Prozess nach Betrug

Sparkasse holt sich Geld von Millionen-Betrüger zurück

In ihrer Haut möchte niemand stecken: Ihr Mann entpuppt sich als Millionenbetrüger und wandert ins Gefängnis. Die Limeshainerin steht mit den Kindern vor den Trümmern ihrer Existenz, denn nun muss sie auch noch raus aus dem Haus.
12. Mai 2018, 18:00 Uhr

Von Laura Kaufmann , 1 Kommentar
Friedberg Sparkasse Betrug Millionen Mitarbeiter Foto: Nici Merz

Maik H. hat die Sparkasse Oberhessen um knapp 9 Millionen Euro erleichtert. Längst sitzt er deswegen im Gefängnis (die WZ berichtete). Nun will die Bank ihr Geld von ihrem früheren leitenden Angestellten zurück. Die Folge: Seine Frau und Kinder werden aus dem Wohnhaus der Familie in Limeshain ausziehen müssen.

Der 44-Jährige hatte seiner Familie nach Aufdeckung der Betrügereien Wohnrecht in dem Haus ins Grundbuch eintragen lassen. Am Freitag entschied Jürgen Schrader, Richter am Gießener Landgericht, dass dieses wieder entfernt werden muss. Die Sparkasse kann damit auf das Haus zugreifen und verkaufen. Die Bank begrüßt die Entscheidung, teilte Unternehmenssprecher Eric Zimdars auf Anfrage mit. Weder die Anwälte der Bank noch die Frau von H. waren bei der Entscheidung zugegen.

 

Auf gute Jahre folgen schlechte Jahre

 

In guten wie in schlechten Zeiten – das hatten sie sich einst versprochen. Und einige Jahre waren es – zumindest nach außen hin – gute Zeiten für die Familie: Das Paar bekam drei Kinder, er verdiente als Sparkassen-Manager ordentlich Geld. Die Familie lebte im Eigenheim, er war Vorsitzender des Gemeindeparlaments in Limeshain und entsprechend angesehen im Ort. Nun ist von den guten Zeiten nicht mehr viel übrig, die Scheidung steht nach Medienberichten bevor.

H. hatte strafrechtlich Glück: Zwar hatte er zehn Jahre lang Geld von der Bank auf sein Privatkonto abgezwackt, gewerbsmäßige Untreue verjährt jedoch nach fünf Jahren. Er wurde lediglich für die 34 Taten aus den Jahren 2012 bis 2017 angeklagt. In einem Vergleich hat er allerdings seine Schuld für den kompletten Vermögensverlust anerkannt, die Bank kann zivilrechtlich daher 30 Jahre lang Geld zurückfordern – was sie jetzt tut. »Die Sparkasse hat ein berechtigtes Interesse daran, so viel von der veruntreuten Summe wie möglich zurückzubekommen«, sagt Sprecher Zimdars. Die Hälfte der ergaunerten Millionen konnte sichergestellt werden, doch noch sind etwa 4 Millionen Euro offen.

 

Ehefrau lehnt Angebot der Bank ab

 

Bei der mündlichen Verhandlung vor einigen Wochen stellte Sparkassen-Anwalt Peter Möller laut einem Zeitungsbericht klar, der Bank-Vorstand habe aus menschlichen Gründen kein Interesse daran, dass Frau und Kinder ins soziale Elend abrutschen. Das Angebot: Sie könnten im Elternhaus des Betrügers unbefristetes Wohnrecht erhalten. Das Haus hatte H. vor einigen Jahren durch ein vorgezogenes Erbe erhalten. Da der Täter jedoch mit seinem Vermögen haftet, soll auch dieses Haus in die Masse zur Schadensregulierung überführt werden.

 

Jahrelang überweist Maik H., leitender Angestellter der Sparkasse Oberhessen, Geld in die eigene Tasche.
Jahrelang überweist Maik H., leitender Angestellter der Sparkasse Oberhessen, Geld in die ...

Laut dem Bericht möchte die Frau von H. das Angebot nicht annehmen. Sie arbeite, die Kinder seien schulpflichtig, sie könne von einem anderen Wohnort kaum ihren täglichen Verpflichtungen nachkommen, argumentierte sie. Laut Zimdars wurden der Familie weitere Möglichkeiten aufgezeigt, um die Folgen der Taten von H. für sie abzumildern und ihnen eine dauerhafte Bleibe zu ermöglichen. Zu diesem Angebot stehe man auch weiterhin, sagte Zimdars am Freitag.

 

Angeblich von Dominas erpresst

 

Die Sparkasse führte während der mündlichen Verhandlung an, den Bau des Wohnhauses der Familie unfreiwillig mitfinanziert zu haben. Denn während des Strafverfahrens hatte der Bank-Betrüger behauptet, wegen der Bauschulden auf die schiefe Bahn geraten zu sein. Später räumte er jedoch ein, dass seine sexuelle Vorliebe in Verbindung mit Drogen ein teurer Spaß gewesen sei, den größten Teil des Geldes habe er dafür ausgegeben. 2006 sei er jedoch an ein Domina-Studio in Köln geraten, dessen Damen ihn mit pikanten Fotos erpresst und von ihm 1,7 Millionen Euro erhalten haben wollen.

Im Mai 2007 überwies der Leiter des Fachbereichs Rechnungswesen das erste Mal Geld auf ein privates Konto der Deutschen Kreditbank in Berlin. »Da es keine ausreichende Kontrollfunktion bei internen Bankgeschäften gab«, wie der Mann vor Gericht aussagte, fiel das erst auf, als seitens der Kreditbank der Verdacht auf Geldwäsche geäußert wurde. H. gestand, wurde zu einer Haftstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt.

Infobox

"Totalausfall" und Konsequenzen

Den Kunden sei kein Schaden entstanden, hieß es seitens der Sparkasse, nachdem der Betrug aufgeflogen war. Doch die Bank ist eine öffentlich-rechtliche Einrichtung im Eigentum der Landkreise, also des Wetterau- und Vogelsbergkreises, gehört damit der Allgemeinheit. Der Steuerzahler dürfte letztlich die Zeche zahlen. Während des Strafprozesses gegen Maik H. wurde klar: H. hatte es erschreckend leicht, es gab so gut wie keine Kontrollmechanismen. Strafrichter Jost Holtzmann sprach diesbezüglich gar von einem »Totalausfall«. Sparkassenvorstand Günter Sedlak hingegen sagte: »Die Kontrollen waren da, das System an sich wasserfest. Der Mann war halt ein Genie und hat die schmale Lücke erkannt und rechtswidrig ausgenutzt.« Intern zog die Bank nach dem Skandal Konsequenzen: Ein direkter Vorgesetzter des Betrügers musste gehen. In Sedlaks Bereich fiel früher das Rechnungswesen, inzwischen wurde die Abteilung aufgeteilt und ein Teil, nämlich die Kontrolle, einem anderen Vorstandsmitglied unterstellt. (lk)

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