Unfall

Zwei Wetterauer Radfahrer auf Route 66 getötet

Ende April sind Harry Jung und Heinz Gerd Büchel in die USA geflogen, um mit dem Fahrrad die Route 66 abzufahren. 4000 Kilometer in 59 Tagen. Das war der Plan. Am Dienstag sind die beiden Rentner aus Bad Nauheim und Steinfurth bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben gekommen.
13. Mai 2018, 14:03 Uhr
(Foto: dpa/Symbolbild)

Nach Angaben der amerikanischen Polizei sind sie im Bundesstaat Kansas von einem Minivan erfasst worden. Beide erlitten tödliche Verletzungen. Wie der ADFC Bad Nauheim/Friedberg berichtet, waren der 71-jährige Heinz Gerd Büchel aus Bad Nauheim und der 74-jährige Harry Jung aus Steinfurth am Vormittag um kurz nach 11 Uhr mit ihren Fahrrädern auf der Route 66 westlich der 3000-Einwohner-Stadt Galena unterwegs, als ein Minivan sie von hinten erfasste.

US-amerikanische Medien berichten, dass eine 23-Jährige den Van gesteuert hat. Sowohl die zwei Radfahrer als auch der Van waren in Richtung Westen gefahren. Zu dem Unfallhergang ist noch nichts Genaues bekannt, die örtliche Polizei ermittelt.

Wie der ADFC schreibt, waren die Männer erfahrene Radfahrer. Heinz Gerd Büchel war zweiter Vorsitzender, er hatte auch Erfahrung mit langen Touren, war zum Beispiel schon in Kuba unterwegs. Und, so heißt es: »Dabei waren sie sich der Anforderungen an sich selbst und an ihre Ausrüstung sowie der Risiken für Radfahrer bewusst.«


 
Treffen vor der Abreise
 
 

Am Dienstag sind Heinz Gerd Büchel (l.) und Harry Jung bei einem Unfall auf der Route 66 im US-Bundesstaat Kansas gestorben. Ein Minivan hat die beiden Radfahrer erfasst. Wenige Tage vor ihrer Reise in die USA hatten die zwei in Bad Nauheim von ihrer Reisevorbereitung berichtet, dabei ist das Foto auf einer Bank im Kurpark entstanden.
Am Dienstag sind Heinz Gerd Büchel (l.) und Harry Jung bei einem Unfall auf der Route 66 i...

Wenige Tage vor ihrer Abreise kamen Heinz Gerd Büchel und Harry Jung zur WZ-Redaktion, sie erzählten von ihrer Reise und der Organisation. Die Tour war nicht komplett durchgeplant, aber die zwei erfahrenen Radfahrer waren gut vorbereitet, hatten ihre eigenen Fahrräder dabei, und erzählten, dass sie für alle Fälle Werkzeug und Ersatzschläuche mit in die USA nehmen. Für die Strecke hatten sie Fahrradkarten der American Bicycle Association dabei. Diese stellt genügend Material für die Strecke zur Verfügung, da die Route 66 schon lange nicht mehr zu den Hauptverkehrsstraßen des Kontinents zählt.

Ich wollte nie zu denen gehören, die sagen, hättest du das damals mal gemacht

Harry Jung

Es war für beide spannend. Ein wenig aufgeregt waren sie. Vor allem aber war die Reise mit viel Vorfreude verbunden. Harry Jung erzählte damals, wie es zu den Plänen kam: Als Achtjähriger hatte er das Buch »Ich radle um die Welt« von Heinz Helfgen gelesen, das ihn sehr beeindruckt hat. Wenig später sah er eine Doku über die Route 66 im Fernsehen. Beim Treffen im April sagte er: »Ich wollte nie zu denen gehören, die sagen, hättest du das damals mal gemacht.« Heinz Gerd Büchel konnte er mit seinem Plan überzeugen, die Strecke per Rad abzufahren. Im November buchten sie die Flüge, am Dienstag, 24. April, stiegen sie in den Flieger.


 
Ermittlungen dauern an
 
 

Zwei Wochen vor dem Unfall starteten sie ihre Fahrrad-Tour in Chicago. Die Route 66 ist knapp 4000 Kilometer lang, führt durch acht Bundesstaaten, drei Klimazonen. Der 3000-Einwohner-Ort Galena, in dessen Nähe sich der Unfall ereignete, liegt etwa 1000 Kilometer vom Startpunkt entfernt. Das Ende der Straße liegt in Santa Monica, einem Stadtteil von Los Angeles.
Ein Bad Nauheimer Freund der zwei Männer, Hans-Egon Köhler, berichtet, dass er in den vergangenen zwei Wochen Kontakt mit ihnen hatte, dass sie von ihrer Tour erzählt haben und davon, dass sie bereits 1000 Kilometer zurückgelegt haben. »Sie haben auch einige Bilder geschickt« – von den Orten, die auf dem Weg liegen, von Unterkünften, von Route-66-Schildern.

 

US-Medien berichten

 

In der Berichterstattung der örtlichen Medien sind die Namen der zwei Männer erst am Donnerstag veröffentlicht worden – vorher, so berichtet die Tageszeitung »The Joplin Globe«, arbeitete die Polizei daran, Angehörige ausfindig zu machen. Zum Unfallhergang wird der Polizist Tyler Alley zitiert, der sagt, dass die Ermittlungen noch andauern, und dass die zwei Männer rechtlich gesehen zu dieser Zeit auf der Straße mit dem Fahrrad unterwegs sein durften.

In einem übersetzten Bericht der US-Polizei, der dem Bad Nauheimer Hans-Egon Köhler vorliegt, heißt es: Mehrere Anwohner, die den Unfall in der Joplin-Cycling-Gruppe auf Facebook diskutiert haben, hätten bemerkt, dass das Gebiet, in dem sich der Unfall ereignet hat, in der Nähe eines Hügelkamms liege. Das deute darauf hin, dass die 23-jährige Fahrerin die Radfahrer deswegen übersehen haben könnte.

Dieser Version widersprechen die Angehörigen der Opfer vehement. Arndt Redmann, der Schwiegersohn von Harry Jung, sagt, der Unfall habe sich vor der Kuppe ereignet. Das sei auf den Fernsehbildern deutlich zu sehen und lasse sich auch auf Google Earth nachvollziehen. Die Straße sei dort breit und übersichtlich. Es könne nicht sein, dass die Fahrerin des Minivans die beiden Radfahrer wegen der Kuppe nicht gesehen habe. »Vielleicht hat sie telefoniert.«

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