Überfall vor der Bank

Vor Gericht weinen Täter und Opfer gemeinsam

Er wartete vor der Gambacher Sparkasse auf ein Opfer. Seine Wahl fiel auf eine 65-Jährige, die gerade 800 Euro abgehoben hatte. Nur wenige Minuten später klingelte die Polizei an der Tür des Junkies.
26. Januar 2018, 07:00 Uhr
Vor der Sparkasse in Gambach wartete der 28-jährige Junkie eine Weile, bevor er eine 65-jährige Kundin überfällt. Nun saß der Mann auf der Anklagebank. Nach seiner Aussage hatte er Entzugserscheinungen, als er den Überfall beging. (Foto: nic)

Als sein Opfer anfing zu weinen, konnte auch der 28-Jährige die Tränen nicht zurückhalten. Bereits zu Beginn der Verhandlung am Dienstag am Friedberger Amtsgericht hatte er gestanden, die Frau am 11. Mai 2017 überfallen zu haben, nachdem sie am Geldautomat der Sparkassenfiliale in Gambach 800 Euro abgehoben hatte.

Vor Jahren sei er in die Heroinsucht gerutscht, berichtete der Angeklagte Richter Dr. Markus Bange und den beiden Schöffen. Und zwar »als ich erfahren habe, das meine Mama Krebs hat. Ich habe das nicht verkraftet«. Nach einiger Zeit als Junkie schaffte er den Absprung. Er begann ein Methadonprogramm, lernte seine jetzige Freundin kennen und setzte den Heroinersatz dann eigenmächtig ab. Am Tag des Überfalls »wollte ich meinen Affen wegmachen«, schilderte er. Mit »Affe« sind in der Junkie-Szene Entzugserscheinungen gemeint. Er habe an jenem Tag im Mai zudem Tabletten konsumiert, die angstfrei machen sollen.

Also stellte er sich vor die Sparkasse, sah eine Frau in die Filiale hinein- und wieder hinausgehen. Nachdem sie am Automat Geld gezogen habe, sei er ihr hinterhergelaufen, habe nach dem Umschlag in ihrer Hand gegriffen. »Sie hat nicht losgelassen. Es kann sein, dass ich sie gegen die Wand gedrückt habe.« Dann sei der Umschlag gerissen. Er sei weggerannt, jemand habe ihn verfolgt. Er sei gestürzt, dabei habe er den Großteil des Geldes verloren. Er sei nach Hause gelaufen. »Zehn Minuten später war die Polizei da«, sagte der 28-Jährige, der inzwischen in Butzbach lebt.

14-Jährige bringen Geld zurück

Sein Opfer, eine 65-jährige Gambacherin, war als Zeugin zur Verhandlung geladen. Schon bevor sie die Bank an jenem Tag betreten habe, sei ihr ein Mann aufgefallen, der mit ins Gesicht gezogener Kapuze vor dem Gebäude gewartet habe. Während des Überfalls habe sie mehrfach laut um Hilfe geschrien. »Erst dachte ich, ich verteidige mein Geld. Dann habe ich den Umschlag losgelassen. Ich hatte Angst, dass er ein Messer dabei hat.« Der Angreifer habe sie gegen eine Mauer gedrückt. Sie habe eine Schürfwunde am Arm erlitten. Gehe sie heute zur Bank, lasse sie sich immer von ihrem Mann begleiten.

Ein Zeuge des Raubs nahm die Verfolgung auf. Doch der 28-Jährige entwischte, indem er über einen Busch etwa eineinhalb Meter in die Tiefe sprang.

Auf der Flucht stolperte er zudem einem 50-jährigen Kfz-Mechaniker aus Münzenberg vor das Auto. Der Mann wollte gerade in der Nähe der Bank parken. Er erfuhr Sekunden nach dem Aussteigen vom Raub und reagierte prompt: Er setzte sich wieder hinter das Steuer und fuhr den Ort ab. Er entdeckte den 28-Jährigen, als dieser gerade den Schlüssel ins Hoftor steckte und alarmierte die Polizei. Den Großteil des geraubten Geldes, nämlich 780 Euro, fanden zwei 14-Jährige etwa 20 Minuten nach dem Raub in der Nähe des Kindergartens. Sie brachten es zur Bank zurück.

Die Schüler und die beiden Verfolger sagten am Dienstag als Zeugen aus. Ebenso ein pensionierter Lehrer. Er hatte an jenem Mai-Tag ebenfalls Geld am Automaten der Sparkassenfiliale abgehoben. »Mir fiel ein Mann auf, der mit Kapuze auf dem Kopf vor der Bank stand.« Als er wegen einer Nachfrage 15 Minuten später nochmals zur Bank ging, habe der Mann noch immer dort gestanden. »Später habe ich erfahren, dass kurz darauf die Frau überfallen wurde.«

Noch ist das Verfahren nicht abgeschlossen, das Urteil soll Mitte Februar folgen.

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