21. Januar 2019, 21:14 Uhr

Die drei Verrückten

21. Januar 2019, 21:14 Uhr
Luka Jovic ist wie seine Sturmkollegen längst im Fokus großer Vereine. (Foto: dpa)

Eintracht Frankfurt


Nach dem Dreier gegen den SC Freiburg mit drei Toren des magischen Triumvirats haben sich die Frankfurter Profis Sebastien Haller, Luka Jovic und Ante Rebic noch in der Eintracht-Kabine ablichten lassen und den Schnappschuss sodann in den sozialen Netzwerken hochgeladen. Da saßen sie, mit freiem Oberkörper, grinsend, und hielten jeweils drei Finger in die Höhe, so, als wollten sie sagen: »Hey, seht her, wir haben sie im Alleingang erlegt.« Was, so ehrlich muss man sein, auch stimmt. Das dreiköpfige Monster, wie das Trio in den USA angekündigt wurde, ist das heißeste Ding in der Fußball-Bundesliga. Florian Kohfeldt, der Trainer des nächsten Gegners Werder Bremen, blickte nach dem eigenen Erfolg in Hannover mit gemischten Gefühlen voraus: »Jetzt geht es gegen die drei Verrückten aus Frankfurt«, sagte er. Ein cooler Spruch, in dem aber auch jede Menge Wertschätzung mitschwingt.

Rebic, Jovic und Haller sind eine Klasse für sich. 29 der 37 Eintracht-Tore in der Bundesliga haben sie zusammen erzielt, an nur zwei Treffern waren sie nicht direkt beteiligt, hinzu kommen noch acht Treffer in der Europa League. Ihr Transferwert dürfte mittlerweile bei rund 150 Millionen Euro liegen. Die Frage, die sich ziemlich viele Menschen in und um Frankfurt herum stellen: Wie lange werden die drei noch im Zeichen des Adlers auf Torejagd gehen?

Es gibt bestimmte Konstellationen, die es einem Verein wie der Eintracht quasi unmöglich macht, die Spieler zu halten. Dabei geht es nicht nur um die berühmte Schmerzgrenze für den Klub selbst, sondern auch darum, was der betreffende Spieler möchte. Signalisiert ein umgarnter Fußballer, dass er auf jeden Fall wechseln möchte, um sich andernorts monetär und/oder sportlich zu verbessern, so ist es heutzutage kaum mehr möglich, diesen Akteur vom Verbleib zu überzeugen – Vertrag hin oder her. Die Eintracht würde mit einem warmen Geldregen entschädigt. Das Problem an der Geschichte: In der Branche ist es mittlerweile üblich, dass die Ablösesumme nicht zu 100 Prozent in die Kasse des abgebenden Vereins fließt, sondern ein vertraglich fixierter Anteil an den früheren Klub oder zwischengeschaltete Drittparteien ausgeschüttet wird.

Bei Ante Rebic etwa halten sich hartnäckig die Gerüchte, dass die Eintracht nur die Hälfte der ausverhandelten Summe erhalten und der Rest auf das Konto des AC Florenz und einer Berateragentur fließen würde. Ein Rebic-Wechsel würde in der Kategorie von rund 50 Millionen Euro über die Bühne gehen. Interessenten gibt es genügend, Bayern München etwa oder Manchester United. Die Eintracht hat sich bis zur Decke gestreckt, den Vertrag bis 2021 verlängern können und Rebic mit knapp fünf Millionen Euro zum Spitzenverdiener gemacht. Eine Ausstiegsklausel gibt es laut Sportvorstand Fredi Bobic nicht.

Das heißeste Eisen im Feuer ist Luka Jovic, der Serbe, der kürzlich 20 Jahre alt geworden ist. Der Instinktstürmer ist deshalb so wertvoll, weil in ihm die größte Fantasie steckt. Er ist jung, höchst talentiert und ein Vollstrecker der Extraklasse. Längst beobachten ihn europäische Topklubs, darunter die Bayern und der FC Barcelona. Jovic ist weit mehr als 50 Millionen Euro wert. Ein gutes Geschäft für die Eintracht, die den Nationalspieler für weniger als zehn Millionen Euro von Benfica Lissabon verpflichten wird. Und da ist noch Sebastien Haller, der für das Eintracht-Spiel so wichtig ist und bei Trainer Adi Hütter fast immer spielt, weil er nicht nur torgefährlich und mannschaftsdienlich ist, sondern mit seinem Stil ein Fixpunkt im Spiel darstellt. Gerade englische Klubs haben ein Auge auf ihn geworfen. Haller würde rund 45 Millionen Euro bringen. Die Eintracht hat sich mit dem Szenario befasst, dass sie einen oder zwei ihrer furiosen Angreifer verlieren könnte. Aber sie ist vorbereitet, schließlich könnte ein Nachfolger dann nicht mehr »nur« sieben Millionen Euro wie einst Haller kosten. Das eröffnet ganz andere Möglichkeiten. Und abgeschrieben haben sie ihr umworbenes Trio Infernale noch nicht, bei einem Einzug in die Champions League besteht vielleicht sogar die (kleine) Möglichkeit, alle zu halten – es sei denn, ein klangvoller Spitzenklub bezahlt Mondpreise. Gegen verdrehte Köpfe ist man gemeinhin chancenlos. Ingo Durstewitz

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