28. November 2018, 08:00 Uhr

Goldsteinpark

Traum von neuer Skateanlage in Bad Nauheim geplatzt: Lions springen ab

Auf dem Papier gilt der Beschluss des Bad Nauheimer Parlaments noch, im Goldsteinpark eine große Skatebahn zu realisieren. Doch seit Dienstag ist das Konzept Makulatur.
28. November 2018, 08:00 Uhr

Von Bernd Klühs , 5 Kommentare
Ab auf die Piste – von wegen: Der Traum vieler Jugendlicher von einer Skateanlage auf höchstem Niveau im Goldsteinpark ist geplatzt. Nach Streitereien mit dem Rathaus hat der Lions Club seine Sponsorensuche für das Projekt abgebrochen. (Foto: Nici Merz)

Vor einem Jahr war eine überraschende Entscheidung gefallen: Trotz eines anderslautenden Beschlusses im Bauausschuss favorisierte eine Mehrheit der Stadtverordneten eine Skateanlage im Goldsteinpark. Der Falkner-Verein hatte das Nachsehen. »Nicht nur bei mir war damals der Eindruck entstanden, die Lions seien bereits dabei, einen Sponsor zu gewinnen«, sagt Bürgermeister Klaus Kreß.

Davon war aber keine Rede. Erst im Frühjahr begab sich der Verein auf die Suche. Begründung der Lions: Der Magistrat habe einen weiteren vergeblichen Versuch gestartet, Skateanlage und Greifvögel gemeinsam im Park unterzubringen. Erst danach hätten Geldgeber gewonnen werden können. Kreß kann diese Argumentation nicht nachvollziehen, denn ein Sponsor wäre so oder so erforderlich gewesen.

Kürzlich hatte sich der Bürgermeister auf Anfrage dieser Zeitung mit Kritik an den Lions zu Wort gemeldet (»Goldsteinpark: Kreß verliert Geduld«, WZ vom 5.11.). Der Rathauschef konstatierte einen monatelangen Stillstand und forderte die Stadtverordneten auf, den Lions eine Frist zur Vorlage eines Finanzplans zu setzen.

 

Deutliche Kritik an Lokalpolitik

Das können sich die Politiker jetzt sparen, denn die Projekt-Verantwortlichen der Lions, Gordon Kirstein und Peter Freyer, haben am Dienstag einen Schlussstrich gezogen. »Dieser Schritt ist die logische Folge einer eher unglücklich verlaufenen Kommunikation und mangelnder Unterstützung seitens der Lokalpolitik.« Dem Projekt sei die Grundlage entzogen worden.

»Wir sind enttäuscht. In dieser Gemengelage aus indirekter Kommunikation des Bürgermeisters und Unzuverlässigkeit der Politik lässt sich der Skatepark schlichtweg nicht verwirklichen«, betont Kirstein. Die »negative Berichterstattung« mache es unmöglich, Sponsoren zu finden. Leidtragende seien die Jugendlichen aus Bad Nauheim und Umgebung.

 

Vage Angaben

Der Bruch zwischen Lions und Rathaus dürfte zum einen auf die kritischen Aussagen des Bürgermeisters gegenüber der WZ zurückzuführen sein. Zum anderen hatte es der Magistrat abgelehnt, eine vom Club formulierte Vereinbarung zu unterzeichnen. In einem Schreiben, das der WZ vorliegt, hatten die Lions angekündigt, die Sponsorensuche im Sommer abzuschließen.

Ansonsten blieb alles vage. Kirstein und Freyer nannten drei Varianten: Skatepark überregional, Skatepark regional oder Skatepark Bad Nauheim. »Die Chancen, einen erheblichen Betrag zum Bau einer großen Anlage einwerben zu können, werden als gut eingeschätzt«, hieß es. Es sei aber Geduld erforderlich.

 

Kommunikation nur nach Absprache

Öffentliche Debatten schrecken nach Ansicht der Lions potenzielle Geldgeber ab. Deshalb hatten sie eine Vereinbarung vorgelegt, um die Kommunikation mit Medien und parlamentarischen Gremien zu regeln. Punkt 1: »Die Partner stellen fest, dass der Artikel in der Wetterauer Zeitung vom 5.11.2018 der Realisierung des Projekts abträglich ist.« Der Bürgermeister sollte sich also von seinen in der WZ zitierten Aussagen distanzieren.

Wie aus dem Entwurf weiter hervorgeht, sollte sich der Magistrat vor »jeglicher Kommunikation gegenüber Medien, politischen Gremien sowie sonstigen Personen« schriftlich mit den Lions abstimmen. Ohne Einigung sollten keine Informationen nach außen dringen. Und dann Punkt vier: »Für den Fall einer erneuten Kommunikation ohne Abstimmung behält sich der LC vor, das Projekt unter öffentlicher Darlegung aller Umstände abzubrechen.« Diese Warnung hat der Verein jetzt in die Tat umgesetzt.

 

Stunde der Greifvogel-Freunde schlägt

Die von den Lions vorgelegte Vereinbarung hatte für Irritationen im Magistrat gesorgt. Er habe zwar ein gewisses Verständnis für den Wunsch nach Diskretion, zudem hätten sich die Lions mit vielen guten Projekten Verdienste erworben, sagt Kreß. Der Magistrat unterliege aber keiner Kommunikationssperre. »Es gilt Pressefreiheit. Wenn mich ein Journalist anruft, beantworte ich seine Fragen. Das ist mein Verständnis von Transparenz«, betont der Bürgermeister. Der Magistrat lehnte es ab, die Vereinbarung zu unterzeichnen.

Nun dürfte die Stunde der Greifvogel-Freunde schlagen. Die Falkner würden am liebsten sofort loslegen. Zunächst muss aber der Parlamentsbeschluss von Ende 2017 geändert und ein Goldsteinpark-Bebauungsplan erarbeitet werden.

 

Meinung

Maulkorb für Volksvertreter?

Das Vorhaben, den Goldsteinpark nach der Landesgartenschau 2010 sinnvoll zu nutzen, stand unter keinem guten Stern. Nach jahrelanger Debatte wurde entschieden, dort eine der attraktivsten Skatebahnen Deutschlands neben Greifvogel-Volieren zu errichten. Als die Natur- und Tierschutzbehörden des Kreises Nein sagten, ging der Streit los. Welches Projekt sollte zum Zug kommen? Für die Falkner sprachen sich Bürgermeister Klaus Kreß und die UWG aus. Sie dürften zur Zielscheibe der Kritik von Befürwortern des Skateparks werden, nachdem die Lions aufgegeben haben. Sind Jugendbeirat und Lions Club fähig zu Selbstkritik, müssten sie allerdings vor der eigenen Tür kehren. Nach dem Parlamentsbeschluss pro Skatebahn Ende 2017 war von den Initiatoren fast nichts mehr zu hören. Auf Anfrage bekamen die Medien keine konkreten Auskünfte, der Bürgermeister offenbar auch nicht. Kein Wunder, dass der Politik irgendwann der Kragen platzte. Drohten doch die Falkner ebenfalls abzuspringen. Der Gipfel war die von den Lions kürzlich vorgelegte Vereinbarung, die der Magistrat unterschreiben sollte. Der Verein schlug den gewählten Volksvertretern allen Ernstes vor, sich selbst einen Maulkorb zu verpassen. Keine Fakten, keine Meinung sollte nach außen dringen. Ein merkwürdiges Verständnis von Pressefreiheit und Informationspolitik.

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