Heilpraktikerin gibt Tipps

Schlaflosigkeit: Wenn die Nacht zur Qual wird

Die Augen wollen einfach nicht zufallen. An Schlaf ist nicht zu denken. Was wirklich gegen Schlaflosigkeit hilft, erklärt die Assenheimer Heilpraktikerin Rosemarie Christensen im Interview.
29. Dezember 2017, 17:00 Uhr

Von Sabine Bornemann , 1 Kommentar
Nachts kein Auge zu: So geht es vielen Menschen. Der Schlaf will einfach nicht kommen. Doch das muss nicht sein. (Foto: Fotolia/princeoflove)

Haben Sie in der vergangenen Nacht wach gelegen?

Rosemarie Christensen : Nein. Aber das kommt schon hin und wieder vor.

Was machen Sie dann?

Christensen: Ich bleibe gelassen. Es ist mir gleichgültig, dass ich wach bin. Ich komme schnell wieder in den Schlaf.

Wie schaffen Sie das?

Christensen: Durch Entspannungstechniken und Übungen aus dem autogenen Training. Die mache ich im Bett und schlafe schnell wieder ein.

Das gelingt vielen Menschen nicht. Ab wann spricht man von einer Schlafstörung?

Christensen: Die meisten Menschen leiden an einer sogenannten Einschlaf- und Durchschlafstörung. Wer mindestens dreimal in der Woche und das länger als vier Wochen keine guten Nächte hat, leidet an einer Schlafstörung.

Das ist sehr zermürbend, oder?

Christensen: In der Tat. Patienten, die zu mir kommen, sind völlig am Ende. Sie haben einen langen Leidensweg hinter sich. Sie sind durch äußere Umstände in den Teufelskreis der Schlaflosigkeit gerutscht. Sie werden meist schon am frühen Abend nervös, überlegen, ob sie einschlafen können und wie die Nacht wird. Das ist purer Stress.

Können Schlaftabletten helfen?

Christensen: Die machen es nur noch schlimmer. Schlaftabletten betäuben lediglich und bringen den Rhythmus der Schlafphasen durcheinander.

Was sind Ursachen für Schlafstörungen?

Christensen: Sie können Symptome einer Depression oder einer neurologischen Erkrankung sein. Das müsste zunächst geklärt werden. Sogenannte eigenständige Schlafstörungen sind ursprünglich ausgelöst worden durch körperliche oder seelische Belastungen. Auch wenn diese Belastungen schon überwunden sind, kann sich die Störung des Nachtschlafs verselbständigt haben: Der Betroffene hat sich dann nämlich ängstliche Gedanken darüber angewöhnt, ob er nun schlafen kann. Genau diese Gedanken aber bewirken eine so starke körperliche Stressreaktion, dass an Schlaf nicht mehr zu denken ist.

Welchen Einfluss haben Fernseher, Handy oder Tablet?

Christensen: Viel Einfluss. Das blaue Licht dieser Geräte stört die Bildung des Schlafhormons. Diese Geräte gehören nicht ins Bett und sollten nicht vor dem Schlafen verwendet werden.

Welche Rolle spielt Stress?

Christensen: Eine große Rolle. Die Lebensweise beeinflusst unseren Schlaf. Wir sollten mehr Pufferzonen und Entspannungsphasen einplanen. Uns mehr Zeit einplanen zwischen Arbeitszeit und Schlafenszeit.

Jeder kann schlafen lernen und wieder entspannt aufwachen

Rosemarie Christensen

Wie kann das gelingen?

Christensen: Mit festen Ritualen am Abend. Mit kleinen Kindern macht man das durch Singen, Geschichten vorlesen und so weiter. Erwachsene sollten sich auch Rituale überlegen.

Wieso wacht man überhaupt in der Nacht auf?

Christensen: Wenn man nicht von außen geweckt wird, erwachen wir alle 90 Minuten. Das ist völlig natürlich. Je älter man wird, desto bewusster nimmt man dieses Erwachen war. In jungen Jahren dreht man sich unbewusst um und schläft einfach weiter.

Wenn die Nacht schlecht war, fühlt man sich »wie gerädert«, muss aber am nächsten Tag funktionieren. Soll man sich dann früher ins Bett legen?

Christensen: Nein. Der Körper sorgt selber dafür, dass wir den Schlaf »nachholen«. Er verändert den Schlafrythmus, das heißt die Tiefschlaf-, Traumphasen und Leichtschlafphasen werden angepasst. Dann ist der Mensch am nächsten Tag erholt, ohne zeitiger ins Bett zu gehen.

Wenn man mal eine Nacht gar kein Auge zugetan hat, wie kommt man am nächsten Tag zurecht?

Christensen: Nach Schlafdefiziten ist der Erregungszustand des zentralen Nervensystems erhöht. Dies führt zunächst mal zu sogar erhöhter Belastbarkeit. Und die rasch erlernbaren Verhaltensweisen aus der Verhaltenstherapie bei Schlafstörungen helfen enorm beim Umgang mit der als so belastend empfundenen Müdigkeit.

Schlafen ist also Kopfsache?

Christensen: Das ist es. Jeder kann schlafen lernen und wieder entspannt aufwachen.

X Rosemarie Christensen ist Heilpraktikerin für Psychotherapie. Sie stammt aus Niddatal-Assenheim und betreibt dort ihre eigene Praxis. Weitere Informationen unter www.kraftschöpfen.de.

Info

Seminare bei der VHS

Es gibt rund 80 Formen der Schlafstörungen. Viele Menschen sind von Ein- und Durchschlafstörungen betroffen. Was man gegen Schlafstörungen tun kann, möchte Rosemarie Christensen in einem Seminar der Volkshochschule Wetterau (VHS) erläutern. Es trägt den Titel »Aus dem Albtraum der Schlaflosigkeit erwachen«. Es soll um die Umstellung von Gewohnheiten gehen, hinzu kommen Infos über den gesunden Schlaf, spezielles Mentaltraining und Entspannungsverfahren. Das Seminar der VHS wird in der Friedensstraße 18 an zwei Terminen angeboten: Am Samstag, 24. Februar, von 10 bis 16 Uhr sowie am Sonntag, 25. Februar, von 10 bis 16 Uhr. Anmeldung bei der VHS telefonisch unter 0 60 31/7 17 60 oder per E-Mail an info@vhs-wetterau.de. (koe)

 

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