten alle ehrenamtlich. Einfach nur, weil es Spaß macht.

Seid Ihr überrascht gewesen, dass es letztes Jahr so gut lief?

Betram: Ehrlich gesagt ja. Für einen ersten Versuch lief es überaus gut. Trotzdem haben wir bestimmt noch 100 Ecken gefunden, die wir definitiv besser machen können. Mehr Wechselgeld und Dixie-Klos zum Beispiel. Aber man muss eben erst mal die Fehler machen, bevor man sie korrigieren kann. Größere Schnitzer gab es übrigens nicht und darüber waren wir sehr erleichtert.

Was soll sich in diesem Jahr noch verbessern?

Betram: Es gibt einige kleinere Anpassungen. Wir haben zum Beispiel in diesem Jahr einen Tätowierer vor Ort, außerdem bekommen die Bands ein eigenes Zelt für ihren Merch, da es im vergangenen Jahr einfach zu eng war. Außerdem haben wir in diesem Jahr mit Headlinder Thundermother aus Schweden unseren ersten internationalen Act vor Ort. Das wird alles sehr spannend.

Was ist der Vorteil von Rock den Acker, auch im Vergleich zu anderen Festivals?

Betram: Größere Festivals sind oft eher unpersönlich. Bei uns ist es hingegen einfach, sich an das Orga-Team zu wenden. Es wird entspannt und ohne Stress zusammen Musik gehört und das alles in einer familiären Atmosphäre. Doch gleichzeitig fehlt eben auch die Festivalstimmung nicht: Wir haben Möbel aus Paletten, Foodtrucks und auch das große Flunkyballturnier darf natürlich nicht fehlen. Das kommt gut an. Ich erinnere mich noch gut, als einer im letzten Jahr sagte: »Das ist jetzt unser kleines Wacken!«

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